STORY-PICS 2014 (44)

In Bremen heißt ein Wasserturm nicht einfach und schnöde Wasserturm. Da trägt er einen klangvollen Namen, quasi einen Künstlernamen und wird Wasserkunst genannt.  Auch andernorts bezeichnet(e) man so ein System, in dem Wasser zunächst in einen Behälter gepumpt und von dort über Rohre verteilt wird.

altes hölzernes Wasserrohr

altes hölzernes Wasserrohr

Die ersten Rohre waren übrigens ausgehöhlte Baumstämme, die Deicheln.

Wasserkunst gibt es auch im Zusammenhang mit dem Abführen von Grubenwasser im Bergbau und in Form von Wasserspielen in Parks und Anlagen.

Zurück nach Bremen. Die dortige Wasserkunst ist ein 47 m hohes Gebäude. Im Internet liest man, es würde wegen der in den Himmel ragenden Ecktürmchen im Volksmund auch „Umgedrehte Kommode“ genannt.  Rein optisch ist da was dran. Allerdings wird dem Volksmund auch in Berlin so manche Bezeichnung für Dinge angedichtet, die ich noch nie aus des Volkes Mund gehört habe. Ich sage nur: Telespargel 🙄

Zwischen 1873 und 1875 plante und baute man unter der Leitung von Rudolph Berg und  Johann Poppe einen, in meinen Augen ungewöhnlichen Wasser“turm“, der bis 1983 in Betrieb blieb. Danach diente der genietete Behälter mit einem Fassungsvermögen von 1.700 Kubikmetern noch bis 2008 für die Beck & Co. Brauerei als Wasserspeicher.

Nach einer Zwischennutzung für Kunstprojekte bleibt abzuwarten, was nun mit der Anlage geschieht.

Bisher erschienene Worte:

Wasserhahn, Trinkwasser, Hydrant, Rohr(e), Brunnen, Wasserturm, Wasserzähler, Wasserflasche, Schacht, Baustelle, fließen, Wasserfilter, Eimerkette, pumpen,
Wasser marsch!, waschen, sprudeln, Tropfen, nass, Wasserwerk, TrinkbrunnenRegen, feucht, gießentrinken, Talsperre, Kanalisation, SchachtdeckelStraßenablauf, Wasserbär, Druckerhöhungsstation, SchieberKaskadeTrinkwasseraufbereitung, FontäneGrundwasserabsenkungArmatur(en), Abfluss, Sielwesen, Pegel, Beschilderung, Wasserbau, Zapfstelle, Wasserkunst 

Was soll das? 

Bei Sandra startete im Januar ein tolles Blogexperiment. Wie es funktioniert und was dabei die Aufgabe der TeilnehmerInnen ist, erklärt sie auf ihrer Seite selbst am besten. Seither versuche ich jeweils sonntags mindestens ein Foto zu zeigen, das mein gewähltes Wort symbolisiert. Dafür gibt es nicht nur eine 5-Cent-Spende an die Adra-Stiftung, sondern am Ende des Jahres eine ganz persönliche Geschichte, die aus meinen bildgewordenene Wörtern geschrieben wird. Eine klasse Idee, die mitzumachen mich reizt(e). Die Teilnehmerliste ist -> hier <- zu finden.

Dieser Beitrag wurde unter STORY-PICS 2014 abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

29 Antworten zu STORY-PICS 2014 (44)

  1. hafensonne schreibt:

    Jaja, der Volksmund, ich bin da auch immer sehr skeptisch, eigentlich kann man, zumindest in Berlin, davon ausgehen, wenn etwas dem Volksmund angedichtet wird, dann sagt das mit Sicherheit kein Berliner. Max Goldt, der ja in seinen jungen Jahren in Westberlin als Stadtführer unterwegs war, berichtete mal von einer Konfliktsituation mit dem Lehrer einer Schulklasse, der es einfach nicht hinnehmen wollte, dass die Berliner zum Funkturm Funkturm sagen… Das einzige, das ich tatsächlich auch aus Berliner Mündern kenne, ist die schwangere Auster. Da weiß aber auch keiner, was das eigentlich ist. Die Rostocker sagen ja angeblich zum Steinkohlekraftwerk im Überseehafen Elefantenklo. Naja…

    Gefällt mir

    • Frau Tonari schreibt:

      Ich bin ja keine waschechte Berlinerin. Drum weiß ich auch mit der schwangeren Auster was anzufangen 😉

      Gefällt mir

      • hafensonne schreibt:

        „Waschecht“ heißt ja eigentlich: Beide Elternteile in Berlin geboren. Auf uns beide trifft das lustigerweise sogar zu, dürfte insgesamt aber eher selten sein. Wohl deshalb habens die Berliner nicht so mit der Abstammung (im Gegensatz zu München). Deine Kinder sind bereits Rucksackberliner ;-). Ach ja, und „Kongresshalle“ ist bei mir immer die am Alexanderplatz gewesen.

