STORY-PICS 2014 (20)

Am Freitag schrieb ich, dass das samstägliche Putzen und Wedeln zu Gunsten des Besuches einer Hundertjährigen würde ausfallen müssen. Nun, dabei handelt es sich mitnichten um ein Familienmitglied, dem zu gratulieren ich gestern aufgebrochen war. Vielmehr galt es der Technik (m)eine Aufwartung zu machen, denn ein Industriedenkmal im Volkspark Wuhlheide feierte sein stolzes Jubiläum mit einem großen Fest. Die Berliner Wasserbetriebe hatten zu einem Familientag mit Picknick in das drittkleinste ihrer neun Wasserwerke eingeladen.

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Das Wasserwerk Wuhlheide ging 1914 in Betrieb. Damals wurde das Rohwasser noch mittels Heberleitungen gefördert. Inzwischen übernehmen Unterwassermotorpumpen der in den 35 Vertikalfilterbrunnen beider Brunnengalerien diese Aufgabe und bringen aus ca. 40 Metern Tiefe das mineralreichste Wasser Berlins zur Aufbereitung.

Dieses harte Wasser, das eigentlich ein Graus für wasserführende Haushaltsgeräte ist, wurde übrigens jüngst für Testzwecke an Bügeleisen nach Singapur verschifft.

WW_Wuhlheide_2Die alten Zwillingskolbenpumpen im Maschinenhaus sind seit 1996 nicht mehr in Betrieb, aber natürlich was fürs Auge.

WW_Wuhlheide_3WW_Wuhlheide_4Die Belüftung des Rohwassers erfolgte früher durch Amsterdamer Horndüsen, die sich über Grobfilterkammern befanden. Ende der Achtziger Jahre wurde auf Fallrohre umgerüstet. Leider aber konnten diese und die Reaktionsbecken wegen Bauarbeiten an der Belüftungsanlage nicht besichtigt werden.

WW_Wuhlheide_5Nach der Belüftung des Rohwassers wird es über geschlossene Schnellfilter, den sogenannten Bollmann-Filtern, weiter behandelt. Die Höhe der Kiesschicht beträgt 1,50 m mit einer durchschnittlichen Korngröße von 0,75 mm.

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Die vier nachgeschalteten, offenen Manganfilterkammern habe ich nicht gesehen. Vielleicht hat man sie aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich gemacht.

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Noch ein paar Impressionen vom Fest:

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WW_Wuhlheide_12Der Vorstandsvorsitzende stellte sich auf der Bühne einem kurzen Interview und schnitt anschließend die quietschegrüne Geburtstagstorte an. Kaffee, Kakao und Kuchen waren an diesem Tag für die Besucher des Festes übrigens kostenlos. Eine nette Geste…
WW_Wuhlheide_13Da konnten es einige Leckermäuler offenbar nicht abwarten 😉
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Ach ja, und nun braucht ihr bei all den wässrigen Begriffen im Text natürlich noch mein heutiges Wort zum Sonntag. Es lautet: Wasserwerk.

Bisher erschienene Worte:
Wasserhahn, Trinkwasser, Hydrant, Rohr(e), Brunnen, Wasserturm, Wasserzähler, Wasserflasche, Schacht, Baustelle, fließen, Wasserfilter, Eimerkette, pumpen,
Wasser marsch!, waschen, sprudeln, Tropfen, nass

Was soll das? 

Bei Sandra startete im Januar ein tolles Blogexperiment. Wie es funktioniert und was dabei die Aufgabe der TeilnehmerInnen ist, erklärt sie auf ihrer Seite selbst am besten. Seither versuche ich jeweils sonntags ein Foto zu zeigen, das mein gewähltes Wort symbolisiert. Dafür gibt es nicht nur eine 5-Cent-Spende an die Adra-Stiftung, sondern am Ende des Jahres eine ganz persönliche Geschichte, die aus meinen bildgewordenene Wörtern geschrieben wird. Eine klasse Idee, die mitzumachen mich reizt. Die Teilnehmerliste ist -> hier <- zu finden.

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49 Antworten zu STORY-PICS 2014 (20)

  1. vivilacht schreibt:

    eine sehr interessante 100 jaehrige, die du da besucht hast. Auch fuer solche kann und soll man die Arbeit daheim ruhig Arbeit sein lassen. Die wartet ja ganz lieb auf dich. Schoen und interessant dein neues Wort. einen schoenen Sonntag wuensche ich dir auch noch

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  2. Melliausosna schreibt:

    Also da hätte ich auch gern meine Kamera aus ihrer Tasche befördert 🙂

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  3. anneseltmann2013 schreibt:

    Klasse Beitrag und Bilder! So ein Wasserwerk habe ich hier in Kiel auch schon einmal besucht. Unglaublich was sich dort so abspielt, das alles ist einem nicht wirklich bewußt.

