im Banne der Kauri (2/2)

Nach der Rückkehr werden wir in der Lodge von unseren Hosts gefragt, ob wir am Abend auch eine halbe Stunde früher am vereinbarten Treffpunkt für die Twilight-Tour sein können. Die angemeldete Gruppe wäre so groß, dass der Veranstalter beschlossen habe, sie zu teilen. Aber klar doch. Wir sagen zu. Zumal ich hoffe, mit dem nun früheren Restlicht des Tages die besseren Bilder schießen zu können 😉

Vor der Wanderung im Waipoua Forest genießen wir ein  wunderbares Dinner, zubereitet von unserer „Gastmutter“ Fran. Die Vorspeise habe ich wegen akuten Lachsmangels *zwinker* schneller auf der Gabel, als ich mich der Kamera erinnere. Schrieb ich schon, dass Frau Tonari ein Räucherlachsfan ist? Ihr denkt Euch jetzt jedenfalls einfach ein Lachsröllchen dazu, nicht wahr?

dinner_1

Das Hauptgericht – Lamm – ist eigentlich auch viel zu schade, um es einfach nur zu essen. Ein Augenschmaus, nicht wahr? Und Gaumenkitzel zudem.

dinner_2

Das Tierchen nebenan interessiert sich zum Glück weder für uns noch für das Abendessen. Draußen, vorm Fenster scheint es spannendere Dinge zu geben.

Insekt

Geplant ist, zu Beginn der Abenddämmerung mit „Footprints Waipoua“ und einer kleinen Gruppe durch den Kauri-Wald zu wandern. Dass die Gruppe geteilt wurde, kommt uns entgegen. Weniger Mitläufer = individueller.  Wir brechen auf.  Und erreichen, weil die vom Herbergs“vater“ eingeschätzte Fahrzeit von 20 Minuten wohl nur von den Herren Lauda, Schumacher oder Vettel hätte geschafft werden können, den Treffpunkt grandiose 10 Minuten zu spät.  Vorwurfsvolle Blicke der entnervten wartenden Gruppe und des Guides? Mitnichten.  Es ist nämlich niemand mehr da. Ein paar Autos stehen in der Parkbucht herum. Keine Menschenseele weit und breit. Offenbar hat man auf uns Nachzügler nicht gewartet.  Irgendwie verständlich, aber ich bin traurig, weil ich mich so sehr auf den geführten Rundgang gefreut habe. Schon allein, um ein paar Fragen loszuwerden…

Wir beschließen, das Beste aus der Verspätung zu machen und – weil wir schon mal da sind – Tane Mahuta, den legendären „‚Lord of the Forest“ zu besuchen. Gesagt, getan. Er ist ja auch nur fußläufige 5 Minuten  von der Hauptstraße entfernt.

tanemahuta

Tane Mahuta. Um ihn ranken sich Legenden. Der Baum selbst ist der größte, lebende  Kauri-Baum. Er hat einen Stammdurchmesser von 4,4 m und ist 51,5 m hoch. Sein genaues Alter ist nicht bekannt. Man schätzt es zwischen 1.200 und 2.500 Jahren. Tane Mahuta ist der Sohn Ranginuis (Vater Himmel) und Papatuanuku (Mutter Erde), die in der Schöpfungsgeschichte der Maori als die Begründer der Welt gelten. Das erklärt die besondere Bedeutung des Baumes für die Maori.

Wir sind beeindruckt, fotografieren, gucken und staunen noch mal hier und da und schlendern schließlich zum Auto zurück. Während der beste Kauri-Mitbewunderer von allen die örtliche Pipi-Lounge inspiziert, spricht mich eine Maori an. Wir kommen ins Plaudern. Ich erzähle, dass wir es schade finden, die Gruppe von Footprints verpasst zu haben und plötzlich stellt sich heraus, dass sie die ganze Zeit auf uns gewartet hat. Wir sind es, mit denen sie wie vereinbart durch den Kauri-Wald laufen möchte. Sie befürchtete schon, uns verfehlt zu haben. Puhhhh. Die Erleichterung auf beiden Seiten ist spürbar.

Mere macht in den kommenden Stunden die Tour durch den Waipoua Forest zu einem unvergesslichen Erlebnis. Weil zu dieser Zeit kaum noch jemand auf den Wegen unterwegs ist, herrschet eine besondere Ruhe. Wir spazieren zu dritt durch die Natur. Mere bringt uns die Natur näher, macht uns auf die unterschiedlichen Vegetationsstufen aufmerksam, berichtet von Sagen der Maori und erklärt die spirituelle Bedeutung der Bäume. Sie singt, sie betet, sie lehrt uns „Kia Ora!“ („Hallo! Willkommen!“) zu sagen. Sie lässt uns lauschen und fühlen.

Und wir erfahren einiges Wissenswertes über den Kiwi, den kleinen flugunfähigen und nachaktiven Vogel, das Nationalsymbol Neuseelands.

Kiwinest

Zu Gesicht bekommen wir ihn heute zwar nicht, aber wir entdecken am Wegesrand ein Nest des kleinen Laufvogels, dessen Jagd bereits 1896 verboten wurde. Wir wissen nun auch,  warum der Kiwi seine Flügel verlor.

