Holz, Harz und eine große Etappe

Der Tag hält heute für uns eine ziemlich große Fahrstrecke bereit. Wir starten in der Lodge im Waipoua Forest und werden auf der Halbinsel Coromandel ankommen. Genauer gesagt in Hahei. Rund 400 Kilometer sind dafür veranschlagt.

09122014Ein Flyer machte uns vorgestern auf ein interessantes Museum aufmerksam. Es lädt ein, das Holz und Harz der mächtigen Kauri-Bäume auch noch auf andere Art zu entdecken und gleichzeitig etwas über das Leben der ersten europäischen Siedler in Neuseeland zu erfahren. Wir finden, das ist nach dem Wandertag im Kauri-Wald eine spannende Sache. Auf halbem Weg zwischen der Waipoua Lodge und Auckland liegt Matakone und dort befindet sich das besagte Museum. Schöne Pause auf der Strecke.

Fünfundzwanzig NZ$ kostet der Eintritt pro erwachsenem Besuchernäschen. Ich erkundige mich, ob das Fotografieren erlaubt ist. Die Dame an der Kasse nickt. Einen Extra-Obolus muss man dafür nicht entrichten. Wir werden gefragt, woher wir kommen und erhalten einen Orientierungsplan und ein Informationsblatt in deutscher Sprache. Das war nicht zu erwarten, freut uns aber sehr.

Zunächst gehen wir in einen kleinen Nebenraum und finden uns inmitten alter Möbel wieder, die aus Kauri-Holz gefertigt wurden. Gemeinsam mit den Vertäfelungen wirkt dies zwar sehr edel, ist aber auch ziemlich dunkel. Wir bewundern Schnitzereien und Intarsienarbeiten. An den Wänden hängen alte Fotografien, die das Leben in früheren Zeiten zeigen. Und es gibt eine Trophäensammlung verschiedenster Pferderennen. Der Zusammenhang erschließt sich uns jetzt nicht, drum laufen wir weiter durch den sogenannten Sterling-Flügel. Hier hat man verschiedene möblierte Zimmer eines Hauses um 1900 mit lebensgroßen Figuren ausgestattet. Der Jahreszeit angemessen, erstrahlt alles im Christmas-Look. Durch Glasscheiben betrachten wir nachgestellte Szenen. Lebensechte Guckkästchen, die leider ziemlich spiegeln. Das stört hier und auch andernorts im Museum beim Fotografieren.

Es folgt der sogenannte Smith-Flügel, in dem Werkzeuge zu sehen sind, die man zum Baumfällen benötigt. Wir sehen, wie man die Stämme transportiere, wie man das Holz verarbeitete. Der beste Museumsmitgucker von allen kann den Wunsch nicht unterdrücken und legt sich mal kurz auf das gemachte Bett eines Gumdiggers. Ich erfahre mehr über das Kauri-Harz. Es tritt vor allem dann aus, wenn die Rinde des Baumes beschädigt wurde. Quasi ein selbstheilendes Pflaster. Irgendwann fiel er dann als harter Klumpen herunter. Traditionell verwendeten die Maori das leicht brennbare Kauri-Harz zum Feuermachen und Kochen oder stellten daraus Fackeln her. Lange Zeit hat man den Nutzen dieses Harzes nicht erkannt. Die ersten europäischen Siedler sammelten das Harz einfach nur vom Boden auf. Später suchte man den Untergrund gezielt mit Stangen ab und grub es mit Spaten aus. Letztlich schnitt man die Bäume gezielt an, um sie auszubluten. Dies vor allem, um das Harz in getrockneten Brocken verkaufen zu können. Daraus entstanden Kleber, Siegelwachs oder hochwertige Lacke. Fand man besonders schöne Harzbatzen, dann wurden diese poliert oder für Schnitzereien verwendet.

Im nächsten Saal bewundern wir eine 22,5 m lange Platte aus Kauri-Holz, das zu den besten Holzarten der Welt gehört. Es eignete sich hervorragend für den Schiffbau, für Eisenbahnschwellen und Stützbalken im Bergbau. Das Holz lässt sich leicht verarbeiten, ist dabei aber sehr stabil und widerstandsfähig. Die wunderschöne Maserung machte es zu begehrtem Material für Holzverkleidungen, Möbel und Schnitz- oder Drechselarbeiten. So sehen wir Weinfässer, eine Holztreppe, eine Holzwerkstatt und viele, viele Fotos von Segelyachten.

Dann wird es laut(er). Die Nachbildung eines dampfgetriebenen Sägewerkes ist es, die die Geräuschkulisse in der Nachbarhalle bildet. Es ist schon sehr authentisch, bewegt sich, macht Krach, riecht nur nicht nach frischem Holz… Riemen und Antriebswellen überall, Fla-schenzüge und immer wieder Arbeiter in typischen Szenen. Da fehlt dem Mann an der Säge auch schon mal ein Finger 😉
Kettensägenfreunde kommen übrigens auch voll auf ihre Kosten, weil hier Generationen dieser Maschinen an der Wand zu sehen sind.
Ein begehbarer Nachbau einer Herberge, das Otamatea Boarding House, zeigt auf zwei Etagen Motive des Lebens der Reisenden in der Zeit um 1910. Auch dies ist mit lebensgroßen Puppen nachgestellt. Vom Balkon des Hauses verschaffen wir uns einen guten Überblick über die Sägemühle.

