warum ich nie wieder Bio-Socken kaufe

Auf dem Weg zum Bahnhof stelle ich mit Blick auf das Ticket fest, dass ich nicht nur an einem Freitag, den 13. nach Frankfurt am Main reisen werde, sondern mein Zug Berlin auch noch auf Gleis 13 verlässt. (Zum Glück in Wagen 8, nicht 13.) Ein Omen? Wohl eher nicht, denn die Fahrt verläuft unspektakulär und auch das Umsteigen in Hannover geht problemlos und pünktlich über die Bühne. In Berlin hält man mich beim Einsteigen mal kurz für den – O-Ton –  „Lehrkörper“ einer Schülergruppe. Meine Reaktion, dass ich heute maximall zwei ee zu bieten hätte, erzeugt nach dem Verarbeiten des Gesagten reichlich Heiterkeit. Die Lautstärke im Abteil während der nächsten Stunde(n) umschreibe ich jetzt mal damit, dass das Konzentrieren auf meine mitgenommene „Koma“-Lektüre nicht leicht fiel 😉 Für breites Grinsen in meinem Gesicht sorgt die Bahnbegleiterin dann bei der Einfahrt im Zielbahnhof: „Wir erreichen jetzt Hamburg-Hauptbahnhof.“ Pause. Hörbares Stutzen. Dann räuspert sie sich entschuldigend und nennt Frankfurt als den wahren Ort des Ankommens. Sehr sympathisch, dass sie das Mikro nicht so schnell ausschaltet und wir ihren Lachflash noch im Ansatz mitbekommen. Danke, für diese göttlich Situationskomik 😉
In Frankfurt erwarten mich neblige Nässe, kriechende Kälte und … Frau Meinigkeiten. Doch zunächst bringe ich meine Tasche ins Hotel und mache dann von dort aus den gemeinsamen Treffpunkt aus. Bulle und Bär sollen es sein, sagt Frau Meinigkeiten.

bulle und bär650 Meter Fußweg vom Hotel bis dahin, sagt sie auch. Die kommen mir irgendwie länger vor bis ich merke, dass ich offenbar alle drei verpasst und mich verlaufen habe. Hach, zum Glück hat der Apfel eine eingebaute Orientierungs-App 😉 Und dann ist auch klar, warum ich die beiden Figuren und Frau Meinigkeiten übersehen musste: Wochenmarktstände so weit das Auge reicht. (Das Foto entstand einen Tag später.) Einen Vorteil hat meine Verspätung, denn ich erkenne in der suchend um sich blickenden Frau sofort meine internette Bekanntschaft.
Wir bummeln bei angeregter Unterhaltung durch die alte Markthalle und entdecken merkwürdige Früchte,

ffm1laufen schwatzend über den Weihnachtsmarkt, gucken am Römer nach dem alten Kinderkarussell, das ich hier vor (15?) Jahren schon einmal gesehen hatte,

ffm2finden was zum Futtern, das uns beiden gefällt und landen schließlich in der 7.Etage des „Kaufhofes“. Bevor wir unsere klammen Finger am Kaffee wärmen, muss natürlich der spektakuläre Nebel-Blick über Mainhattan festgehalten werden.

ffm3Stunden, einen Milchkaffee und eine große Apfelschorle später, sah es dann so aus:

ffm4ffm5In der Zwischenzeit nimmt der Gesprächsstoff kein Ende. Die gemeinsame Wellenlänge in Bloghausen bestätigte sich live und in Farbe auch. Wunderbar. Wir kommen vom Hölzchen aufs Stöckchen… Schnattern bis der Arzt kommt 😉  Die Zeit vergeht leider viel zu schnell. Familie Meinigkeiten ruft. Wir finden beide, dass ein Wiedersehen unbedingt auf der Tagesordnung stehen sollte. Eine herzliche Umarmung, dann ist sie weg. Ich lasse mich noch ein wenig durch die engen Gässchen zwischen den Weihnachtsmarktbuden schieben, probiere einen Apfelglühwein, der sich als quietschesauer entpuppt, (Wiederholungstat ausgeschlossen!),

ffm6lasse hessisches Gebabbele und internationales Stimmengewirr auf mich wirken, kann die vielen Bettler nicht übersehen und laufe dann ins Hotel zurück.

