Waschelse

Vergangenen Sonntag sitzen die Tonaris in trauter Zweisamkeit vor der Glotze und sehen einen öffentlich-rechtlichen Beitrag über diverse Haushaltsgeräte. Es wird von von Herstellern eingebauten Sollbruchstellen berichtet, damit die Produkte pünktlich kurz nach Ablauf der Garantiezeit ihren Geist aufgeben. (Ein Graus für jeden Ingenieur, so etwas konzipieren und entwickeln zu müssen. An den Universitäten bereitet man die Studenten schon mal mehr oder weniger sanft darauf vor, dass ihre künftigen Arbeitgeber so etwas von ihnen erwarten könnten.) Oft sind sie – die Geräte, nicht die Ingenieure- leider aber nicht zu reparieren, weil beispielsweise nicht zu öffnen. Manchmal gibt es keine Ersatzteile (mehr) oder die Produzenten rücken sie nicht raus. Mitunter lohnt auch der Aufwand einer Reparatur nicht, da die Kosten des Handwerkers und des Austauschteiles höher sind als eine Neuanschaffung. Die Wegwerfgesellschaft boomt.
Es sei denn, man bastelt leidenschaftlich gern, hängt aus diversen Gründen sehr an dem schwächelnden Gerät, kennt jemanden mit goldenen Händen oder entschließt sich aus ökonomischen und/oder ökologischen Gründen für eine Wiederbelebung. Die Sendung berichtet auch über verschiedene Basteltreffs, in denen nachbarschaftlich bei Kleinreparaturen geholfen wird oder Grundlagen für die Selbsthilfe vermittelt werden. Auch zeigt man Beispiele für echte Reparaturfreaks, die fast alles wieder zum Laufen bringen oder aber ehrlicherweise zugeben, dass hier das letzte Apparatestündlein geschlagen hat und es Abschied zu nehmen gilt.

Die Tonaris finden die Sendung interessant. Womit sie nicht rechnen: Im Zimmer am Ende des Flures hört offenbar ein sehr sensibles Familienmitglied aufmerksam zu. Und verschluckt sich prompt. Vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Solidarität. Wer weiß das schon? Vielleicht hat es auch einfach nach fast zehn Jahren spontan das Leben und Arbeiten bei den Tonaris satt oder sich tatsächlich unlängst einen lavamatischen Virus eingefangen? War der Frau Tonari nicht schon seit ein paar Tagen ein nachdrücklicher werdendes Räuspern aufgefallen?
Jedenfalls röchelt, gurgelt und ächzt es plötzlich aufmerksamkeitsheischend aus dem Badezimmer. So sehr, dass die Tonaris nach einer Schnelldiagnose beschließen, der finale Gang stehe nun wohl unmittelbar und unwiderruflich bevor. Wenige Tage später werden liebevoll und ein bisschen wehmütig die letzten Knöpfe gedrückt, die zu- und abführenden Schläuche entfernt. Machs gut, altes Waschmaschinchen. Hast fast ein Jahrzehnt treue Dienste geleistet und Dir den Ruhestand nun verdient.

Und Willkommen im tonarischen Haushalt, Du neue Waschelse. Auf hoffentlich viele gemeinsame Jahre, ein gutes Waschergebnis und schongetrommelte Kleidungsstücke.

wmsHat Eure Waschmaschine eigentlich auch einen Namen? Falls ja, auf welchen hört sie denn?

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36 Antworten zu Waschelse

  1. vivilacht schreibt:

    meine haben bisher nie einen Namen gehabt, es ist bei mir auch erst die zweite innerhalb von fast 40 Jahren. Wahrscheinlich hatte ich sehr viel Glueck mit der ersten, die soooo lange ausgehalten hatte. Deine Neue sieht gut und teuer aus. Hoffentlich haelt sie laenger als nur Garantiezeit

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  2. hafensonne schreibt:

    Miele, Miele, sagte Tante, die alle Waschmaschinen kannte…
    Nee. Meine ist namenlos. Ein Notkauf vor drei Jahren (die billigste aus dem Elektronikmarkt), der *toitoitoi* die Garantiezeit bereits um fast ein Jahr überlebt hat.
    Einen „Namen“ hat bei uns das Navi (Schlampe) und das Auto (Moppi).

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  3. ute42 schreibt:

    Edel sieht sie aus. Wow, die kann sogar imprägnieren. Meine ist bestimmt schon 20 Jahre alt. Einen Namen hat sie keinen, aber ich lobe sie jedes Mal nach dem Waschgang. Vielleicht hilfts :-)

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  4. Fjonka schreibt:

    Meine war damals das ökigste, was zu kriegen war (Testberichte mit Waser-und Stromverbrauch), und ich stelle grad fest, daß wir im nächsten Januar unbedingt feiern müssen: 20 Jahre!! Die Gute!! Ihr Nachname lautet übrigens nicht Miele, sondern Zanussi.

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  5. Bellana schreibt:

    Unsere Waschmaschine hatte noch nie einen Namen. Die jetzige hält schon länger als ihre Vorgänger, aber wir haben inzwischen beschlossen, statt Reparatur künftig im Falle eines Falles immer ein preisgünstiges neues Modell zu erwerben.
    Grüßle
    Bellana

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  6. Herr Ackerbau schreibt:

    Ich habe nicht richtig hingesehen und zunächst touristische Informationen über den mir zwar noch unbekannten, aber sicherlich sehr reizvollen Waschel-See erwartet. Aber so ist es auch gut.

