Kleinigkeiten #3 oder die Reise nach Liliput

Vor ein paar Wochen waren wir im „Klein-Erzgebirge“ zu Gast, einem Freilichtmuseum im Stadtpark Oederans. Wir hatten noch etwas Zeit bis die Vernissage begann, für die wir eigentlich angereist waren. Es sprach also nichts dagegen, sich einen Miniaturpark anzusehen, der damit wirbt, der älteste der Welt zu sein. Erstmal eröffnet wurde dieser im Mai 1933. Seine Historie reicht aber schon länger zurück und ist aus den Weihnachtsschauen des örtlichen „Krippenvereines“ und den Aktivitäten des „Vereines für heimatliche Volkskunst“ hervorgegangen. 1955 zog die Miniaturenanlage an ihren heutigen Standort um.  (Allerdings habe ich keine Modelle aus der Zeit vor 1955 gefunden. Vielleicht sind sie im Krieg oder danach verloren gegangen.)

Auf rund 17.000 Quadratmetern Fläche werden inzwischen mehr als 200 handgefertigte Modelle im Maßstab 1:25 gezeigt, die Sehenswürdigkeiten Sachsens, Tschechiens, des Erzgebirges darstellen.  

Neben den meisten Objekten findet sich ein Hinweisschild zum Gezeigten. Wir lesen, seit wann das Modell im Park zu sehen ist, wer eine Patenschaft übernommen hat und worum es sich handelt.  Und für Geographiemuffel gibt es noch eine Karte mit der Lage. Perfekt. Über den Fußballplatz musste ich allerdings schmunzeln. „Fortschritt Oederan“ auf dem Weg in die Bundesliga. Herrlich. Wetten, dass sich der Text 1970 noch anders las? 😉

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Apropos DDR. Die ist durchaus präsent  😉

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Bewegte Miniaturwelt unter freiem Himmel. Für Spielzeugeisenbahnfreunde, Schnitz- und Volkskunstliebhaber sicher ein Mekka, das man besucht haben muss. Auch die Kinder, die in auffallender Vielzahl mit ihren Großeltern in diesem Park unterwegs waren, schienen begeistert. Immerhin gab es viele Knöpfe zu drücken, die etwas in Gang setzen: eine Gondel, einen Wasserlauf oder einen Zug.


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Ein bisschen fühlt man sich in dieser Umgebung wie Gulliver im Zwergenland 😉

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Und hier das Original: die Oederaner Stadtkirche.

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Der Besuch in der Ausstellung war ein netter Zeitvertreib (am Wegesrand), aber in unseren Augen leider auch nicht mehr. Das mag u.a. daran liegen, dass ich auch ansonsten bei Schnitzarbeiten nicht in Verzückung gerate. Oder daran, dass etliche der Sehenswürdigkeiten mir nichts sagten. Oder daran, dass keine eigenen Enkel Freudenschreie ausstießen…

Die Erhaltung der Anlage ist sicher sehr personalintensiv und aufwendig, dennoch empfinde ich den Eintrittspreis von zehn Euro für einen Erwachsenen als zu hoch.

(Kleine Sachen, aufgenommen ohne Makro – mein Beitrag zur Blogparade „Kleiner Monat“ von Cubusregio.  Gezeigt werden die kleinen Dinge jeweils am dritten Montag im Monat.)

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35 Antworten zu Kleinigkeiten #3 oder die Reise nach Liliput

  1. paradalis schreibt:

    Eine schöne Ansicht und Beschreibung, liebe Frau Tonari. Und das mit Gulliver sehe ich auch immer so. 🙂 Es ist bestimmt auch nochmal ein Unterschied, ob man mit dem „Klein-Erzgebirge“ aufgewachsen ist, also Einheimische ist – obwohl da auch sehr viele Besucher mit Reisebussen anreisen, und im Sommer laute Entzückungsschreie ausstoßen. 🙂 Mich hat meine Großmutter schon immer und oft da hinein mitgenommen, vorher gab es eine Kugel Eis, ich kenne es noch aus Kindersicht an der Hand der Omi.

    Jetzt hat das Klein-Erzgebirge für mich auch informativen Charakter, da fast alle Attraktionen und Sehenswürdigkeiten der Region dargestellt werden, weiß man ganz gut, was man hier in der Gegend vielleicht mal besichtigen könnte, was interessant ist, was nicht.

    Bis ganz bald, grüß herzlich, ja?!!
    Umarmung!!! 🙂

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  2. anneseltmann schreibt:

    Guten Morgen Frau Tonari!
    Boaaaaah, da geht mein Herz über bei dieser Vielfalt. Ich liebe solche Miniaturen.
    Warst du eigentlich schon mal in HH im Miniaturwunderland? Das ist auch ein Muss!

    Tolle Bilder, ich bin hin und weg!

    Liebe Grüße

    Anne

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  3. Arabella schreibt:

    Liebe Frau Tonari,
    alle Oederan (oder die meisten von ihnen) sind verärgert über den Betreiber der Anlage.
    Von den Eintrittspreisen abgesehen … Die Jahreskarte für Oederaner kostete mal 2,50 Mark (Ost).
    Zudem ist der schöne Park, indem die Anlage liegt, in vielen Teilen nicht mehr frei zugänglich, auch ein kleiner Teich mit Springbrunnen und Kriegerdenkmal ist nur noch über den Eintritt zu erreichen. Die Qualität der neuem Modelle ist nicht vergleichbar mit alten Ausstellungsstücken.
    Für die Einheimischen eine unschöne Entwicklung, die auch laut kritisiert wird.
    Liebe Grüße aus Sachsen.