Bevor wir nach ungefähr zwei Stunden das Museum wieder verlassen, schauen wir uns im Untergeschoss noch die beste, schönste, größte und einzigartige Kauriharz-Ausstellung der Welt an. Geschliffen oder ungeschliffen, geschnitzt, manchmal mit Einschlüssen liegt er in den Regalen, der neuseeländische Bernstein.
Der Weg zum Ausgang führt natürlich durch den Museumsshop. Ein kleiner Kiwi, geschnitzt aus Kauri-Holz, darf mit uns weiterreisen.

Ach, übrigens: Der Kauri-Baum, Agathis australis, sichert seine Fortpflanzung, in dem sowohl weibliche als auch männliche Zapfen am selben Baum ausgebildet werden. Der Baum kann sich also selbst befruchten, aber auch von den Flugsamen anderer Bäume befruchtet werden. Weibliche Zapfen benötigen zwei Jahre bis sie reif sind.

Kaurizapfen

Nachdem ich neulich die Maut für das Auto bezahlt habe, nutzen wir natürlich die schnelle Straße durch Auckland. Ich freue mich, dass wir über die Harbour Bridge fahren. Leider ist das Wetter grau in grau. Der Blick nach rechts und links entsprechend trübe.

Harbourbridge_1

Der Rest der unspektakulären Strecke fliegt an uns vorbei. Unterbrochen von einem Tankstopp und dem Einkauf  im Supermarkt fürs Abendbrot. Wir haben einfach keine Lust mehr, ein Restaurant zu suchen.  Baguette, Paprika, Tomaten und ein wenig Käse nebst Wein tun es für heute auch.

Hahei_Beach_House

(09.12.2014)

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18 Antworten zu Holz, Harz und eine große Etappe

  1. Gedankenkruemel schreibt:

    Was für ein interessantes spannendes Museum.
    Soviel zu sehen und so unterschiedliche Dinge.
    Danke für den Rundgang.

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  2. Myriade schreibt:

    Ach ich liebe solche Museen und Musterdörfer. Da gibt es oft so faszinierende Details über Leben und Handwerk in früheren Zeiten. Das wäre auch eine Interessante Fotoserie !
    Gibt es denn Kauriharz mit Einschlüssen auch als Schmuckstücke ?

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  3. minibares schreibt:

    Ein tolles Museum.
    Da hast du auch die Spinne her, nicht wahr?
    Das über den Kauri-Baum, der Ausbluten soll, ist schon interessant.
    solche Brücken mag ich gern.

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  4. Amorak schreibt:

    boooaaaa .. was für herrliche bilder, was für ein tolles museum .. was für eine reise . Kommt ihr jemals wieder nach hause ? 😛

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  5. vivilacht schreibt:

    ein wunderschoenes Museum. Das haette ich auch gerne angesehen. Gerade diese Art Museen zeigen noch, wie es mal wirklich war. Da bekommt man ein viel besseres Vorstellungs Vermoegen. Was immer ich nciht gesehen hatte selbst, das sehe ich jetzt dann bei dir. Danke schoen.

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  6. Inch schreibt:

    Cool. Am meisten hätten mich aber doch die Einschlüsse am Ende interessiert.

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  7. allesistgut schreibt:

    Das Museum scheint ja sehr viel zu bieten. Die Bilder sehen jedenfalls sehr interessant aus. Liebe Grüße. 😉

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  8. ute42 schreibt:

    Ein sehr liebevoll eingerichtetes Museum, dessen Besuch sich wirklich lohnt. Das war für euch ein langer anstrengender aber auch sehr informativer Tag. Ihr habt sicher danach gut geschlafen.

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  9. Elke schreibt:

    Diese Reise hatte auf jeden Fall viele tolle Überraschungen und Einblicke für euch. Auch dieses Museum sieht sehr interessant aus.
    Lieben Gruß
    Elke

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  10. sunny69a schreibt:

    Hallo Frau Tonari,

    nachdem ich mich heute durch fast alle deine Reisebeiträge gelesen habe, kann ich ohne Umschweife rufen, ich pack mal rasch die Koffer, ich will auch. Wahnsinn was ihr für tolle Eindrücke sammeln konntet, und du hast uns soviele davon mitgebracht ♥ DANKE einfach wunderbar.

    Liebe Grüße
    Sandra

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  11. Lucie schreibt:

    Ganz toll, die Reise, deine Fotos, das Museum und dein Bericht! Da habt ihr ganz tolle Eindrücke gesammelt!

    Liebe Grüße 🙂

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  12. Agnes schreibt:

    Von Waipoua Forest bis Coromandel war ja wirklich eine Mammut Strecke.
    Entweder sind die Straßen inzwischen erheblich besser ausgebaut, wir hätten das damals nicht geschafft.
    Das Museum kenne ich nicht, das liest sich sehr interessant.

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  13. Treibgut schreibt:

    Ja, Objekte hinter Glasscheiben sind oft sehr blöd für die Photographie. Das habe ich vor einigen Tagen im Deutschen Bergbaumuseum (Bochum) auch wieder gemerkt.

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  14. Anna-Lena schreibt:

    Das war ein ganz tolles Erlebnis, auch nur virtuell. Danke fürs Mitnehmen 🙂 !
    Liebe Grüße
    Anna-Lena

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  15. Pingback: Coole Blogbeiträge Woche 5

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