    Schönen Sonntag, wenn auch verregnet!

    LG

    Anne

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    • Frau Tonari schreibt:

      Kiel hat, so lese ich eben, insgesamt 4 Wasserwerke mit 38 Tiefbrunnen.
      Das ist dann doch noch mal eine andere Dimension, denn die Wuhlheide bringt es alleine schon auf 35 Brunnen und versorgt damit rund 185.000 Menschen.

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  4. kormoranflug schreibt:

    Frau Tonari kann Wasser!

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  5. muehlenmirla schreibt:

    Irgendwer hat hier auch den Hahn aufgedreht 😦
    Danke für den informativen Blick hinter die Kulissen, selbst für technisch nicht so Interessierte ( wie mich also ) ist es doch imposant, das Werken mit dem Wasser zu bestaunen.
    Liebe Drinnensitzergrüße 🙂

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    • Frau Tonari schreibt:

      Die Resonanz auf den Tag der offenen Tür war erfreulich hoch. Vor allem Familien mit Kindern nutzten das Angebot und technikbegeisterte Herren im Rentenalter. Bestimmt waren auch etliche ehemalige Wasserwerker unter den Gästen.

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  6. Sabienes schreibt:

    Ich frage mich, was man in Singapur mit kalkigem Wasser macht? Von uns könnten die auch noch verchlortes Wasser haben. Unser Wasserwerk ist zwar keine 100 Jahre alt, hat es aber dennoch nicht im Griff.
    LG
    Sabienes

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    • Frau Tonari schreibt:

      Sie brauchten das harte Wasser für eine Teststrecke, um Bügeleisen zu prüfen.
      In Berlin wird das Wasser normalerweise nicht gechlort. Im letzten Jahr gab es Ausnahmen wegen Qualitätsproblemen in einigen Gebieten.

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  7. Romy schreibt:

    Oh klasse, bei solchen Veranstaltungen sind wir auch sehr gerne, weil man immer was interessantes sieht und noch was nützliches bei lernt. GsD interessiert unsere Kids die Technik auch, so dass wir dann nicht nur bei den Torten und Luftballons zu finden sind.

    LG Romy

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    • Frau Tonari schreibt:

      Wir haben unsere Kinder zu solchen „Events“ auch immer mitgenommen. Unsere Technikbegeisterung hat sich zumindest auf das Töchterlein übertragen.
      Neben Torten und Luftballons gab es auch eine Hüpfburg, Kinderschminken, einen zauberhaften Wasserspielplatz, Clownerie und Kasperletheater. Dazu ´ne echte Feuerwehr zum Reinklettern und man konnte auch mal eine Uniform anlegen und selber spritzen. Nun, das wäre für eure Feuerwehrfamilie vielleicht nicht so aufregend, aber bei anderen Kindern glänzten die Augen.

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      • Romy schreibt:

        Och, auch für uns ist „Feuerwehr zum anfassen“ immer wieder spannend. Vor allem, weil wir uns da immer noch was abgucken können in Form von: wie präsentieren sich Andere, was kann man besser machen etc.

        Schön, dass Du dabei an uns/mich denken musstest. Wenn ich jetzt Schluckauf habe, denke ich immer, dass Du an mich denkst, weil die Feuerwehr Deine Wege kreuzte 😉

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  8. hafensonne schreibt:

    Woah, in der Wuhlheide gibts ein Wasserwerk?! Man lernt immer noch dazu! Das Wasserwerk in Friedrichshagen ist aber auch sehr toll anzuschauen. Zum Thema Haushalt (dem ich mich heute wohl auch noch widmen muss :-/) sage ich immer: Können das nicht die Spinnen machen? Die wohnen doch auch hier, irgendwie.

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  9. Silberdistel schreibt:

    Ein sehr interessanter Ausflug. So etwas sieht man ja eher selten einmal. Ich glaube, diese 100-Jährige hätte ich auch gern angeschaut und auch die quietschegrüne Geburtstagstorte 😉
    Liebe Grüße aus dem verregneten Norden

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  10. minibares schreibt:

    Ein toller Geburtstags-Bericht ist das.
    Da hätte ich auch fotografiert ohne Ende, lach.
    Solche Sachen sind sogar für mich interessant.
    Wasserwerk passt ja bestens zu deinen Worten.