Am Sonnabend bin ich zum Mittagessen bei Vivi eingeladen. Für den Vormittag nehme ich mir vor, ein wenig durch Frankfurt zu laufen. Vielleicht finde ich sogar so prima Streetart, wie StadtkindFFM sie immer zeigt?

ffm7Ich verlasse kurz nach halb zehn das Hotel und verfluche das Wetter. Kalt und dann fallen auch schon die ersten Flocken vom Himmel. Also eigentlich kann sich Petrus nicht so richtig entscheiden, denn mal schneit es, dann wird es zu Nieselregen, dann tanzen wieder die Schneeflöckchen. Kein akzeptables Wetter für einen gemütlichen Fotostadtbummel. Als die ersten Wassertröpfchen auf der Linse der kleinen Knipse landen

ffm9und ich eh schon genervt von denen auf der Brille bin, gebe ich auf und mich dem wohltemperierten Shopping (und der wunderbaren Architektur) hin.

ffm8Einen Teekaufrausch später bin ich im Besitz eines Kilogramms Grün-, Schwarz und Früchtetees. Wobei mich insbesondere der edle Birnentee glücklich macht, den ich sonst nur schwer bis nicht bekomme. Nun ist die Teebüchse in dem Laden allerdings auch leer 🙂

Irgendwann lässt der Regen nach. Ich bringe meine Teebeute ins Hotel, hole im Gegenzug das Mitbringsel für Vivi ab und beschließe, die rund 2,5 km bis nach Westend zu laufen. Unterwegs komme ich an der Alten Oper vorbei

ffm10und kaufe noch ein paar Amaryllisblüten, die mit ein wenig Tannengrün einen hübschen Strauß für Vivi ergeben.

Sie begrüßt mich sehr herzlich. Als würden wir uns ewig kennen. Ich trete ein, überreiche die Blumen, lege die Jacke ab, ziehe meine Straßenschuhe aus … und traue meinen Augen kaum. Schamesröte steigt blitzschnell in mir hoch. So ein elender Mist aber auch. Ich fluche. Die vor kurzem neu gekauften und – ich schwöre- morgens frisch und makellos angezogenen Biosocken ließen zweifelsfrei meine beiden großen Onkel durchblitzen.

gelochtZwei dicke, fette Löcher habe ich mir rechts und links bei meinem Marsch durch Frankfurt eingelaufen. Wie peinlich. *schäm* Vivi nimmt es zum Glück mit Humor.
Nie, nie, nie wieder werde ich Biosocken kaufen. Echt mal. So unverhoffte und äußerst peinliche Belüftungsöffnungen braucht nämlich kein Mensch. Ein wenig mehr Widerstand kann man von handgestreichelter Baumwolle wohl schon erwarten.
Bei der Suche nach einer passenden Blumenvase wird improvisiert und die Sache mit einem Kompromiss beendet. Stiele und Grün stehen im Wasser und machen sich gut. Einen kleinen Moment philosophieren wir über die Standfestigkeit des Gebindes und beschließen, dass es stabil und im Gleichgewicht sei. Das erweist sich als fataler Irrtum, denn während wir gemeinsam zu Mittag essen, stürzt sich der Strauß in selbstmörderischer Absicht von der Kommode. Die Vase erweist sich zum Glück als robust, die Blüten weniger.

„Herr Vivi“ zieht sich diskret zurück und überlässt uns das Feld der weiblichen Konversation. Wie bei Frau Meinigkeiten: Wir quatschen über Gott und die Welt, wobei der erstere keine Rolle spielt 😉 Die Stunden verfliegen auch hier. Wir lachen, wir haben Spaß: Ich glaube, wir mögen uns. Ich habe den Sabbat im Hause Vivi bestimmt ziemlich durcheinandergebracht, darf (dennoch) der Hawdala-Zeremonie beiwohnen und bin ein bisschen gerührt.  Danke Euch beiden von Herzen, auch dafür, dass ihr so geduldig meine neugierigen Fragen beantwortet habt. Ich habe euch deutlich klüger verlassen als ich kam.

