zur Mahnung

Am Berliner S-Bahnhof Grunewald greifen gleich mehrere Holocaust-Mahnmale das Thema Deportation auf, denn von hier aus wurden seit 1941 mehr als 50.000 deutsche Juden in osteuropäische Ghettos, Konzentrations- oder Vernichtungslager verschleppt.

Auf dem Vorplatz erinnert seit 1987 eine Frauengruppe der evangelischen Gemeinde Grunewald mit den gekreuzten Eisenbahnschwellen an den 18. Oktober 1941. An diesem Tag verließ der erste Deportationszug mit 1.013 Menschen den Bahnhof in Richtung Litzmannstadt (Lodz).

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An der Rampe zum Bahnsteig des Gleises 17 befindet sich seit dem 18. Oktober 1991 ein vom polnischen Künstler Karol Broniatowski geschaffener, rund 20 m langer Betonblock, in den mehrere menschliche Umrisse als eine Art Hohlform eingearbeitet wurden. Die  Leere  und der entstehende Schatten symbolisieren beeindruckend den Verlust der jüdischen Männer, Frauen und Kinder.

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Am 27. Januar 1998 wurde das Mahnmal „Gleis 17“ der Öffentlichkeit übergeben. Die Deutsche Bahn hat die Gestaltung des Bahnsteigs in Auftrag gegeben, um die unrühmliche Rolle der Reichsbahn während des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.  An den Bahnsteigkanten dies- und jenseits der Schienen sind 186 Stahlplatten angebracht, auf denen in chronologischer Reihenfolge die Transportzüge mit der jeweiligen Anzahl der Deportierten und dem Zielort aufgelistet wurden. Am anderen Ende erobert die Natur das Gleisbett zurück. Sinnbild dafür, dass nie wieder ein Zug mit so schrecklicher Bestimmung den Bahnhof verlassen wird.

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Die Fotos sind am 10. November 2016 entstanden. Der heutige Holocaust-Gedenktag, der Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau ist in meinen Augen ein guter Zeitpunkt für das Zeigen der Bilder.

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20 Antworten zu zur Mahnung

  1. Myriade schreibt:

    Ein äußerst eindrucksvoll gestaltetes Mahnmal ! Die großen und langen Flächen, die Zurückeroberung durch die Natur, die Gestaltung der Wand. Eine sehr schwierige Aufgabe von den Künstlern und Gestaltern sehr überzeugend gelöst !

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  2. Elke schreibt:

    Da gebe ich dir absolut recht. Danke für’s Zeigen. Und da gibt es doch Idioten, die die deutsche Geschichtsschreibung neu schreiben wollen, weil das doch alles so gar nicht stimmt . . . Man kann nur den Kopf schütteln.
    Liebe Grüße
    Elke

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  3. nurmalich schreibt:

    Danke für diesen Beitrag. Diese schreckliche Zeit darf nicht vergessen werden!

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  4. Clara HH schreibt:

    Mir ist es immer und immer vollkommen unverständlich, wie sich ein Regime derartig festigen kann, um dann mehr oder weniger offen Völkermord zu begehen.
    Ich gehe ziemlich oft an dem Denkmal mit jüdischen Kindern an dem S-Bahnausgang Friedrichstraße Richtung Spardabank. Es freut mich, dass dort öfters Blumen abgelegt sind.

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  5. Anna-Lena schreibt:

    Schön, dich wieder zu lesen und DANKE für diesen berührenden Beitrag.
    Lieben Gruß
    Anna-Lena

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  6. eimaeckel schreibt:

    Eine Schande, dass einer diese Denkmale eine Schande nennt und dafür Beifall erhält.

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  7. Frau Momo schreibt:

    Ich sitze hier und weiß mal wieder nicht wohin in dieser Stadt. Jetzt habe ich ein Ausflugsziel… danke für die Bilder.

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  8. Jaelle Katz schreibt:

    Schön, wieder von Dir zu lesen :-), auch wenn es zu einem solch ernsten Anlass ist. Danke ans Erinnern.

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  9. vivilacht schreibt:

    du hast einen sehr guten zeitpunkt gewaehlt, liebe Frau Tonari. Ich danke dir sehr fuer deinen Beitrag. Als ich noch jung war, da hat mir mal jemand gesagt, dass es den Holocost nicht gegeben hat. Der hatte es wahrscheinlich so von den Eltern gehoert. Meine Antwort war darauf: Es kann schon sein, aber dann haben eben deine Eltern meine Grosseltern, Tanten und Onkel umgebracht. Da wurde er erst sehr still und hat sich dann entschuldigt.

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  10. Pingback: Auf den Spuren | Berliner Intermezzo

  11. Agnes schreibt:

    Wie Dein erstes Foto zeigt, müssen Mahnmale nicht immer teure und Aufwendige Werke sein, dieses einfach Gleiskreuz sagt doch so viel aus.
    Das Holocaust-Mahnmal in Berlin, das Feld mit den Stelen gefällt mir ja auch nicht so sehr, da sind Deine Fotos sehr viel eindrucksvoller.
    Es schon wichtig, dass die Erinnerung an den Holocaust so wach gehalten wird, das darf nie vergessen werden.
    LG
    Agnes

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  12. Pat schreibt:

    Ich habe immer Gänsehaut, wenn ich mit diesem Thema konfrontiert werde, gerade auch zur heutigen Zeit, wo wir ganz schnell wieder dort landen könnten. Und mit wir meine ich nicht nur die Deutschen. Sehr eindrucksvolle Bilder. Es wird wirklich Zeit, dass ich nach Berlin komme, auch wenn ich in den 4 Tagen nur das klassische Touristensightseeing schaffen werde. Aber dann muss ich eben wiederkommen. ;-)
    Schön, wieder von Dir zu lesen.

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  13. doris schreibt:

    Diese schreckliche Zeit darf niemals vergessen werden!!

    Danke für deinen tollen Beitrag,
    liebe Grüße Doris

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  14. Tante Emma schreibt:

    <3
    Danke fürs Zeigen.

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