wenn das Hotel floppt

Niemand kann so wunderbar granteln wie der von mir äußerst gern gelesene Kiezneurotiker. Heute wünschte ich, ich könnte in ähnlicher Form meinem Frust eine Stimme geben. Da ich ihn als Ghostwriter vermutlich nicht engagieren kann, muss ich mich selbst im Nörgeln versuchen.

Für unseren Aufenthalt in Stockholm suche ich im Mai ein Hotel in Zentrumsnähe, verkehrsgünstig gelegen und mit der Möglichkeit, viele Sehenswürdigkeiten fußläufig zu erkunden.

Ich finde das „Freys“ in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Stockholm-Centralen, einem Verkehrsknotenpunkt, der zudem eine perfekte Anbindung an den Flughafen Arlanda hat. Ob mit Bus oder Bahn – man kommt super gut hin.

921 Euro (SEK 8.550) für 5 Nächte incl. Frühstück in einem ****-Sterne-Hotel lassen mich beim Buchen ein bisschen schlucken. Und das war schon ein Sonderpreis mit Sofortzahlung und besonderen Stornierungsbedingungen. „This double room features a seating area, minibar and view.“ 8,3 von 10 möglichen Bewertungspunkten beim bevorzugten Hotelbettendealer. Da kann man nicht viel falsch machen, oder?

Kann man doch…

Denn das Hotel entpuppt sich in mehrfacher Hinsicht als durchschnittlich. Eigentlich noch darunter. Als in der Welt Vielreisende, die schon mal augenzwinkernd gefragt werden, ob sich eine eigene Wohnung eigentlich noch lohnt, erlauben wir uns dieses Urteil. Wir erinnern uns an keinen Übernachtungsort der letzten Jahre, der uns so enttäuscht hat.

Seating area? Ein Stuhl und ein Sessel vor einem kleinen Schreibtisch direkt vorm Fenster.  Ehrlich? Wer soll da zu zweit hocken.

View? Yes. Direkt in die gegenüber liegenden Fenster 😉 Büroräume und/oder Wohnungen. Um den Himmel oder in den Innenhof sehen zu können, muss man sich schon ziemlich weit aus dem Fenster lehnen. Leider ermöglichen die Fenster dem Gegenüber auch einen echten Einblick in das Leben der dahinter wohnenden Touristen. Es sei denn, man zieht die Verdunkelungsvorhänge zu. Dann allerdings muss man auch tagsüber das Licht anschalten.  Was angesichts heller Juninächte sehr sinnvoll ist, erweist sich am Tage als vorhangtechnisch undurchdacht.

Okay, das Zimmer war sauber. Aber es war klein, sehr klein. Gemütlich war es leider nicht. Reist man mit mehr als winzigem Handgepäck an, wird es schon ziemlich eng mit dem Abstellen von Koffern. Der einzig mögliche Platz für die Kofferablage befindet sich unglücklich neben dem Fenster. Klappt man den Deckel hoch, ist ein Wandregal im Wege. Der „Kleiderschrank“ ist minimalistisch: eine Stange mit ein paar Bügeln. Fächer gibt es nicht bzw. sind schon mit Zusatzdecken belegt.

Um auch etwas Positives zu sagen: Das kostenlose WiFi funktionierte hervorragend.

Das Bad verdient sich den Namen Nasszelle redlich. Fensterlos. Steckdosenlos. Die winzige Dusche mit Klapptüren verfügt über keine Duschtasse, nur einen Fußbodenablauf und Fliesen mit mangelndem Gefälle.  Das führt dazu, dass nach dem Duschen immer Wasser auf dem Boden zurück bleibt. Späteres Zurückkehren auf die Toilette oder vor den Kosmetikspiegel für Riesinnen führt unweigerlich zu nassen Füßen oder Socken. Es sei denn, man zweckentfremdet die Handtücher als Aufwischlappen. Davor hatte ich Hemmungen… Und die Klobrille ist auch locker.  So. 

Im Frühstücksraum, zu anderen Tageszeiten als belgisches Restaurant/Bierbar betrieben, wird es morgens schon mal ziemlich eng. Die ungedeckten Tische stehen zum Teil so dicht beieinander, dass man Gefahr läuft, beim Einfädeln auf die lange Sitzbank ungewollt mit dem Allerwertesten das Geschirr des Nachbartisches abzuräumen. Und überhaupt steht immer irgendjemand einem anderen Menschen im Weg. Das nervt auch sichtlich das Servicepersonal, das für das Abräumen und Abwischen der Tische zuständig ist. Ansonsten herrscht jugendherbergsähnliche Selbstbedienung. Ein kleiner Stau beim Brotschneiden und schon kommt niemand mehr die Treppe hinunter in den hinteren Teil des Raumes. Der Filterkaffee aus großen Thermoskannen schmeckt muckefucklike. Die Auswahl des Buffets ist reichhaltig und wird immer wieder aufgefüllt. Aber halbflüssiges Rührei aus Pulverzeugs geht nicht.  Abwechslung? Nicht die Bohne. Nach fünf Tagen der immer gleichen Auswahl steht man ein wenig ratlos vor dem Angebot. Insgesamt eine ungemütliche Frühstücksraumatmosphäre.

Leider wirken die Angestellten wenig motiviert. Die Mitarbeiter an der Rezeption blicken kaum vom Bildschirm auf, wenn Gäste das Hotel betreten. Freundliches Grüßen oder ein einfaches Nicken? Fehlanzeige. Gleiches beim Housekeeping. Bloß keinen Blickkontakt aufnehmen. Dafür war dann schon mal die Betten um 14.30 Uhr noch immer nicht gemacht oder Extra-Kissen wurden auf dem Fußboden „vergessen“.   

