Welcome to Hobbiton

Wir verlassen Coromandel und machen uns auf den Weg nach Roturua. Natürlich muss man auf der Strecke dem 6.000-Seelen-Örtchen Matamata und damit den Hobbits einen Besuch abstatten. Auch, wenn ich zugegebenermaßen kein „Herr der Ringe“-Fan bin. Aber an diesem Film und den friedfertigen Halblingen aus Mittelerde kommt bei einem Neuseelandbesuch niemand vorbei. Merchandising überall. Und gerade läuft der dritte „The Hobbit: The Battle of the Five Armes“ hier und andernorts in den Kinos an. Wir sind also doch ein bisschen neugierig.

11122014

Das i-SITE in Matamata ist eines von rund 90 Besucherinformationszentren Neuseelands. Dort stellen wir unsere Mietkutsche ab und kaufen die Tickets für eine Hobbiton Movie Set Tour. Ohne Führung darf Otto Normaltouri den Drehort nämlich nicht besichtigen. Busse fahren regelmäßig und direkt vor dem Eingang des i-Site ab. Für 75 NZ$ werden wir rund 3 Stunden unterwegs sein.

isite_matamata

Mit dem Reisebus fahren wir durch grasgrüne Landschaft. Die Busfahrerin nutzt ihr Headset und versorgt uns mit zahlreichen Informationen zur Region Waikato, die für Pferdezucht bekannt ist. Wen wundert es da noch, wenn rechts und links Pferderennbahnen zu sehen sind?  Nach einer halben Stunde erreichen wir das idyllische Rinder- und Schafsfarmgelände der Familie Alexander.

Dort steigt dann auch die Guidin für unsere sehr internationale Gruppe zu. Sie stellt sich vor und überschüttet uns während des Rundganges durch Hobbingen mit „Insider“-Wissen und zahlreichen Anekdoten.

hobbitonmoviesettour_1

Wir erfahren, dass der Bau des Dorfes für die Dreharbeiten zum Film „Herr der Ringe“ im März 1999 begann. Zunächst musste die neuseeländische Armee eine 1,5 Kilometer lange Schotterstraße bis zum Schauplatz des künftigen Filmgeschehens errichten. Dann schuf man aus Bohlen, Sperrholz und Styropor 39 Hobbit-Höhlen, eine Bogenbrücke, eine Mühle und das Gasthaus „Zum Grünen Drachen“. Die Reetdächer entstanden vor Ort aus Binsen, die man auf der Alexander-Farm geschnitten hatte. Die Eiche – ein einziger Fake. Der Baum wurde in der Nähe gefunden, gefällt, zerteilt, an den Set gebracht und dann wieder zusammengepuzzelt. Stahlseile hielten die Äste. Die (Plastik-)Blätter kamen aus Taiwan und wurden quasi handangebracht. Und da auch für Peter Jackson die Sonne nicht im Osten untergeht, musste eine Sonnenuntergangszene morgens aufgenommen und rückwärts abgespielt werden. Herrlich. Ich beschließe, zu Hause den Film doch noch einmal und diesmal mit anderen Augen anzusehen.

Nach Abschluss der Dreharbeiten baute man – wohl auch genervt von dem Hype – zunächst alle Kulissen wieder zurück. Um es dann, so ab 2003 für die Fans in kleinen Schritten wieder aufzubauen ;-)

2009 bis 2011 wurde das Gelände für die Hobbit-Trilogie rekonstruiert. Nun verwendete man Materialien, die haltbarer waren. Gedreht wurde dann an 12 Tagen im Oktober 2011 mit bis zu 400 Leuten am Set. Die Höhlen allerdings sind quasi nur Potemkinsche Dörfer. Hinter den Türen finden wir das große bzw. eher kleine Nichts oder höchstens man einen Eimer mit Regenschirmen. Die Szenen innerhalb wurden in Studios in Wellington aufgenommen.
Wir sind zwei kurzweilige Stunden auf dem Filmgelände unterwegs. Sanfte Hügel, ein See, Gemüsegärten, eine Vogelscheuche, bunte Hütten und herrliche Blumen. Ich knipse hier und knipse da. Versuche eine gute Mischung aus Gruppe nicht verlieren, hinhören und anderen nicht im Motiv stehen hinzubekommen. Wir erfreuen uns an den wirklich liebevoll gestalteten Details.