Auf dem Weg zum Bahnhof muss ich über diese Bauwerkskonstellation schmunzeln. Wirklich. Es ist fast ein bisschen wie in Manhattan.  Alt und neu nebeneinander. Historisch und modern. Und auch die Architektur kann sich sehen lassen. Mainhattan hat für mich nach diesen Tagen (und meinem Besuch in NYC im Oktober) einen anderen Klang.

ffm11Und natürlich verlasse ich die Stadt nicht ohne einen Schachtdeckel im digitalen Gepäck 😉

ffm12

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35 Antworten zu warum ich nie wieder Bio-Socken kaufe

  1. Anette schreibt:

    Was für ein schöner Bericht über deinen Aufenthalt in Frankfurt. Du warst mir so nah und trotzdem konnte ich dich nicht drücken … Schade ….
    Deine Bilder der Stadt sind wunderschön, auch wenn das Wetter es weniger war …
    Toll, toll, toll …
    Der Frankfurter Weihnachtsmarkt ist so schön – ich war im letzten Jahr mit meinem Patenkind dort.
    Einen herzlichen Gruß von mir zu dir, Anette

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    • tonari schreibt:

      Der Weihnachtsmarkt hat mir gut gefallen, auch wenn es ziemlich eng war und ich vor allem abends fast durchgeschoben wurde. Aber er hat irgendwie Flair. Besonders am Römer, weil dort die Häuser wie Deko-Lichterhäuschen wirken.

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  2. meinigkeiten schreibt:

    Liebe Frau Tonari, das nächste Treffen dann im Sommer, gerne auch ohne Socken. Es war einfach nur schön … und der Bericht über dein restliches Wochenende und über die liebe Vivi, auch einfach nur … schön … 🙂
    Klasse Bilder von „meiner“ Zweitstadt

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  3. minibares schreibt:

    Liebe Frau Tonari, mit Vivi kann man sich nur gut verstehen.
    Zum erstenmal habe ich sie in 2005 in Berlin getroffen und auch da kam es mir vor, als hätten wir uns schon oft getroffen.
    Das Reden mit ihr so selbstverständlich. Und auch ihr Mann ist ein ganz Lieber.
    Viele Grüße Bärbel

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  4. ute42 schreibt:

    Bei den vielen Kilometern, die du abgelaufen hast, ist es kein Wunder, dass deine Zehen Luft brauchten 🙂 Peinlich ist das nicht, eher lustig. Kein Mensch verdächtigt dich, mit löchrigen Socken losgezogen zu sein. 🙂 Ein netter Bericht. Gerne bin ich mit dir durch Frankfurt gewandert und stelle dir vor, meine Socken sind noch heile.

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  5. richensa schreibt:

    Böse Baumwolle aber auch 😉

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  6. vivilacht schreibt:

    hihi. Frau Tonari, hatte nciht gedacht, dass deine Socken mit ihren Loechern hier Einzug halten werden. Ich haette es nciht erzaehlt. und die Reste der Blumen, die sind sehr zufrieden in der Vase, die halten sich jetzt. Ist auch alles wieder gut getrocknet.
    Es war wunderbar mit dir, wirklich, als kennen wir uns schon Jahre persoehnlich nicht nur per Schreiben udn Lesen. Es war, als ob wir erst am Tag zuvor ncoh telefoniert haben udn uns nun WIEDER trafen, nicht zum ersten Mal.
    Unser Shabbat wurde nicht durcheinander gebracht, der lief nebenher mit, wie er sollte. Er war brav und stoerte uns nicht, grins.
    Herr Vivi, der nimmt dann immer seine diskrete Lese udn Ruhezeit. Du siehst, es war alles ganz in Ordnung und ich habe mich riesig gefreut. Fragen bin ich immer bereit zum Beantworten.
    Deine Bilder aus Frankfurt sind sehr gut geworden, ich mag das Eschenheimer Tor mit dem Hochhaus, auch den Struwelpeter Brunnen. Den Wasserdeckel habe ich nicht aufgenommen, aber einen anderen, den ich dir gelegentlcih zeigen werde. Ich hoffe, dass es mit einem nochmaligen Treffen von uns klappen wird, aber wir haben ja ncoh etwas Zeit damit.

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    • tonari schreibt:

      Ach,Vivi, die peinliche Story musste einfach erzählt werden. Und sie bot mal wieder Gelegenheit über sich selbst zu lachen. (Natürlich hättest Du die Geschichte nicht selbst erzählt. Das glaube ich Dir sofort. Diskretion bis zu den Fußspitzen sozusagen.)

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  7. Ruthie schreibt:

    Klasse Bericht, schöne Bilder! Am liebsten mag ich die Architektur- und NebelLichterFotos!

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    • Ruthie schreibt:

      Ach so, und die Biosocken sind wohl nur für die Couch geeignet und nicht für’s Laufen durch große Städte – die Erfahrung hab ich auch schon gemacht, dass die nix aushalten. Aber schön weich sind sie, oder?

