Pantoffelblumen einmal anders

Und es begab sich in einem längst untergegangenen Zwergenstaat, dass den weiblichen Bewohnerinnen im erwerbsfähigen Alter einmal im Jahr weisgemacht werden sollte, sie seien etwas ganz Besonderes und man müsse sie am achten Tag des dritten Monats ehren und mit Blumen überschütten bedenken.

Leider aber war der real existierende Sozialismus Blumenhandel mit der Aufgabe völlig überfordert, zu einem so frühen Zeitpunkt des Jahres genügend frische Schnittblumen bereit zu halten. Wer legt auch einen solchen „Feiertag“ in die noch nicht begonnene Vegetationsperiode. Tzz, tzz, tzz. Das haben sich die Damen um Frau Zetkin 1910 nicht wirklich gut überlegt.

Doch zurück zum Mangel an repräsentativer Blütenpracht. In jedem März war es also für die männlichen Kollegen eine lästige Pflicht Herausforderung, etwas Blühendes auf die Tische ihrer Mitstreiterinnen stellen zu müssen können. Und, Vitamin Beziehung sei Dank, gab es immer einen, der eine kannte, die bei einem Blumendealer arbeitete. Gelegentlich wird von einer unglaublichen (rote) Nelkenschwemme berichtet, die über die Betriebe und Kombinate wehrlosen Frauen und Mädchen schwappte.

Wenn man jedoch in einem Bereich der MangelPlanwirtschaft arbeitete, in dem es mangels wertvollem Konsumgut keine Tauschgeschäfte gab mit dem nicht viel Staat zu machen war, dann beschränkte sich die Blumenausbeute „nur“ auf eine kleine Topfpflanze. Nie werde ich den Anblick vergessen, als auf unseren Schreibtischen morgens jeweils eine Pantoffelblume stand. Frühlingshaft gelb leuchtend und eigentlich wunderschön anzusehen. Nur hatte ich damals den Blick nicht dafür. Ich habe mich gefragt, ob dies die topfgewordene Symbolhaftigkeit schelmischer Kollegen oder wirklich ein Notkauf sei. So viel Ironie traute ich besagten Männern jedoch auch nicht zu. 😉

Ganz besonderen Stress gab es 1987 übrigens für den besten frischgebackenen Papa von allen, der am Vortag des Frauentages versuchte, für mich ein Glückwunschsträußchen zur Geburt unserer Tochter zu ergattern. Hielt doch der Handel für die zu bedenkenden und beschenkenden Kolleginnen und Ehefrauen alles zurück, was nicht schon die welken Blütenblätter fallen ließ. Ich weiß nicht, wie er es geschafft hat, aber ich bekam am 7. März einen Strauß frischer Blumen 🙂 Und der Spruch eines Gratulanten „Sie wird es ihr Leben lang immer schwer haben, vernünftige Blumen zum Geburtstag zu bekommen.“, hatte sich bereits zweieinhalb Jahre später historisch überlebt.

Dieser Beitrag wurde unter damals war´s abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu Pantoffelblumen einmal anders

  1. regenbogenlichter schreibt:

    Die hatte ich schon fast vergessen, derweil sind sie so nett. Muss mal im Blumengeschäft fragen.
    LG
    Ute

    Gefällt mir

  2. minibares schreibt:

    Aha, dann wurde eure Tochter gestern also 27, meine Glückwünsche nachträglich.
    Inzwischen sind die Blumengeschäfte ja jederzeit gut bestückt.

    Gefällt mir

  3. Anna-Lena schreibt:

    Der Frauentag war mir bis zur Wende überhaupt kein Begriff.
    Die Pantoffelblumen sind mir jedenfalls lieber als die Pantoffelhelden 🙂 .

    Gefällt mir

  4. monisertel schreibt:

    Ich habe den Eindruck, gerade in diesem Frühjahr Pantoffelblumt es ganz besonders viel!!! 😉
    Überall stehen sie rum und warten darauf, mitgenommen zu werden!
    Liebe Grüße
    moni

    Gefällt mir

  5. vivilacht schreibt:

    als erstes einen Glueckwunsch fuers Toechterchen, haette ich gerne in Japanisch geschrieben, kann es aber nciht. Pantoffelblumen kannte ich ueberhaupt nicht. Vielleicht hatte ich sie mal gesehen, ohne zu wissen, wie sie heissen. Und was ist Frauentag? habe ich hier etwas versaeumt? ist es ein verfruehter Muttertag fuer alle, die keine Muetter sind? Oder wofuer steht der? einen schoenen Sonntag von einer, der nix versteht

    Gefällt mir

  6. hafensonne schreibt:

    Ein Supermarkt offerierte heute ein Glas Sekt und eine Rose für jede Kundin. Klingt vielleicht komisch, aber ich war mit dem Schiffsführer unterwegs, dem sehr schnell sehr deutlich gemacht wurde, dass das Angebot nur Damen gelte. Abgesehen davon, dass aus vermeintlicher Kompromisshaftigkeit halbtrockener Sekt sowie auch eigentlich schon vertrocknete Rosen abzugreifen gewesen wären, empfand ich das irgendwie als Diskriminierung.

    Gefällt mir

  7. Ruthie schreibt:

    Ich kannte den Weltfrauentag „früher“ auch nicht. Aber wozu hat man denn Euch, liebe Ossifrauen, gell? 😉 Ich möchte auch dem Töchterlein aus dem „berühmten“ Baujahr einen herzlichen Glückwunsch schicken, und bin froh, dass sie keine Probleme (mehr) hat, Pantoffel- oder sonstige Blumen zu kriegen. (Und mein Bruder hat „plötzlich“ an einem Feiertag Geburtstag – 3.10.)

    Gefällt mir

  8. Lucie schreibt:

    Ich hab die Blümchen auch lange nicht gesehen. Aber ich hab mit der Sorte eh kein Glück. 😉
    Schön, dass du sie dir mitgenommen hast und vor allem, das du uns an sie erinnert hast.

    Herzlichen Glückwunsch ans Tochterkind, das ist sie ja nur ein Jahr jünger als mein weiblicher Nachwuchs.

    Herzliche Grüße und ein sonniges Wochenende wünsche ich euch 🙂

    Gefällt mir

  9. quizzymuc schreibt:

    Wenn das nicht ein perfektes Timing ist, pünktlich zum Frauentag einem Mädchen das Leben zu schenken! In der Marktwirtschaft würde man sagen: „Lieferung just in Time“! 🙂
    Herzliche Grüße
    Renate

    Gefällt mir

  10. Gedankenkruemel schreibt:

    Jetzt sieht man sie wieder mehr..Ich mag sie..
    Glückwünsche hab ich dem Töchterlein selbst an dem Tag überbracht ♥

    Gefällt mir

  11. Inch schreibt:

    Nuja, ich fand das mit dem Frauentag so schlecht nicht. An die Nöte des Blumenhandels habe ich allerdings noch nie gedacht. An die Nöte Blumen schenkender Männer auch nicht. Wobei, das Kind beschenkte ja auch die Kindergärtnerin. Ich glaube, mit Süßem. Süßes war mir als Geschenk auch immer lieber als Blumen. Damals konnte ich ja noch in mich hinein stopfen ohne Folgen. Nein, so schlecht war das nicht. Und allemal besser als Muttertag.

    Gefällt mir

  12. antjea schreibt:

    die pantoffelblume hab ich auch schon jahrzehnte nicht gesehen. und auf einmal finde ich sie sogar hübsch!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s