Dann entdecke ich einen Hobbit. Ach nein, es ist eine der Gärtnerinnen, die dort ganzjährig fleißig ihren Dienst tun.  „Ich bin ein Hobbit.“ Mein Posieren für ein Erinnerungsfoto führt zu dieser Erkenntnis. Dank meiner Körper“höhe“ passe ich nämlich genau in den Türrahmen solch einer Behausung.

Als wir den „Green Dragon“ erreichen, der nicht nur Kulisse, sondern richtig bewirtschaftet ist, fallen die ersten Tropfen. Wir gehen ins Innere und dürfen ein hausgebrautes, dunkles Hobbit-Bier aus einem zünftigen Steingutbecher probieren und befinden es für lecker. Für ein richtiges Menü haben wir leider keine Zeit, denn wir werden so langsam in Richtung Bus gebeten.

Und dann passiert es: Der beste Filmsetbesucher von allen und ich verlieren irgendwie den Anschluss. Wir eilen zum Busparkplatz und stoßen dort auf eine andere Gruppe, die gerade ankommt. So erfahren wir, dass die Busse nicht an gleicher Stelle abfahren an der wir ausgestiegen sind. Also hetzen wir zum beschriebenen Platz und sehen… die roten Schlusslichter. Ich laufe hinterher, rudere mit den Armen… Nichts. Offenbar hat man unser Fehlen nicht bemerkt. Bingo. Ausgesetzt im Nieselregen des Auenlandes.

Auf diesem Parkplatz hält ein anderer Bus. Er fährt allerdings nicht nach Matamata, ist aber bereit, uns bis zum Shire-Cafe (und Shop) mitzunehmen. Dort würde unsere Gruppe einen geplanten Shopping-Stop einlegen. Vielleicht haben wir Glück und erreichen den Bus rechtzeitig, um dort zuzusteigen. Tja, so bleibt es spannend.
Wir bangen ein wenig. Während ich schon per Kopfkino den Wie-komme-ich-zu-unserem-Auto-zurück-Film starte, füllen sich die Sitzplätze um uns herum. Er wird doch nicht etwa ausgebucht sein? Nein, wir dürfen mitfahren. Und erreichen – Bilbo Beutlin sei Dank – rechtzeitig den Tourisbus, der uns mit nach Matamata nimmt.

gollum

Ich kaufe im Besucherzentrum noch ein gefühltes Dutzend Hobbit-Höhlen-Ansichtskarten und umarme Gollum. Dann geht es weiter nach Rotorua.

(11.12.2014)

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17 Antworten zu Welcome to Hobbiton

  1. Arabella schreibt:

    Eine ganz bezaubernde Welt, obwohl ich noch keinen der Filme gesehen habe.

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  2. Anette schreibt:

    Hach – was für ein toller Bericht … Und bezaubernde Fotos dazu ….
    Und ich musste ein wenig, ganz leise lachen, weil ich daran dachte, wie ihr in München auch den Anschluss an die Gruppe verloren habt ;-)
    Ich habe in jungen Jahren die Ringe und Hobbitbücher verschlungen, habe aber keinen einzigen Film gesehen …
    Klasse – der richtige Lesestoff zum Abschluss des Tages …
    Ganz liebe Grüße, Anette

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  3. Amorak schreibt:

    OMG …. ich wär vor aufregung in ohnmacht gefallen . Ich bin ein grosser “ herr der ringe “ fan .Ich habe alle filme hier zuhause und hab sie bestimmt schon hundertmal gesehen …. deine fötis begeistern mich :0)

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  4. AndiBerlin schreibt:

    Was für schöne Bilder und toller Bericht. Vielen Dank für das „mitnehmen“.