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  8. Anna-Lena schreibt:

    Ein wahrer Schmunzelbericht, liebe Frau Tonari. Da hast du ja viel erlebt. Tröste dich, zumindest steckt in deinen Biosocken wirklich Bio drin :mrgreen: 😆
    ♥lich,
    Anna-Lena

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  9. Ralfi schreibt:

    Schöner Bericht, vor allem mit den Socken! 😉 Die sind nämlich auch bei uns auf der roten Liste gelandet.
    Teehaus in Frankfurt? Da fällt mir nur dieses hier (http://www.teeshop-ronnefeldt.com/) ein. Ich bestelle dort schon lange im Onlineshop und wurde noch nie enttäuscht.
    Viele Grüße und noch eine besinnliche

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    • tonari schreibt:

      Yepp. Treffer. Versenkt. Genau der. Und nun weiß ich auch, woher ich künftig meinen Tee beziehen werde. Die Qualität ist nämlich super.
      Ja, die Story um die Socken musste ich einfach erzählen. (Ich habe mich so geschämt. Da bist du erstmalig im Hause Vivi zu Gast und dann so was. Tzztzztzz. Biosocken gehören geächtet.)

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  10. Lucie schreibt:

    Prima, dass du so ein wunderschönes Wochenende hattest.
    Hm, die Biosocken waren ja echt gemein zu dir. 😉 Vielleicht wären selbst gestrickte Wollsocken für deine beanspruchten Füße ausdauernder gewesen! 😉

    Sei lieb gegrüßt 🙂

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  11. AndiBerlin schreibt:

    Aber wenigstens tun die Biosocken den Motten gut!

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  12. Dirk schreibt:

    Das ist richtig typisch für Frau Tonari. Irgenetwas ist immer. Muß wohl in der Familie liegen.
    Freut mich, das du ein tolles We hattest….

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  13. Sabienes schreibt:

    Schade, dass du so ein schlechtes Wetter gehabt hast. Bei Sonnenschein kann Frankfurt richtig nett sein 😉
    Blöd aber auch mit diesen Socken! Aber das kann schon mal vorkommen, wenn man sich kilometerweit durch Metropolen schleppt!
    LG
    Sabienes

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  14. Broken Spirits schreibt:

    Hm, beim nächsten Besuch empfehle ich Dir aber noch einen Besuch des Maiintowers. DA haste eine richtig spektakuläre Aussicht. Falls Du noch den Fotoblog-Zugang griffparat hast, schau mal bei den „Mainhatten“-Blogartikeln 😉
    Jetzt in der kalten Jahreszeit ist die Aussicht vor allem nach Einruch der Dunkelheit spektakulär (kein Wunder bei 200 Metern). Allerdings brauchst Du ne warme Jacke – da oben ziehts.

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  15. tikerscherk schreibt:

    Meine Heimat! Wunderbar in Wort und Bild festgehalten. Danke!

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  16. paradalis schreibt:

    Weißte, es ist doch völlig egal, wenn „der Fleischer durchschaut“. Wenn man nämlich so gepflegte Füße hat, wie ich auf dem Bild da oben erkennen kann, darf man ruhig in zerlöcherten Socken rumlaufen. 🙂

    Alles Gute Euch!

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  17. Chinomso schreibt:

    Beinahe zum Greifen nah? Da hätte ich gerne nen Kaffee mit dir getrunken.
    Machen wir vielleich nächstes Mal. Und die Frau Waldspecht kommt auch dazu.

    Übrigens….. Schock schwere Not…. das Hochhaus hinter dem Eschenheimer Tor ist das, wo man uns in 2014 rein versetzen wird. Aber ich denke mal, das wird ohne mich geschehen.

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  18. Nostalgia schreibt:

    Lach – liebe Frau Tonari – MEHR Bio geht ja gar nicht 😉 Die bauen sich beim Tragen ab *gg*
    Du hast ja den Römer heute schon bei mir gesehen, wir waren exakt eine Woche später in Frankfurt. Mein Mann ist ja Hesse und wir haben liebe Freunde dort getroffen. Sohnemann hat mich überrascht dass er doch eine Runde im Karussel gedreht hat. Vor 8 Jahren musste Papa allerdings noch mitfahren 😉
    In der Zeilgalerie waren wir auch – aber mir war es da zu gut beheizt, habs nicht lange ausgehalteN!
    Lieben Gruß
    Kerstin

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