die Unvollendete

21.10.2013

Die Cathedral of St. John the Divine, die wir am frühen Morgen besuchen, zählt zu den größten Kirchen der Welt. Darauf kann man sich einigen, aber bezüglich der Größe „streiten“ sich diverse Quellen. Größte protestantische Kirche? Dritt- oder viertgrößte der Welt? Definiert sich die Dimension über Länge, Breite, Höhe, Kubikmeter umbauten Raum, maximale Gästeanzahl?… Egal.

1882 begann man mit dem Bau und hat diesen bis heute nicht abgeschlossen.  Chronischer Geldmangel und permanente Restaurierungen (u.a. nach einem Brand 2001) verhinderten die Fertigstellung. Ein Schelm, wer jetzt gerade an unseren Problem-BER denkt. 😉 Ich hingegen habe die Sagrada Familia in Barcelona im Kopf, deren Errichtung im gleichen Jahr begann.  Letztere wird, wenn man jüngsten Prognosen glauben darf, 2026 abgeschlossen sein.  In New York spart man sich solche Vorhersagen lieber gleich.

Cathedral_of_st_john_the_devine_1Bis zu 5.000 Menschen sollen im Inneren Platz finden. Winzig komme ich mir tatsächlich bereits beim Betreten vor. Die fehlende Bestuhlung erzeugt in mir zudem das Gefühl von Leere. Es ist frisch und es fröstelt mich.

Cathedral_of_st_john_the_devine_3Hinter dem Chor befinden sich die Kapellen der sieben Sprachen. In der Saviors Chapel finde ich, was mich eigentlich in dieses Gotteshaus zieht: Ich möchte unbedingt den von Keith Haring gestalteten Altar sehen. Das Triptychon mit den typischen Haring-Figuren zeigt Szenen aus dem Leben Jesu. Der Künstler verstarb kurz nach der Fertigstellung im Febraur 1990 an Aids.  Ich mag die für ihn typischen Grafitti-Figuren.

keith_haring_AltarSo manch schönes Detail springt mir vor die Linse. Einiges, auf das ich eigentlich hätte achten müssen, lese ich erst beim Schreiben des Blogbeitrages. Schade, aber so hat Nachbereitung auch noch mal seinen ganz besonderen Reiz.
Cathedral_of_st_john_the_devine_4Und noch etwas hat diese Kirche zu bieten. Wunderschöne Türen für Kalles Türenprojekt, das leider zum Ende des Jahres ausläuft. Kein Grund für mich, künftig  keine prächtigen Exemplare mehr zu zeigen.

Diese Türen öffenen sich nur zweimal im Jahr. Zu Ostern und am ersten Sonntag im Oktober zum Feast of St. Francis, einer Messe und Prozession am Namenstag des heiligen Franziskus zu Ehren der Tiere .

Cathedral_of_st_john_the_devine_5Cathedral_of_st_john_the_devine_6Imposant das Gestühl des Chores

Cathedral_of_st_john_the_devine_7und die riesigen Kirchenfenster. Die gigantisch große Fensterrose, bestehend aus mehr als 10.000 Glasstücken, war leider so schlecht vom Tageslicht beleuchtet, dass sie nicht auf den Fotochip durfte ;-(

Cathedral_of_st_john_the_devine_8

Cathedral_of_st_john_the_devine_9Die Skulptur aus Bronze von Greg Wyatt im Park nebenan stammt aus dem Jahre 1985 und zeigt den Erzengel Michael, der mit dem Teufel kämpft. Wasser ist leider weit und breit nicht zu sehen. Daher fällt es mir schwer, in dem Kunstwerk den Friedensbrunnen zu erkennen.

Cathedral_of_st_john_the_devine_10Die großen Bronzetüren an der Westseite beeindrucken und sind leider so abgesperrt, dass ich keine Nahaufnahmen machen kann.  Henry Wilson, ein britischer Architekt, schuf sie zwischen 1927 und 1931. Zu sehen sind 48 kleine Reliefs mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament.