Vier dicht beieinander stehende Kauri-Bäume, auch bekannt als die „Four Sisters“,  liegen auf unserer Strecke. Ich frage Mere, warum es Schwestern und nicht Brüder sind. Sie schmunzelt und meint, dass es vier Brüder vermutlich so lange nicht miteinander ausgehalten hätten.

four-sisters

Dann  besuchen wir Te Matua Ngahere – ‚The Father of the Forest‘. Der „Vater des Waldes“ soll zwischen 2.500 und 3.000 Jahre alt und der älteste, bekannte Kauri-Baum der Welt sein. Mit 29,9 Metern Höhe ist er kleiner, gedungener als Tane Mahuta, aber sein Stammumfang von 16,41 m lässt ihn fast imposanter wirken.

Te-Matua-Ngahere

Zum Abschluss kehren wir noch einmal zu Tane Mahuta zurück. Dort begegnen wir dann auch dem anderen Teil der Gruppe. Eine Schulklasse der oberen Jahrgänge ist mit einem anderen Führer unterwegs. Gut für uns, dass wir heute quasi eine Privatführung genießen dürfen.

Die Zeit im Wald vergeht wie im Fluge. Nach zweieinhalb Stunden verabschiedet sich Mere von uns mit einem Hongi, dem traditionellen Nasengruß der Maori. Wir lernen, dass man die Nasen zweimal leicht aufeinander drückt, aber man reibt sie nicht aneinander. Es folgt eine herzliche Umarmung, dann trennen sich unsere Wege.

(08.12.2014)

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37 Antworten zu im Banne der Kauri (2/2)

  1. hafensonne schreibt:

    Und ich dachte immer, das sei der Eskimogruß. Wobei man Eskimo ja auch nicht mehr sagen soll. Ich freue mich so für Euch, dass Ihr so eine exklusive, tolle Führung bekommen konntet! Und das, wo Ihr schon dachtet, Ihr habt es nicht geschafft – dann ist die Freude wahrscheinlich doppelt! Besonders beeindruckt mich der alte Baum und dass auch modernste Technik sein Alter nich mal annähernd bestimmen kann. 1200-2500 Jahre, pffff. Das ist ja wie 40-80 Jahre 😉

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    • Frau Tonari schreibt:

      Und dabei ist es wohl auch nur eine Mär, dass die Inuit sich mit Nasenreiben begrüßen… Da ich dort noch nicht war, kann ich weder dementieren noch bestätigen. Ich kann jetzt nur Hongi 😉
      Was die Altersbestimmung betrifft: Ich glaube, sie wollen es auch nicht wirklich wissen. Wohlmöglich geht sonst die Legende unter.
      Die kleine Runde durch den Wald gehört zu meinen beeindruckendsten Erlebnissen in Neuseeland. Ich weiß nicht, ob das rüber kam, aber ich war zutiefst berührt von der Art der Führung. Man spürt, dass es nicht Show, sondern Philosophie ist und hält inne. (Mein Indiz: Ich habe deutlich weniger Bilder als sonst gemacht.)

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  2. vivilacht schreibt:

    dass ihr die Fuehrung nur zu zweit bekommen habt und diese liebe Frau auch brav auf euch gewartet hat, ich glaube, das war das allerbeste. Es ist dann immer viel persoehnlicher mit viel mehr Wissen gespickt und viel freundlicher. So bekamen auch wir eine interessante Fuehrung nachdem wir mit euch mitgegessen haben. Danke schoen und einen schoenen Sonntag.

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    • Frau Tonari schreibt:

      Die Führung war Luxus pur. Vor allem, weil Mere immer in unsere Augen geguckt hat, ob wir sie verstanden haben. Wenn nicht, dann hat sie noch einmal wiederholt oder anders formuliert. Es war ein Geschenk, für das ich zutiefst dankbar bin.

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  3. ute42 schreibt:

    Ein wunderbares Erlebnis und durch die private Führung etwas ganz Besonderes. Was für eine beeindruckende Natur. Das war bestimmt eines der Highlights eurer Reise.

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  4. minibares schreibt:

    Was für ein Glück, dass du sie doch noch gefunden hast, eure Führerin.
    Und dass es noch einmal losgegangen ist. Diese Wahnsinns-Bäume sind ja echt imposant.
    Solch eine persönliche Führung ist einfach durch nichts zu toppen.
    Und dass ihr über den Kiwi was erfahren habt, passt ja genau zu heute, lach.
    Ich denke, ihr habt erheblich mehr erfahren, als die Gruppe danach.
    Liebe Grüße Bärbel

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  5. Anna-Lena schreibt:

    Wenn ich mich nun zwischen Lachs und Lamm entscheiden müsste, wäre das eine Herausforderung 😆 .
    Liebe Grüße ins Wochenende 🙂

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  6. Myriade schreibt:

    Ach, wär ich da gerne dabei gewesen um die Bäume zu besuchen ! Liebe Grüße

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  7. Elke schreibt:

