Rotorua (2)

Erleichtert, das Strandsandkörnchen im tonarischen Auge entfernt bekommen zu haben, laufen wir zum Kuirau Park im Herzen Rotoruas. Der Kurort ist berühmt für geothermale Aktivitäten. Schon von Weitem sehen wir Dampfschwaden durch die Grünanlage ziehen. Es riecht nach faulen Eiern. Wir entdecken „qualmende“ Tümpel, blubbernde Pfuhle und brodelnde Schlammlöcher.  Es ist nett, hier ein wenig spazieren zu gehen, interessant ist es auch, aber wirklich spektakulär finden wir es nicht.

Irgendwie sind wir irritiert. Nach den letzten Tagen an der Küste und dem Regenwald verspüren wir seltsamerweise keine Lust auf eine Stadt. Die rechtwinkligen und gesichtslosen Straßenzüge mit ein- oder zweigeschossigen Ladengeschäften und Restaurants reizen uns nicht zum Verweilen. Wir wollen es lieber ein wenig anders…

und fahren mit dem Auto nach Whakarewarewa, einem Geothermalgebiet am Stadtrand Rotoruas mit dem größten Geysierfeld Neuseelands.

Der Besuch in „Te Puia“ ist mit 125 NZ$ für zwei Personen kein preiswertes Vergnügen.  Dafür erhalten wir ein Tagesticket, nehmen an einer geführten Tour teil und sehen eine Maori-Performance. Wir gucken einer Meisterklasse für Schnitzkunst über die Schulter und schauen beim Flechten traditioneller Gegenstände zu.  Und wir kommen dem Pohutu-Geysir ganz nahe. Doch nun eines nach dem anderen.

Bevor es los geht, staunen wir den Geysir schon mal ein bisschen aus der Ferne an. Das ist eine Premiere für mich. Nicht das Staunen, sondern einen Geysir live zu erleben.

te_puia_1

Wenige Minuten später beginnt die Folklore-Show. Auch wenn wir in friedlicher Absicht in das nachgebaute Maori-Dorf kommen, unterliegt der Ablauf einem strengen (touristischen) Ritual. Bevor wir das Gelände betreten dürfen, muss aus der Mitte der Gruppe ein Sprecher gewählt werden. Es findet sich schnell ein polnischer Freiwilliger. Ein Stammeskrieger kommt mit ausladenden, bedrohlich wirkenden Gesten auf ihn zu und legt ihm einen Silberfarn vor die Füße. Diesen gilt es aufzunehmen und dann im Versammlungshaus wieder zu übergeben. Zur Belohnung darf er samt Familie in der ersten Reihe sitzen…

Die Bühnenshow dauert eine Dreiviertelstunde. Wir sehen einige Tänze, die mitunter von Gesang und einer Konzertgitarre begleitet werden. Natürlich bedienen die Künstler auch das Klischee: Sie stampfen mit den Füßen, rollen wie wild mit den Augen und strecken uns immer mal die Zunge raus. ;-)

Die Krieger zeigen mehrere Tänze, auch Haka genannt. Ich lerne, dass Haka nicht nur Kriegstanz bedeutet, sondern auch begrüßen und unterhalten soll. Er wirkt allerdings sehr martialisch. Kraftvoll, laut und sehr, sehr extrovertiert. Fasziniert beobachte ich die Choreographie als geschnitzte Stöcke kreuz und quer über die Bühne fliegen.

Der Tanz der Frauen heißt Poi und ist voller weicher Bewegungen. Bei diesem Tanz werden kleine, an einer Schnur befestigte Bommel (Bälle) im Rhythmus um den Körper herumgewirbelt.  Ich bewundere, dass sich da nichts verheddert. Der Tanz erinnert mich sehr an den sanften Hula, den ich mit Hawaii verbinde.

Neben mir aber leidet Herr Tonari wegen des Gesanges und der missgestimmten Gitarre still vor sich her. Er findet, dass Tontreffen nicht zu den Stärken der Gruppe gehört. Seine Ohren sind sensibler als meine…

Ja, das war natürlich eine „gewöhnliche“ Folklore-Veranstaltung und für Touristen inszeniert. Dennoch fand ich es sehenswert und einen schönen Auftakt für den anschließenden Gang durch das  Gelände.

(12.12.2014)

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16 Antworten zu Rotorua (2)

  1. vivilacht schreibt:

    aber dort zu sein, und es nicht anzusehen, das macht man einfach nciht, grins. Das gehoert mit dazu.