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  11. summer3100 schreibt:

    Ein interessanter Beitrag. Aha.. nun wird auch schon Wasser verschifft… Hätte ich nun so nicht vermutet.
    Auch zu deinem Gewinn – herzlichen Glückwunsch.
    lg

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  12. Iris schreibt:

    Sehr interessanter Bericht, der zumindest mal ansatzweise etwas Verständnis für hohe Wasserpreise in Berlin aufkommen lässt. Soll ja auch eine tolle Qualität haben.
    LG Iris

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  13. Barbara schreibt:

    Ein herzliches HALLO aus Italien!
    Die Fotos vom Innern des Wasserwerkes mit all den technischen Dingen, von denen ich die Namen bereist wieder vergessen habe, sind ganz toll. Ich rieche förmlich, wie es gerochen haben muss. Ganz toll.
    Bei uns zu Hause am Jurasüdfuss ist das Wasser auch sehr hart und ausgesprochen gut.. Ich trinke es auch aus dem Hahn – meistens ungesprudelt. Hier an der Adria ist es sehr weich. Ich kriege jeweils kaum den Schaum aus den gewaschenen Haaren.

    Ich sende liebe Grüsse in den „hohen Norden“. 🙂
    Barbara

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    • Frau Tonari schreibt:

      Ich kenne das Maschinenhaus noch aus Zeiten als die Kolbenpumpen noch in Betrieb waren. Da duftete es ganz intensiv nach warmem Maschinenöl. Ich mochte das. Heute riecht es eher keimfrei 😉
      Umgesprudelt mag ich weiches Wasser lieber. Kühl und gesprudelt ist das Berliner Wasser perfekt. So hat hat jede(r) Vorlieben, nicht wahr?

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  14. Sandra schreibt:

    Hallo Frau Tonari,

    mit deinen Bildern hast du mir deine Faszination für dieses Element ein bisschen näher bringen können. Ich wusste zwar, dass die Aufbereitung von Wasser sein muss, hätte allerdings keinen so großen Aufwand dahinter vermutet. Und wieder was gelernt 😀 Wasser marsch.

    Liebe Grüße
    Sandra

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    • Frau Tonari schreibt:

      Hier hält sich der Aufwand ja noch in Grenzen. Andernorts muss man da schon noch deutlich mehr machen. Zum Beispiel, wenn man das Trinkwasser aus Oberflächengewässern wie Seen oder Flüssen „herstellen“ oder gar Meerwasser aufbereiten muss.
      (Hihi, ein bisschen soll man ja bei den Story-Pics auch was lernen, nicht wahr?)

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  15. Bei den technischen Beschreibungen fühle ich mich gleich in meine Betriebswirtschaftsstunden zurückversetzt, denn ja, ich bin eine gelernet Wasserwerkerin und habe diesen Beruf wirklich gerne gelernt.

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  16. Inch schreibt:

    Ah, danke! Das Wasser wird also belüftet und dann gefiltert? Habe ich das in etwa richtig verstanden? Du weißt ja, ich technisches Genie.
    Die Technik, von der ich ja nichts verstehe, ist beeidruckend

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    • Frau Tonari schreibt:

      Yepp. Grob gesagt: Erst belüften, um aus den löslichen Eisen-II-Ionen und Mangan-II-Ionen, unlösliche Eisen- bzw. Manganverbindungen zu machen, die dann ausflocken und abgefiltert werden können (Enteisenung und Entmanganung).

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  17. antje schreibt:

    wieso wirst du in den genuß des wassers aus singapur kommen? sehr interessanter bericht mit tollen fotos, danke.

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  18. Thea schreibt:

    Das war ganz sicher sehr interessant und, da hätte ich auch wie wild fotografiert. Tolle Bilder und Bericht. Das erinnert mich, dass ich in unserem Wasser-und Wasseraufbereitungswerk auch noch nie war. Der Baum auf Deinem ersten Foto ist klasse. Gefällt mir.
    LG,
    Thea

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    • Frau Tonari schreibt:

      Diese kleine Allee finde ich auch super schön. Die Bäume sind richtige Riesen und wirken bei den unterschiedlichen Beleuchtungen märchenhaft.
      (Vielleicht macht euer Versorger ja auch mal einen Tag der offenen Tür?)

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  19. Timm Bösche schreibt:

    Als ich das erste Bild sah, dachte ich „was für ein schöner Baum!“ Aber es ging noch weiter und ich muss sagen, Deine Bilder vom Wasserwerk sind richtig schön geworden.
    LG Timm

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  20. Julia schreibt:

    Schöne Bilder vom Wasserwerk. Da bekommt man schon lust auf so ein Becher mit Wasser.

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