Freitag

Um kurz nach halb sieben klingelt der Wecker. Nein, ich hüpfe nicht gleich aus dem Bett. Das bringe ich schon nicht, wenn der Brötchengeber ruft. Und heute ruft er nicht. Ich habe frei. Freitags urlaubsfrei. Und ich drehe mich noch einmal kurz um. Wirklich nur gaaaaanz kurz.

Nach einer entspannten Runde durchs Bad gönne ich mir einen Kaffee, inspiziere den Kühl- und Vorratsschrank, schreibe einen Einkaufszettel, räume nebenbei den Geschirrspüler aus und neu bestücke ihn gleich auch noch für seinen nächsten Reinigungsjob. Dann schnappe ich mir das Leergut und fahre mit dem silbernen Schnuckelchen zum  Lebensmitteldealer, um auf das bevorstehende Wochenende und die ausbrechende Hungersnot und Dürreperiode versorgungstechnisch vorbereitet zu sein. Der Parkplatz ist um kurz vor halb acht erstaunlich leer. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so zeitig hier gewesen zu sein. Entsprechend leer finde ich die Gänge und die einzelnen Verkaufsthresen vor. Herrlich. Keine streitenden und genervten Ehepaare, keine jammernden Kinder, keine quatschenden und Wege verstopfenden Zufallsbegegner. Ab und an wird „aus gegebenem Anlass“ per Ansage vor Taschendieben gewarnt. Huch, das ist neu. Leider ist der Spargelstand so früh noch nicht besetzt. Nun, dann dreh ich erst mal die normale Runde. Ich scherze mit der Fleischverkäuferin, weil ein Spaßvogelkollege an die marinierten Lammlachse ein Schild gesteckt hat, auf dem von goldener Weihnachtsempfehlung die Rede ist. Sie lacht herzlich mit mir und entfernt den Werbestecker, bevor  Menschen mit weniger Humor vor ihr stehen. Die Kassen glänzen mit leeren Bändern und kundenerwartungsfrohen Mitarbeiterinnen. Mein Wagen ist ungewöhnlich voll und bestimmt habe ich trotzdem etwas vergessen. Ich zahle brav, verstaue alles im Auto während es kräftig vom Himmel pieselt und kehre noch einmal zurück, denn inzwischen müsste der Spargel dank meiner Bummelei verkaufsbereit sein. Leider ist er es nicht. Ausgerechnet heute verhindert ein technisches Problem den pünktlichen Verkauf. Ich beschließe nicht länger zu warten. Plan B sieht ein Wiederkommen am Nachmittag oder am Sonnabend vor.

Am Kuchenstand ordere ich schnell zwei Erdbeertörtchen und fahre zu meiner Medizinfrau. Der Amtsschimmel in meiner Krankenversicherung möchte nämlich eine Schlussbescheinigung meiner Arbeitsunfähigkeit, also quasi eine Gesundschreibung.   Hatte ich auch noch nicht.  Okay, bekommt er und ich ein Rezept, damit es mit der Osteopathie weiter gehen kann. Die Törtchen bleiben im Vorzimmer 😉

Um kurz nach zehn bin ich wieder zu Hause. Bis alle Jagdgüter nach oben geschleppt und  verstaut sind und im Gegenzug alle Trennmülltüten nach unten gebracht sind, vergeht ein bisschen Zeit. Ich hab ja Rücken, da dauert das.

Dann koche ich mir einen schwarzen Tee, toaste ´ne Scheibe Brot und werfe einen Blick in die Zeitung und auf die freundlichen Kommentare in meinem Blog. Dann kommt mir die Idee, den heutigen Tag mal wieder live zu bloggen. Also hämmere ich ein paar Worte zum Vormittag in die Tastatur und überlege, wo ich in der Wohnung jetzt mit dem meditativen Aufräumen und Putzen beginne. Es ist gleich zwölf Uhr und ja, ja, ich weiß, ich prokrastiniere…

Der Geschirrspüler ist inzwischen fertig, auch die Waschelse hat ihren Job sauber gemacht. Ich bin nun mit den Folgearbeiten beschäftigt. Draußen wechseln sich Sonne und Regen ständig ab. Auch für das Wochenende sind die Aussichten eher mäßig. Die Wäsche flattert dennoch auf dem Balkon. Während mich beim Betreten des Gästezimmers die Bügelwäsche schadenfroh anglotzt, fällt mir siedend heiß ein, dass sich eine nachträgliche Geburtstagsgabe vermutlich noch nicht von alleine mit Geschenkpapier umhüllt hat. Blöd aber auch. Nun hole ich es nach und fluche, weil mir irgendwie das Verpackungsgen fehlt. Andere Frauen können solche Dinge zu wahren Meisterwerken werden lassen. Bei mir sieht es immer sehr… ähm improvisiert aus. Egal. Es kommt von Herzen.