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  7. minibares schreibt:

    Boah, die kann sogar imprägnieren, das könnte ich brauchen für eine Winterjacke.

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  8. meinigkeiten schreibt:

    Meine geben auch immer so ca. nach 10 Jahren auf, die jetzige ächtz nur noch, schleudert nicht mehr … und wird Mittwoch gegen eine neue ausgetauscht. Meine Kriterien für die Auswahl? „Welche habt ihr da“ habe ich meine ständigen Geräteengel gefragt „Bauknecht xy für knapp 500 Euro“. Gut, dann habe ich gefragt, hat sie einen Timer? „Ja“. OK. Wann bringt ihr sie? Das war meine Auswahl. Ich glaube, ich würde eine Miele auch in 10 Jahren killen. Für die Siemens brauchte deutlich unter 10 Jahren. Und man hat mir versichert, die nächsten werden nicht länger halten. Die verwendeten Materialen werden nicht besser … :(

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  9. meinigkeiten schreibt:

    Outdoor? Ich hoffe, sie geht dann nicht zum Waschen nach draußen? :)

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  10. regenbogenlichter schreibt:

    Also die schaut nach einer aus, die länger hält… vom Namen der Firma her zumindest. Wir hatten eine, da hat s beim schleudern die Trommel ausgehängt. Da haben sie nach 8 Jahren aber noch was gezahlt, für eine neue, weil das nicht passieren darf. Die ist inzwischen auch schon wieder so alt. ;-)

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  11. Inch schreibt:

    Diese Basteldingens finde ich genial. Leider sind sie in der Heldenstadt noch nicht angekommen. Wir leben eben doch in der Provinz

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  12. Franka schreibt:

    Nö, nur die ersten Dinge (Computer, Auto, etc.) hatten einen, dann nicht mehr. Mit Kindern haben wir nach zweien aufgehört, deshalb gab’s da auch keine Probleme. Sie haben beide einen Namen ;-)
    Die Repaircafés scheinen jetzt in aller Munde zu sein, auch die Seite ‚Murks‘ von Stefan Schridde. Ich finde alle diese Aktionen gut.
    Viel Glück mit der neuen Else II? III?

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  13. AndiBerlin schreibt:

    Nee, einen Namen habe ich meiner Waschmaschine nicht vergeben. Ich bin ja gespannt wie lange diese hält. Ich glaube sie geht jetzt ins dritte oder vierte Jahr. Ist jetzt nicht so ein hochpreisiges Teil mit den Markennamen M…., aber eine aus der Knecht Familie.
    Leider ist die Maschine sehr laut geworden, wo ich mich immer wundere das sich da bis jetzt noch keiner beschwert hat. :)

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  14. Pingback: Waschelsenzuwachs | meinigkeiten

  15. chinomso schreibt:

    Namen hatte die bisher nicht. Aber bei uns ist noch keine neuangeschaffte abgestorben. Nur ne gebraucht geschenkt bekommene. Alter war dann unbekannt.
    Gerade haben wir ne Siemens und sind sehr zufrieden und guter Hoffnung, dass sie uns noch lange begleitet und für uns die Sachen sauber macht.

    Outdoor kann eure?? Waschen unter freiem Himmel? Regenwassersammelnd?? Solarstrom verwendend? Or what??

    Egal, viel Glück mit dem neuen Stück im Haushalts-Geräte-Park.

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  16. juniwelt schreibt:

    Ich erwarte hier auch demnächst einen Maschinenwechsel, die jetztige ist auch eine preiswerte gewesen…sie (ein Oberlader mangels Platz) rostet!!! mittlerweile am Deckel…aber nen Namen hat sie auch nicht. Ich wünsche lange Freude mit der neuen :-)

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  17. Ruthie schreibt:

    Meine hat keinen Namen und ist irgendwie blöd. Und wenn sie das jetzt mitkriegt und morgen zickt, bekommt sie einen Tritt vor den Latz. Jawohl! (Und Quelle gibt’s ja eh nicht mehr…)

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  18. Muri schreibt:

    Glückwunsch!
    Meine neue WaschFrieda ist heute eingetroffen und hat bereits ihre erste Runde gedreht :-)

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  19. theomix schreibt:

    Ach, wer schaut schon in die Seele solcher Waschelsen? Kriegen mit, dass Herrchen und Frauchen abfällige Bemerkungen anhören, und das noch aus öffentlich-rechtlichen Rauchzeichen. So zu reagieren ist dann fast schon Notwehr.

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  20. quizzymuc schreibt:

    Ich hab meine „Blomberg“ hauptsächlich aus optischen Gründen gekauft, als ich mein Single-Leben nach der letzten Scheidung begann (und ich dem Ex die „alte“ gnädig überlassen hab). Sie sieht immer noch „stylisch“ aus, auch wenn sie mittlerweile in ihrer Edel(grau)stahl-Optik schon in die Jahre gekommen ist … ;-)
    Herzliche Grüße
    Renate

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  21. Anna-Lena schreibt:

    Der Artikel ist mir im letzten jahr glatt durch die Lappen gegangen :-) .
    Aber der Gatte und ich werden morgen mal genau nach Sollbruchstellen suchen ;-) .

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  22. Pingback: Hej Stella | hafensonne

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