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  2. einfachtilda schreibt:

    Das sind sehr interessante und tolle Bilder :-)

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  3. Terragina schreibt:

    Oh ja, so einen Geysir würde ich auch gerne mal aus der Nähe sehen. Und bezgl. der Veranstaltung. Auch wenn es extra für die Touris ist, ist`s doch trotzdem sehr interessant – klasse Fotos!

    Liebe Grüße zu Dir von Kerstin

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  4. allesistgut schreibt:

    Och, erst fixt Du mich mit dem Geysir an und dann ist er nur aus der Ferne zu sehen. ;) Freue mich schon auf den Beitrag darüber. Diese Tanzveranstaltung war sicher eine schöne Abwechslung und höchst interessant. Lieben Gruß.

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  5. ute42 schreibt:

    So eine „Touristenvorführung“ gehört halt dazu und sie scheint ja auch ganz interessant gewesen zu sein. Das selbe haben wir in Australien in Kuranda erlebt. Man muss es auch einmal gesehen haben. Die Aufnahme vom Geysir in der Ferne ist toll. Ich bin gespannt auf mehr.

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  6. minibares schreibt:

    Wow, großartig, was ihr alles unternommen habt.
    Deine Fotos sind beeindruckend, sie zeigen, was du beschrieben hast.
    Huch, irgendwie unmusikalisch, das würde mich auch schmerzen, lach.
    Aber ich könnte damit leben, für kurze Zeit.

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  7. kormoranflug schreibt:

    Hoffentlich schützt die schwarz-rote Jacke und der Umhang vor dem Speer (lach).

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  8. antje schreibt:

    auch wenn diese vorführungen „nur“ für touristen sind, ist doch bestimmt sehr viel tradition darin, die so vermittelt wird. sehr feine berichte und fotos, danke!

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  9. kallehd schreibt:

    Huhu Tonari,

    vorhin sah ich einen Beitrag über Havanna in 3sat (und dachte an Dich), und prompt folgt eine Doku über Darwin, die seine Reisen zeigt, und darunter ist der Besuch Neuseelands. Und was sehe ich da: den Tanz der Maori mit dem typischen Zunge rausstrecken ;). Sehr wild diese Eingeborenen, und kannibalistisch (zumindest damals).

    Liebe Grüsse kalle

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  10. Elke schreibt:

    Also wenn ich deine Berichte und Fotos so verfolge, dann krieg ich richtig Lust auf eine solche Reise, obwohl es mir ja vor dem langen Flug einfach nur graut. Danke dass du uns virtuell so schön mitnimmst.
    Liebe Grüße
    Elke

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  11. Anette schreibt:

    Mein Geologenherz schlägt höher ;-) …
    Auf die Performance hätte ich sicherlich verzichten können, aber das ist wohl im Gesamtpaket enthalten …
    Hach – ich habe auf einem der Bilder das Motiv eurer Postkarte (die Brücke mit Dampf und Qualm) gleich wiedererkannt …
    Danke fürs Zeigen, sehr interessant …
    Liebe Grüße, Anette

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  12. ruediger schreibt:

    Ich teile das Problem mit dem dem vermutlich besten Mithörer von allen, missgestimmte Gitarren vergällen auch mir den Spass an einer Aufführung. Ich frage mich immer, warum der Spieler da nicht hört und mal eben kurz nachdreht…. *argh

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  13. Agnes schreibt:

    Wow, so viel Eintritt nehmen die inzwischen in Whakarewarewa!
    Das ist heftig, wir haben höchstens 10 NZ$ pro Person bezahlt, allerdings ohne Maori Konzert, das haben wir in einem anderen Maori Dorf in Rotorua erlebt.
    Hangi Essen haben wir auch nicht gemacht.
    Hast Du auch den oberirdischen Friedhof im Dorf Whakarewarewa gesehen und fotografiert?
    Oder darf man da vielleicht heute nicht mehr hin? Es stört die Maorie doch sehr wenn Scharen von Besuchern durch ihr Dorf laufen.
    Wenn ich Auckland und Rotorua vergleiche, hat mir Rotorua besser gefallen, ich fand die Stadt (damals) sehr schön.
    Ich denke Du wirst noch mehr über mein Traumland berichten, ich hoffe es jedenfalls sehr.
    Es ist ein Genuß hier zu lesen.

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