Um 14 Uhr habe ich ein wenig vom Bügelwäschehügel abgetragen, mir dabei mal wieder ein zünftiges Brandzeichen auf den Unterarm gesetzt, die Gästebetten bezogen und das Staubtuch geschwungen. Schnell noch den Fußboden swirlen, dann tanze ich die nächste Runde im Badezimmer.

Unser Besuch schreibt im Gesichtsbuch etwas von Reisefieber und twittert die verspätete Abreise um 12 Minuten. Mal schauen, wie sich das bis Berlin auswächst. Einmal quer durch Deutschland – 650 km von Haus zu Haus – ist ja nicht so ohne.

Kurz vor vier beschließe ich, dass der Reinigungsgrad der vier Wände als gästetauglich eingestuft werden kann. Die finale Schrubbaktion im Flur überlasse ich dem besten Nebelfeuchtwischer von allen, der wie auf Stichwort plötzlich feierabendlich in der Tür steht.

Während ich mich beim Liegendbloggen aktiv um die Entspannung meiner Lendenwirbelsäule kümmere, verlässt mich prompt die Lust auf eine erneuten „Ernte“versuch von Edelgemüse namens Asparagus.

Nun, Frau kann auch ohne Lust einkaufen. Der Besuch jammert twittert derweil über Baustellen.

Dreiviertel sechs, für „Anderstickende“ Viertel vor sechs. Der Flur ist gewischt, der Spargel  im Hause, das Bier kalt gestellt, ein Leckerli aufs Gäste-Kopfkissen gepackt. Draußen scheint die Sonne. Die Vorfreude steigt. Bevor ich mich den Kartoffeln widme, drehe ich noch schnell eine Runde durch Bloghausen.

Eine Stunde später – ich habe inzwischen die Wäsche vorm Ertrinken auf dem Balkon gerettet und im Badezimmer in Sicherheit gebracht – kümmert sich der beste Abendessenzubereiter von allen um die Kartoffeln und die Dinge, die dazu auf den Tisch kommen sollen. „Stimmt´s Schatz, Du braucht keine Hilfe?“ 😉

19 Uhr und paar zerquetschte Minütchen.  Es klingelt. Das waldspecht-tonarische Wochenende kann beginnen 🙂

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16 Antworten zu Freitag

  1. Gedankenkruemel schreibt:

    Herrlich und unterhaltend geschrieben. 🙂
    Ich konnte mir nicht verkneifen zu schmunzeln..Danke für den Schmunzler..
    Wollte euch eine wunderbare tolle schöne spassige Zeit mit euren Besuch wünschen..
    Liebe Grüsse,Elke

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  2. Bellana schreibt:

    So ähnlich ist mein Tag bisher heute auch verlaufen, nur das ich nicht beim Arzt war….
    Grüßle Bellana

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  3. hafensonne schreibt:

    Der Wecker hat bei mir auch um halb sieben geklingelt. Allerdings einzig und allein für den Brötchengeber. Viel zu tun hin oder her – an einem freien Tag würde ich niemals freiwillig so früh aufstehen. Tipp für die Bügelwäsche [Zitat Max Goldt :-D]: Bügeln kann man notfalls bleiben lassen, und wer hat schon einmal davon gehört, dass dreckige Fenster stinken? (Ich habe durchgesetzt, dass die Kapitänshemden in die Reinigung wandern, und mehr wird nicht gebügelt.)