        Gefällt mir

        • Frau Tonari schreibt:

          Für deren Rucksackberlinertum musste ich (hart) kämpfen. Wir wohnten damals noch in Hoppegarten, also Bezirk Frankfurt-Oder. Allerdings konnte ich mir sehr gut vorstellen, dass meine Monster mir/uns das eigentlich geburtsverordnete Rüdersdorf in ihrer Geburtsurkunde nicht verziehen hätten. 😉 Du erinnerst Dich an das grauenhafte, vom Zementwerk geprägte Kaff?

          Gefällt mir

          • hafensonne schreibt:

            Na sicher. Tolle Hochbrücke o.O. Wenn die Blagen in Berlin geboren sind, sinds richtige Berliner. Rucksackberliner sind die, die als so kleine Kinder mit ihren Eltern nach Berlin gekommen sind, dass sie mit ihrem Geburtsort nichts verbinden (und anders als ihre Eltern auch nicht sächseln oder thüringeln). 🙂

            Gefällt mir

  2. monisertel schreibt:

    Liebe Tonari,
    Hauptsache ist doch, diese historische Anlage wird nicht von einem Milliardär gekauft, abgerissen und dann ein neuer Glaspalast für Reiche hingesetzt, gell!
    Mir gefällt das Wort „Wasserkunst“ ausgesprochen gut.
    Liebe Sonntagsgrüße
    moni

    Gefällt mir

    • Frau Tonari schreibt:

      Das Wort mag ich auch und bin ein klitzekleines bisschen neidisch auf die Leute, die in der gleichnamigen Straße wohnen dürfen.
      Die Bremer Wasserkunst steht seit 1978 unter Denkmalschutz. Ich hoffe, das reicht, um einen Abriss zu verhindern.

      Gefällt mir

    • hafensonne schreibt:

      Für die Vernichtung denkmalgeschützter Kulturgüter benötigen wir in Rostock nicht mal irgendwelche Milliardäre… das schafft die Stadt leider auch ganz alleine… :-/
      http://hafensonne.wordpress.com/2013/01/29/metropolenposse-die-zweite-georg-buchner/
      Man schaut auch paralysiert dabei zu, wie die städtische (!) Wohnungsbaugesellschaft auf der MIttelmole Warnemünde über 100 Jahre Fährgeschichte einfach so vernichtet, ohne B-Plan etc…

      Gefällt mir

      • Frau Tonari schreibt:

        Manchmal bin ich einfach zu gutgläubig. 😦

        Gefällt mir

        • hafensonne schreibt:

          Hast Du das letztes Jahr gar nicht mitbekommen?

          Gefällt mir

          • Frau Tonari schreibt:

            Doch. Vor allem das mit dem völlig unerwarteten Untergang vor der polnischen Küste 😦
            (Ich meine, diese Masche des kontrollierten Vergammelnlassens, wahlweise auch des warmen Abrisses.)

            Gefällt mir

            • hafensonne schreibt:

              Du glaubst gar nicht, was hier in Rostock abgeht. Ich weiß nicht, wie lange Du nicht mehr in Warnemünde warst, aber wahrscheinlich würde Dich der Schlag treffen. Die schönen Häuschen am Weg vom Bahnhof zum Passagierkai – abgerissen. Die standen nicht mal unter Denkmalschutz, waren aber noch tippitoppi in Ordnung. Angeblich einsturzgefährdet. Die Fährbecken zugeschüttet. Da ist wohl niemand auf die Idee gekommen, die mal unter Denkmalschutz zu stellen. Deshalb hat die Wiro wohl schnell Nägel mit Köpfen gemacht, ehe da nach einer draufkommt. Die gesamte Warnowmündung mit Altem und Neuem Strom sieht so aus, wie sie ist, weil sie 1903 für die älteste Eisenbahnfährverbindung zwischen Deutschland und Dänemark so errichtet wurde! Aber das interessiert hier kein Aas.

              Gefällt mir

  3. sunny69a schreibt:

    Hallo Frau Tonari,

    hoffentlich wird das schöne Gebäude erhalten und nicht wie bei uns das alte Fabrikgebäude quasi in Scheiben geschnitten, um ein Baudenkmal zu erhalten.Hier in unsrem kleinen Kaff gibt es einige Bezeichnungen für Orte und Straßen, die wir wirklich auch fast alle benutzen. Die Eingeplackten mal ausgenommen. Und an der Kommode scheint optisch zumindest ordentlich was dran zu sein. 😉

    Liebe Grüße
    Sandra

    Gefällt mir

  4. minibares schreibt:

    Das ist aber auch ein schöne Gebäude, das „Kunst“ echt verdient hat.
    Wasserkunst, dieses Wort gefällt mir.
    Aha, das Straßenschild beweist es.
    Tolle Aufnahmen!
    Dir einen sonnigen Sonntag.
    Bärbel