Cathedral_of_st_john_the_devine_11Cathedral_of_st_john_the_devine_12Cathedral_of_st_john_the_devine_13Cathedral_of_st_john_the_devine_14 Cathedral_of_st_john_the_devine_15

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18 Antworten zu die Unvollendete

  1. regenbogenlichter schreibt:

    Beeindruckend und wunderschöne Details… der Kölner Dom wurde auch über mehrere Jahrhunderte gebaut. Nach den Kosten hat da auch keiner gefragt. 😉
    Der Unterschied… eigentlich müssten wir mit der uns zur Verfügung stehenden Computertechnik viel präziser planen können, was aber wohl nicht so ist und eine Kirche braucht keiner für das Buisness. 😉
    Liebe Grüße
    Ute

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  2. theomix schreibt:

    Eine Kirche, entweder sehr groß oder sehr alt oder beides, ist eigentlich immer eine Baustelle, auch wenn sie als ‚vollendet‘ gilt. Das nur am Rande. Ein schöner Artikel über eine Kirche, die (um es in heinz-erhardtischer Manier zu sagen: imgesäßsediment, äääh…) imposant ist.

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  3. chinomso schreibt:

    Damit hast du der Kirche regelrecht ein Denkmal gesetzt.
    Und wenn nicht das, dann doch wenigstens einen imposanten bebilderten Bericht drüber geschrieben. Toll gemacht.

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  4. vilmoskörte schreibt:

    Das scheint mir dann auch so eine Art Las-Vegas-mäßiger bis eklektizistischer Nachbau europäischer Vorbilder zu sein. Und natürlich muss es auch die größte sein, ein Land mit großen Sündern braucht schließlich auch eine große Kirche zum Beichten 😉 Na ja, ich sollte nicht meckern, schließlich leistet sich diese Republik auch den Nachbau eines Hohenzollernschlosses in seiner Hauptstadt.

    Aber der Alter von Keith Haring hat was, ich verstehe voll und ganz, dass du ihn sehen musstest.

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    • Frau Tonari schreibt:

      Ich hatte ihn mir größer vorgestellt, den haringschen Altar. Aber er gefiel mir gut. Vor allem, weil die Flügel aus unterschiedlichen Blickwinkeln immer andere Farben wiederspiegelten. Was Weißgold auf Bronze doch so alles kann.

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  5. minibares schreibt:

    Wow, was für eine riesige Kirche.
    ich wette, die Leute vermissen den linken Turm gar nicht.
    Wundervolle Aufnahmen sind dir gelungen, die diversen Türen sind richtige Schätze.
    Der berühmte dreiflügelige Altar von Haring ist ein Meisterwerk.
    Danke für diesen schönen Bericht.

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  6. vivilacht schreibt:

    danke, dass du mich da mit hinein genommen hast, da war ich nie, aber wir sind auch keine sooo grossen Kirchenbesucher. Die Tueren sind wirklich ganz besonders, wie Baerbel schon schreibt, Schaetze. Ich schicke dir beste warme Gruesse und einen guten Rutsch

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  7. antje schreibt:

    wirklich sehr beeindruckend, die riesige kirche und deine fotos, dazu der interessante bericht! hier in cordoba gibt es eine kirche, bei der ein turm absichtlich weggelassen wurde, um die unvollkommenheit der menschen zu symbolisieren.
    liebe grüße und einen guten rutsch!

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  8. kallehd schreibt:

    Liebe Tonari,
    das Warten hat sich gelohnt. Ich habe deinen Beitrag schon vermisst, doch leider habe ich meine Kommentarfunktion aufgrund des Spams bereits geschlossen. Dennoch habe ich jetzt deinen Beitrag noch verlinkt, damit ihn jede/r dort nachlesen kann, der sich für Türen interessiert. Die Türen der Kirche (groß wirkt sie tatsächlich) sind sehr kunstvoll gestaltet. Und wenn auch unvollendet, hat man hier aus dem Vollen geschöpft, und sogar bei den Türen auf das Besondere wert gelegt. Persönlich finde den Altar von Keith am schönsten, aber ich wusste gar nicht, dass er auch einen Altar gemacht hat. Wieder etwas gelernt, muss mal danach googeln.
    Und zum Schluss bedanke ich mich nochmals ganz besonders bei dir udn für deine oft aussergewöhnlichen Türen, und freue mich, wenn du auch weiterhin solche Schätze hier zeigen willst,
    liebe Grüssle kalle

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    • Frau Tonari schreibt:

      Danke, lieber Kalle, für das nachträgliche Einfügen und Verlinken meiner Kirchenpforten.
      Es war der Altar des Keith Haring, der mich eigentlich zu dieser Kirche führte. Die Pracht der Türen habe ich erst dort entdeckt. Leider sindmir ein paar wunderbare Details entgangen. Grund, noch einmal dorthin zurück zu kehren. Gerne auch bei wärmeren Graden und mit einem Turmaufstieg. Frau muss sich ja Ziele setzen 😉

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