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  4. muehlenmirla schreibt:

    Danke für die Mitnahme beim Einkauf, lege meine besten Wünsche für ein tolles und hexenfreies Wochenende in den Korb und lasse liebe Grüße für euch ( und zu erwartende Gäste ) da, die werden kostenfrei gescannt und sollen euch begleiten.
    Liebe Grüße von Gabriela

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  5. vivilacht schreibt:

    liebe Frau Tonari,
    ich hatte heute einen wunderbaren Vormittag. In der Schule gab es etwas Neues. von jeder schulklasse soll ein Kind etwas aus einem Buch vorlesen. Vor der gesammelten Schule und die Klassen durften auch noch etwas dazu machen, ein Lied, das zum Buch passt oder einen kurzen Sketsch. Und von der ersten Klasse, der A3, (es gibt immer 4 Klassen von der ersten etc), da hat ein ganz lieber netter Junge vorgelesen, da musst ja die Oma mit dabei sein. Also habe ich den Zwieitklaessler gleich in der frueh in die Schule gebracht, nicht dass er mich dann sieht und auf seinen Cousin neidisch wird. So hatten beide Schulkinder heute die Oma um sich. Natuerlich auch grosses Hallo von allen Lehrern, die mich noch nciht gesehen hatten.
    wuensch dir eine gute Zeit mit deinem Gast udn ein herrliches WE

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  6. ilanah777 schreibt:

    Herrlich!!!!
    Danke fürs Mitnehmen in deinen Alltag, der gar nicht so alltäglich ist, oder doch….aber es hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert 🙂

    Viel Spaß mit dem Besuch!

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    • Frau Tonari schreibt:

      Normalerweise gehe ich auch an Freitagen arbeiten. Insofern war dieser Freitag kein alltäglicher/normaler. Er verlief nur sehr straff und durchorganisiert, um alles zu schaffen und abends nicht völlig platt zu sein, wenn die Gäste an der Tür klingeln.

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  7. Birgitt schreibt:

    …schön unterhaltsam geschrieben, liebe Frau Tonari,
    na dann wünsch ich euch sehr schöne gemeinsame Tage…

    lieber Gruß Birgitt

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  8. Bellana schreibt:

    Ich wünsche Euch ein tolles Wochenende.
    Grüßle Bellana

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  9. ute42 schreibt:

    Herrlich beschrieben, dein Tagesablauf. Besonders gefällt mir, dass du die Wäsche vor dem Ertrinken bewahrt hast 🙂

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  10. minibares schreibt:

    Aha, Anette ist da.
    Viel Spaß miteinander.
    Du warst ja richtig fleißig. ein arbeitsamer Tag, so früh an einem freien Tag aufstehen, das musste ja einen Grund haben, lach.
    Liebe Grüße Bärbel

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  11. Frau Doktor schreibt:

    Super das Du uns mitgenommen hast in Deinen Tag, sehr gute Idee und Du hast eine tolle Schreibe, aber das weisst Du ja 🙂 Grüße an Deine Gäste aus der Pfalz oder aus deren Nähe, jedenfalls aus der Gegen wo es nur gutes Wetter gibt oder fast nur 🙂

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  12. twilight schreibt:

    Ja, der ganz normale Wahnsinn eben. Schönes Wochenende!

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  13. Anette schreibt:

    Bei den zerquetschten Minütchen handelte es sich um exakt 2 😉
    Das Navi prophezeite uns von Anfang eine Ankunftszeit von 19 Uhr plus/minus ein paar zerquetschte Minütchen. Die vielen verlorenen Minütchen, die wir im Stau und in den diversen Baustellen verbrachten holte der Liebste durch seine recht rasante Fahrweise wieder auf;-) …
    Wie immer hast du das sehr schön be – umschrieben.
    Klasse …
    Perfekt …
    Alles sauber, alles rein 😉
    Toll! Wir fühlen uns wohl …
    @Frau Doktor.
    Ich bin zwar in der Pfalz geboren, aber wir wohnen nicht in der Pfalz. Und auch nicht in Hessen.
    Wir wohnen in Baden-Württemberg. Am nördlichsten Ende. Zur Grenze nach Hessen sind es 4 km, um in die Pfalz zu kommen müssen wir 20 km fahren. Und nach Bayern sind’s auch nur 90 km 😉 ….
    Und jetzt ist das Essen fertig, Herr Tonari hat gekocht …
    Schnitzel, Spargel und Kartoffeln …

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  14. chinomso schreibt:

    Amüsant, so ein Freitag bei Tonaris. Gerade wenn Besuch kommt. Und dann noch so netter.
    Ich bin sicher, ihr hattet Spaß ohne Ende. Und wenn endlichen Spaß, dann nur weil Montag wieder der Brötchengeber ruft.

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