    Gefällt mir

  5. Teamworkart schreibt:

    Unser schöner Wasserturm im Schanzenpark (http://de.wikipedia.org/wiki/Schanzenturm) beherbergt seit ein paar Jahren ein Luxushotel. Der erbitterte Widerstand im Viertel konnte das nicht verhindern und hält bis heute noch an. Immerhin ist er außen erhalten geblieben. Er ist übrigens der ehemals höchste Wasserturm Europas!
    Dieses Wasserkunst-Gebäude schreit ja förmlich nach „irgendwas mit Kunst“!
    LG Sabine

    Gefällt mir

    • Frau Tonari schreibt:

      So eine Übernachtung in einem Wasserturm ist ein Traum, den ich mir noch nicht erfüllt habe. Muss ja nicht Hamburg sein. Ich schnappatme gerade wegen der Zimmerpreise.

      Gefällt mir

      • Teamworkart schreibt:

        Ja, die Preise will ich gar nicht wissen…Ich war aber schon mal drin.Freunde aus Berlin kommen immer 1x im Jahr zu einem Kongress nach HH und wohnen dann da. Ist schon gigantisch der Blick aus den obersten Etagen. Zumal wir hier ja leider nicht mehr auf den Fernsehturm können. Aber so einfach kommt man da gar nicht rein. Keine Ahnung ob das Sicherheitsvorkehrungen sind wg. der Anschläge oder sowieso Standard in so Luxushotels. Damit kenn ich mich nicht aus…:-)

        Gefällt mir

  6. Iris schreibt:

    Das hat wirklich mehr von einer Kommode als von einem Turm.
    Zum Thema schwangere Auster bzw. Kongresshalle denke ich, dass das mal wieder ein Beispiel für ein Ost-West-Ding ist. Für mich als Westberlinerin gab und gibt es nur diese eine Kongresshalle, weil ich von der am Alex erst nach Mauerfall gehört habe. Der Spitzname ist da zur unterscheidung ganz praktisch. Wie gut ist es doch da bei den Türmen, dass jeder seinen eigenen Namen als Funk- bzw. Fernsehturm hat und bei Zoo und Tierpark kann man zum Glück auch nichts verwechseln.
    LG Iris

    Gefällt mir

  7. Karin Müller schreibt:

    Welch eine nette Bezeichnung – Wasserkunst…. gefällt mir.
    Bei manchen Volksmund Aussprüchen denke ich mir auch…wer soll das gesagt haben… aber naja.

    Gefällt mir

  8. vivilacht schreibt:

    eine wirkliche Kunst, diese Wasserkunst, und was die Vernichtung denkmalgeschützter Kulturgüter betrifft, da ist es hier bei uns auch so, dass man sich erst „danach“ erinnert, dass es eigentlich geschützt war und die Zeitungen sind dann voll davon

    Gefällt mir

  9. anneseltmann2013 schreibt:

    Hallo Frau Tonari!
    Was für ein herrliches altes Gebäude! Da findet sich bestimmt ein Liebhaber!
    Und wie gut, dass es unter Denkmalschutz steht.

    Schönen Sonntag
    wünscht
    Anne

    Gefällt mir

    • hafensonne schreibt:

      Denkmalschutz hat leider gar nichts zu sagen. In Rostock lässt man die „Denkmäler“ so lange unter dem „wachsamen“ Auge des Denkmalschutzes vergammeln, bis dann durch irgendein Gutachten festgestellt wird, dass ein Erhalt wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll sei. Oder der Betreiberverein geht einfach pleite :-/.

      Gefällt mir

  10. Romy schreibt:

    Wasserkunst – was für ein tolles Wort! Ich hatte selbst mal Wasserkunst in einem Wettkampf gebaut, als ich einen Schlauch nicht richtig an den Verteiler angekuppelt hatte. Eine Knacke der Kupplung war noch offen und bei ihr strömte dann das Wasser beim Durchfluss heraus, allerdings so dass es wie ein Antriebsstrahl wirkte und der Verteiler zu schweben begann. Das war schon ein tolles Bild, rings um staunten jedenfalls alle über den schwebenden Verteiler und auch darüber, dass wir unsere Zieleinrichtung dennoch voll brachten. Vor lauter Erstauntheit hat nicht einer ein Bild gemacht!

    LG Romy

    Gefällt mir

  11. Sabienes schreibt:

    Der Begriff Wasserkunst trifft solche Bauten ziemlich gut. Schließlich gab es nach dem Abzug der Römer in Europa gar nichts mehr zum Thema Wasserwirtschaft.
    LG
    Sabienes

    Gefällt mir

  12. rabenhaus schreibt:

    Hallo, als gebürtige Bremerin muss ich hier mal meinen Senf dazugeben: Ja, dat Ding heißt tatsächlich im Volksmund „Umgedrehte Kommode“ 🙂 eben weil es genauso aussieht…

    Liebe Grüße
    Rabea

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s