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  5. ute42 schreibt:

    Interessant so eine „Filmlandschaft“. Anschluss verlieren hätte mir auch passieren können. Einmal zu viel fotografiert und schon sind alle weg. Gut, dass ihr die Gruppe wieder gefunden habt.

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  6. Bellana schreibt:

    Na, das war ja ein aufregender Tag, aber ‚Ende gut, alles gut‘.
    Grüßle Bellana

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  7. minibares schreibt:

    Wow, mit den Hobbits habe ich es auch nicht.
    Aber diese Gegend ist schon wunderbar.
    Alles so urig, herrlich klein gehalten.
    Der Hof von Familie Alexander gefällt mir echt gut.
    Da wart ihr ja doch einige, die da herum gelaufen sind.
    So schöne Aufnahmen.
    Herrlich.
    Aber euren Schreck kann ich gut verstehen. Da hattet ihr ja Glück, dass ihr mitgenommen werden konntet.

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  8. Terragina schreibt:

    Die Filme reizen mich nicht wirklich, aber Hobbyton sieht sehr hobbit-mässig aus und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es sehr spannend war, dort herumzuspazieren.
    Aber was für ein Psychostress wegen der Rückfahrt…eieiei. Aber ist ja alles nochmal gut gegangen.

    Viele liebe Grüße zu Dir und noch einen schönen Valentinstag,
    Kerstin

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  9. Elke schreibt:

    Ist das schöööön! Ein absoluter Traum für einen „Herr der Ringe“ Fan wie mich. Die Bilder sind fantastisch. Die Informationen kannte ich von den DVDs der Extended Edition der Filme bereits. Habe ich mir alles -zigmal angeguckt. Also wenn ich mir das richtig überlege, DAFÜR würde ich vielleicht auch den langen Flug in Kauf nehmen. Aber das wird wohl eher nichts mehr. Danke umso mehr für’s virtuelle Mitnehmen.
    Liebe Grüße
    Elke

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  10. merlanne schreibt:

    Da gibt es einen hier, der vor Begeisterung über die Bilder ganz aus dem Häuschen ist.
    Liebe Grüsse,
    Claudine

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  11. allesistgut schreibt:

    Sehr interessant, mal etwas mehr über den Aufbau des Auenslandes zu bekommen. Die Bilder sind toll und die Gestaltung des Sets sieht wirklich super aus. Interssant auch die Sache mit der Sonnenuntergangsszene. :)

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  12. Gedankenkruemel schreibt:

    Den ersten der Filme hab ich bei ner Freundin auf DVD gesehen.

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  13. Agnes schreibt:

    Ich bin begeistert von Deinem Bericht über Hobbiton!
    Ich bin seit zig Jahren begeisterter Tolkien-Fan, habe schon irgendwann in den 70er oder 80er Jahren die Herr der Ringe Bücher sowie den kleinen Hobbit gelesen, und selbstredend auch alle Filme gesehen.
    Wunderschön Dein Bericht, und die Bilder sind grandios.
    Haben die nicht mal bemerkt, dass Ihr bei der Rückfahrt nicht im Bus gewesen seid?
    Das ist „kiwi-life“ so sind sie halt die Neuseeländer, nehmen alles so herrlich locker.
    Du bist zu beneiden um diesen Urlaub.
    Hast Du am Mittwoch die fünf-teilige Serie über Neuseeland im Fernsehen gesehen?
    Von 20.15 Uhr bis 23.55 Uhr nur Neusseland, und noch so schön.
    Ich war ex und weg, ist noch in der Mediathek falls Du es nicht gesehen hast. Link ist in meinem Blog.

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  14. vivilacht schreibt:

    da habt ihr noch mal Glueck gehabt. Danke fuer deinen Bericht, dorthin sind wir leider nicht gekommen. Also darf ich bei dir alles das sehen, was cih damals nciht sehen konnte.

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  15. Pingback: Der Fall Andreas K. | LeuchtStürmisches StrandGeflüster

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