    Das sind fantastische Erlebnisse und natürlich auch Fotos und Berichte von dir. Ich bin im Bann der Kauri und deiner posts 🙂
    Lieben Gruß
    Elke

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  8. steinegarten schreibt:

    Die Essensfoto sind ja schon sehr verführerisch – aber die Naturschönheiten toppen selbst das – un dann noch der spannende Bericht von euren Führung – SPITZE – DANKE fürs Miterleben LG Steineflora

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  9. kallehd schreibt:

    Kia ora zurück – das ist deuseeländisch 😉 Herrliche Bilder und Geschichten, und ein ganz köstliches Hauptgericht. Lachs magst du am liebsten? Wir hatten heute eine Lachsforelle – auch ein Genuss.
    Kann gar nicht alles lesen, so ausführlich sind deine Reiseberichte; aber ich bin auch eher ein Bildermensch, der sich daran sehr erfreuen kann. Vielen Dank und liebe Grüsse kalle

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  10. kallehd schreibt:

    . Und vielen dank für die postalischen Grüsse aus der Ferne 🙂

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  11. allesistgut schreibt:

    Das Essen und diese riesigen Bäume sind ja einfach nur grandios. Schön, dass ihr die Gruppe wieder gefunden habt. 😉 Liebe Grüße. 😉

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  12. Inch schreibt:

    Cool! Ich bin soooo neidisch. Danke fürs mitnehmen und bitte, bitte, Renovierung hin, Renovierung her, lass Di nicht so viel Zeit mit dem Berichten.
    Ich meine: 8.12.!!!! Da gibts noch soviel zu lesen und sehen. Ich kann es kaum erwarten

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    • Frau Tonari schreibt:

      Ich würde ja schneller machen, aber es ist auch sonst noch so viel zu tun.
      Eine Sekretärin zu haben, wäre gerade perfekt. Ich räume das Arbeitszimmer aus und diktiere nebenbei meine Erinnerungen 😉 Und wenn sie richtig gut ist, dann sortiert sie auch noch meine Fotos 😆

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  13. Agnes schreibt:

    Ich sollte mit den Kommentaren warten, bis ich alles gelesen habe!
    Jetzt habe ich eben schon nach Tane Mahuta gefragt, und hier beschreibst Du alles.
    Ich bin begeistert!
    Falls es Dich interessiert, ich habe einen Reisebericht über Neuseeland auf meiner Webseite.

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    • Frau Tonari schreibt:

      Berühren kann man Tane Mahuta heute nicht mehr.
      Vermutlich hat man gute Gründe, die Touris auf Abstand zu halten.
      So mancher kommt vielleicht auf die dämlich Idee, seine Initialen in den Stamm zu ritzen 🙄
      Deinen Bericht habe ich eben schnell überflogen. Mit etwas mehr Zeit lese ich gerne noch einmal genauer.

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  14. chinomso schreibt:

    Hach, das kommt bei deinem Bericht in der Tat rüber, dass es ein besonders berührendes Erlebnis für euch war. Das kann ich euch nur gönnen. Etwas ganz Besonderes. Wie schön.
    Und wenn du das fotografieren nahezu „vergisst“, das will schon was heissen.

    Solche Baumriesen haben auch für mich geradezu was Spirituelles.

    Ich bin gespannt auf mehr.

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  15. Gedankenkruemel schreibt:

    Welch wunderschönes Erlebniss mit Mere.
    Die „mini“ Menschin vor dem „Lord of the Forest” bist du oder ?
    Ich feu mich auch schon auf mehr..

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  16. regenbogenlichter schreibt:

    Was für ein schöner Bericht… die Privatführung im Wald hätte ich auch gerne gehabt. Sagen und die uralten Bäume… spritueller geht es nicht… vom lecker Essen mal abgesehen.

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  17. Pippa Koenig schreibt:

    Es ist extrem perfekt, dass diese beiden berichte hier bei mir gelandet sind. …….es gibt ja keine zufälle, irgendwie?!
    ich hatte gerade im januar hier ein treffen von drei neuseelandreisenden unter unseren freunden. Die eine liebe gute Frau hat demnächst das erste Enkelkind in Neuseeland. Sie war schon 2 mal dort und hat berührende Schilderungen von diesen Kauri mitgebracht. Die andere Frau hatte sich anstecken lassen von der Begeisterung ( es ist die, die mir Zitronen geschenkt hat). Beide sind irgendwie gründaumig……..
    na jedenfalls höre ich jetzt hier von dir gerade (für mich somit das drittemal) über die 4 kauri- schwestern!
    vor dem erlebnis mit meinen freundinnen hätte mich das gar nicht so beeindruckt. Aber die haben soooooooooo gesprüht, es war für wochen herzerwärmend. und jetzt hast du es nochmal aktualisiert mit deinem bericht.
    wunderbar, was passt, das passt einfach!
    Herzlich Pippa

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    • Frau Tonari schreibt:

      Ich hoffe, man kann meinen Zeilen die Begeisterung ebenfalls entnehmen. Der Besuch der Bäume hat mich wirklich sehr berührt. Giganten des Waldes, die aufgrund einer Krankheit ziemlich bedroht sind.

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