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  4. franhunne4u schreibt:

    Ähnliches habe ich in England auch schon mal gesehen.
    http://www.themodelvillage.com/
    Der Eintritt war allerdings erschwinglich, allerdings war auch nichts Bewegtes darin. Und das Mini-Bourton on the Water ist auch ein wenig jünger, es entstand 1937.

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  5. Gedankenkruemel schreibt:

    So schön – einfach toll.
    So etwas kann ich leider nicht bieten.

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  6. happy bunny schreibt:

    Das war eine richtige Augenweide. Fuer mich als Auslandsdeutsche ist es toll, sich so etwas anzuschauen.

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    • Frau Tonari schreibt:

      Das freut mich.
      Hier in Berlin gibt es so etwas ähnliches. Aber ich muss gestehen, dass ich noch nie dort war. Vielleicht schreibe ich mir den „Modellpark Berlin-Brandenburg“ mal auf die Muss-ich-besuchen-Liste. Eintritt aktuell 4,50 €.

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  7. Elke schreibt:

    Das ist ja wunderschön, aber diese 10 Euro sind schon happig. Ich habe auch gerade gelesen, was Arabella dazu geschrieben hat. Mir fiel dabei ein Besuch im Schloßpark Pillnitz vor zwei Jahren ein. Damals gab es dort auch reichlich Plakataktionen aufgebrachter Dresdner Bürger , denen der vorher freie Eintritt in den Park plötzlich verwehrt war. Und wir als Touristen ärgerten uns über den nicht reduzierten Eintrittspreis, obwohl dort überall umgebaut wurde und von der Schönheit nur wenig übrig geblieben war. Ich habe jetzt mal geguckt: Inzwischen dürfte alles fertig sein. Das Tagesticket Schloss & Park Pillnitz für alle Museen, Park und Palmenhaus kostet 8 Euro, also immer noch billiger als das was ihr in „Klein-Erzgebirge“ zahlen musstet. Da kommt man schon ins Grübeln. Aber das Problem ist ja: man fährt irgendwo hin, man will was sehen und dann bezahlt man halt auch. Aber zurück zu deinen Bildern: das sind tolle Bilder, die natürlich perfekt zum „Kleinen Monat“ passen und ich habe sie mir gerne angesehen.
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Frau Tonari schreibt:

      Stimmt. Man lässt sich vermutlich nur selten durch solche Preise der modernen Wegelagerei abschrecken. Gruppenreisende zahlen übrigens deutlich weniger. Insofern finde ich es ungehörig, Einzelreisende so auszunehmen.

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  8. Lucie schreibt:

    Oh ja, ganz nach meinem Geschmack! Im letzten Urlaub haben wir auch so ein tolles Miniaturland in Leer bewundert!

    Liebe Grüße 🙂

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  9. Terragina schreibt:

    Ganz tolle Fotos… ich war im Teenie-Alter mehrfach auf Freizeiten im benachbarten Holland und habe dort Madurodam (in Den Haag / Scheveningen) – eine riesige Miniaturstadt – besucht. Die kleinen Gebäude, die mit so viel Liebe gebaut wurden, haben mich immer fasziniert. Deine schönen Fotos lassen die Erinnerungen wieder aufleben.

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  10. minibares schreibt:

    Hach, das bringt mich auf eine Idee für das nächste Mal.
    Aber 10 € Eintritt ist happig.
    Das Fußballfeld finde ich cool.
    Noch haben sie es nicht in die Bundesliga geschafft. Immerhin hat Paderborn es geschafft – für eine Saison.
    Kleine Grüße Bärbel minibar 😉

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  11. steinegarten schreibt:

    ErzgebirgeDekor ist meist nicht mein Geschmack, aber diese winzigen Figuren/Szenen und Landschaftsnachbauten sind doch faszinierend!! LG Steineflora

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  12. Frau Momo schreibt:

    Ich fühlte mich spontan auch an das Miniaturwunderland erinnert. Mal sehen, vielleicht schaffe ich es ja auch mal ins Erzgebirge. Scheint mir einen Ausflug wert zu sein

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  13. cubusregio schreibt:

    Danke fürs Mitmachen und den wunderschönen Reisetipp, hab‘ ihn gleich in mein „Da-sollte-ich-auch-mal-hinreisen-Heft“ eingetragen.

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  14. Winnie schreibt:

    Ich liebe das kleine Erzgebirge, … als Kind bin ich dort sehr oft gewesen …

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  15. Bludgeon schreibt:

    Wow! Was für Bilder! Da muss ich hin! 10 Euro? Na und? Verstehe den Unmut nicht. Die neuen Freiheiten haben zu einer derartigen Assi-Enthemmung geführt, dass ich mich als Betreiber ohnehin jede Nacht ängstigen würde, welche Brut eventuell gerade ihre „After hour“ in dem Terrain feiert – und ich darf dann hinterher „Anzeigen gegen unbekannt“ im Dutzend stellen und mir ans Knie nageln. also zaun drum, Stacheldrahtrollen drüber und ein paar vorbestrafte Wachschützler aus der Muckibude nebenan anheuern – aber die kosten eben…

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