Fazit: Wir haben mehr erwartet und können dieses Hotel nicht empfehlen. Wir finden es wegen des Preis-Leistungs-Verhältnisses völlig überbewertet und werden uns bei einem erneuten Besuch der schwedischen Hauptstadt eine andere Herberge suchen. 

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25 Antworten zu wenn das Hotel floppt

  1. Arabella schreibt:

    Hoffentlich haben die Tage entschädigt

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  2. franhunne4u schreibt:

    Bei DEM Preis hätte ich auch mehr erwartet. Mehr Quadratmeter und auch mehr beim Frühstücksbuffet.

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  3. ute42 schreibt:

    Da hat das Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich nicht gestimmt. Du solltest deine Bewertung auch im Hotelportal im Internet veröffentlichen.

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  4. Anna-Lena schreibt:

    Was für ein Reinfall. Gut, dass ihr meist unterwegs gewesen seid und das Zimmer nicht eine Dauerbehausung war 😦 .

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    • Frau Tonari schreibt:

      Reinfall trifft es im Kern. Sieht man sich im Internet die Bilder zum Hotel an, könnte man den Eindruck bekommen, wir haben das Zimmer für den Steigbügelhalter des Kutschers erhalten 😉 Wobei mir der Fluchtplan und die darauf ersichtlichen Zimmmergrundrisse gezeigt haben, dass die andern Räume auf unserer Etage nicht wesentlich größer waren.

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  5. Clara Himmelhoch schreibt:

    Bei dem Verfassen der Werbeslogans für das Hotel haben bestimmt Leute mitgewirkt, die sonst in Deutschland als Makler schlechte Wohnungen an den Mann oder die Frau bringen wollen.

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  6. minibares schreibt:

    Zum Glück war es draußen schöner.
    Danke für die Kritik. Das wäre auch nichts für mich. Wenn ich schon lese, die Treppe runter konnte keiner mehr, weil unten alles vollstand.

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  7. vivilacht schreibt:

    ich kann da nur sagen, wirklich reinfall. Wir hatten sehr viel Glueck bei unserem Hotel in Kreta. Neu renoviert, alle moeglichen Steckdosen, auch USB etc, mehr als genug Steckdosen, so dass ich meinen 3fach stecker im Koffer lassen konnte. Essen abwechslungsreich etc. Wenn ich dann doch irgendwann mal nach Stockholm komme, erkunde ich mich nochmal bei dir, wo wir NICHT hingehen wollen.

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    • Frau Tonari schreibt:

      Ich ärgere mich vor allem deshalb, weil ich eigentlich immer sehr sorgfältig aussuche und bisher kaum mal die Stirn runzeln musste. Aber hier gab es für viel Geld nur wenig Leistung und eine winzige Dunkelkammer 😉

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      • vivilacht schreibt:

        wir hatten in Auckland ein Zimmer, das aber nciht wir bestellt hatten, sondern Freunde dort fuer uns. Da waren 2 Betten und den Koffer konnte man entweder auf dem Bett oder darunter haben. Wenn der, der an der Wand lag, auf die To wollte, musste er ueber mich drueber steigen. Fertig war das Zimmer auch nicht und am naechsten Tag auch erst sehr sehr spaet, als wir gegen Abend wieder heimkamen. Fuer die letzte Nacht, als wir wieder nach Auckland kamen, da haben wir uns dann etwas ausgesucht. Andererseits, diese „Besenkammer“ war halt in mitten der Stadt

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  8. vivilacht schreibt:

    ich war noch nicht in Japan, aber mein Mann. Da hatte er auch viele interessante Erzaehlungen mitgebracht, aber das war, als die Kinder noch klein waren

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  9. Elke schreibt:

    „Ich finde das “Freys” in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Stockholm-Centralen, einem Verkehrsknotenpunkt, der zudem eine perfekte Anbindung an den Flughafen Arlanda hat. Ob mit Bus oder Bahn – man kommt super gut hin.“
    Das ist vermutlich das Problem. Viele Touristen werden diese Lage genauso verführerisch finden wie du. Da brauchen die sich keine große Mühe zu geben. Manchmal habe ich aber auch das Gefühl, dass die Skandinavier in den Städten weit weniger Ansprüche haben als wir. Wir sind in Kopenhagen mal in einem Hotel gelandet, bei dem wir uns wirklich gefragt haben, ob wir uns die kleinen Zimmerchen mit den Bordschwalben teilen, die dort überall am Straßenrand standen. Ist schon ärgerlich bei den Preisen!
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Frau Tonari schreibt:

      Das Hotel war wirklich knackend voll. Man hatte beim Frühstück den Eindruck, dass alle 127 Zimmer belegt waren und sich zudem mindestens die Hälfte der Gäste davon zur gleichen Zeit zum Essen begeben haben.

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  10. gks schreibt:

    Der Beste aller Heizungseinschalter hatte ebenfalls Pech.

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  11. kiezneurotiker schreibt:

    Das war doch schon mal ein schöner Rant. Fehlen nur noch ein paar Fäkalwörter und die Sache ist geritzt. 🙂

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  12. richensa schreibt:

    Ich habe beim letzten Mal in Stockholm privat gewohnt, das war sehr in Ordnung, nicht über Är-Bi-and-Bi, sondern über guestrummet.com. Im Sommer sind die Hotels in Stockholm so rattig teuer, hammer!

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