eine Stolperschwelle

Fast wäre ich in Köln im letzten Sommer über etwas gefallen. So richtig der Länge nach hingeschlagen. Kommt davon, wenn frau läuft und den Blick vom Dom nicht lassen kann. Ich ziehe den Fotoapparat aus der Tasche, weil ich unerwartet vor mir ein Gesicht sehe, das zudem rostet.

Bahnschwelle_2

Und ich bin irritiert, was in der Nähe des Hauptbahnhofes so alles als Stolperfalle auf dem Fußweg herumliegt.

Bahnschwelle_1

Das „Verkehrsschild“ macht mich stutzig. Und so sehe ich noch einmal genauer hin.

Bahnschwelle_3

„Die Bahn erinnern“. Wohlgemerkt nicht „Die Bahn erinnert.“

Ich lese auf den kleinen Messingplatten:

„In Gedenken an die Opfer von Deportation und nationalsozialistischer Vernichtung. – Köln im Januar 2006“

„Nach genauen Zugfahrplänen wurden Männer, Frauen und Kinder aus allen Teilen Europas – meist in Güterwaggons gedrängt – in die Konzentrations- und Vernichtungslager abtransportiert.  Viele Beamte, Angestellte und Arbeiter der Deutschen Reichsbahn waren in dieser Zeit des Nationalsozialismus an der Deportation von Millionen Menschen beteiligt. Die Deutsche Bahn AG hat die Reichsbahn übernommen – weigert sich aber bis heute, in ihren Räumen und Bahnhöfen die Einbindung der Reichsbahn in die Verbrechen der Nazis öffentlich zu dokumentieren und zu bedauern.“

Ich informiere mich später im Internet. Die Messingtafeln auf der Bahnschwelle stammen vom Herren der bekannten Stolpersteine Gunter Denning. Das Konzept und die Gestaltung der Installation verdanken wir der Initiative „Die Bahn erinnern“. Dieses Mahnmal wurde heute vor zehn Jahren der Öffentlichkeit übergeben.

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11 Antworten zu eine Stolperschwelle

  1. schnipseltippse schreibt:

    Aber man muss sagen, dass das Konzept aufgeht. Es hat dich aufmerksam und neugierig gemacht. Ziel erreicht.

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  2. Fjonka schreibt:

    Hab ich gleich mal dem Herrn F. gesendet, den Link. Der dokumwentiert nämlich Stolpersteine – aber eine Schwelle, das war noch nicht dabei…da muß er wohl mal nach Köln ;-)

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  3. Ich musste nach der Beschreibung auch sofort an die Stolpersteine denken, denn du bist ja wirklich darüber gestolpert.
    Viele staatliche Institutionen sind irgendwie erhalten geblieben… und so manche Politiker auch..
    Gute Sache also!

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  4. Anna-Lena schreibt:

    Manche Menschen muss man mit Nachdruck erinnern. Somit finde ich das auch eine gute Idee.

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  5. Inch schreibt:

    Die Deutsche Bahn AG, die die Reichsbahn übernommen hat, weigert sich auch nach wie vor, den Deportierten bzw ihren, so vorhandenen Nachkommen, ihr Fahrgeld im heutigen Wert und mit Zinsen zurückzuzahlen. Die Deportierten mussten ihre Fahrt in die Gaskammern und Ghettos nämlich bei der Reichsnahn bezahlen. Ein Millionengeschäft

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  6. nurmalich schreibt:

    Eine ganz andere Form des Gedenkens ist im Koblenzer Hauptbahnhof zu sehen:
    https://wittlicher.wordpress.com/2014/12/14/gedenken-im-bahnhof/
    Alerdings wurde dieses „Menetekel“ nicht von der Deutschen Bahn AG angebracht sondern von der Christlich-Jüdischen Geselschaft für Brüderlichkeit e.V. Koblenz. Näheres zum Konzept hier: http://www.cjgkoblenz.de/index.php/menetekel

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  7. Elke Heinze schreibt:

    Eine Sache mit zwei Gesichtern – oder? Einerseits als Installation etwas, das Aufmerksamkeit erregt, andererseits offenbar nicht ganz ungefährlich. Wer weiß, wie oft da schon jemand hingefallen ist.
    Liebe Grüße
    Elke

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  8. minibares schreibt:

    Gerade gestern war der Erinnerungstag.
    So passt dein Beitrag wunderbar.
    Toll, dass du nachgeforscht hast. Die Stolpersteine-Idee ist vom selben Herrn, alle Achtung!

    Du hast ja auch ein Gesicht gesehen.
    Liebe Grüße Bärbel

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  9. Myriade schreibt:

    Eindrucksvoll diese alte Schwelle als Erinnerungsmal

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