New York II

20.10.2013

Jetlag sei an dieser Stelle ausdrücklich Dank, beginnen wir den Tag wieder recht früh. 30 Etagen nach unten. Das Frühstück und die Stadt locken.

fahrstuhlLetztlich haben sie uns heute dann doch bekommen, die Jungs und Mädels der Hop-on-hop-off-Busse. Am Vortag hatte mir ein dunkelhäutiger Riese noch ketzerisch ein Kinderticket angeboten. Charmante Anspielung auf meine Körperhöhe vermutlich 😉  Gilt natürlich nicht mehr, wenn echtes Interesse vermutet wird. Wir entscheiden uns für ein 48-Stunden-Ticket der Gray Line und alle angebotenen Loops.

Nun ja. Unsere Begeisterung wird sich an beiden Tagen in Grenzen halten. Nicht wegen der Runden, die wir drehen. Um einen Überblick und  eine andere Perspektive auf die Stadt zu bekommen – es sieht drei Meter höher eben doch noch mal ganz anders aus – sind solche Bustouren in meinen Augen einfach perfekt.  Aber ich finde, diese Art der Stadtbesichtigung steht und fällt mit der Moderation. Und die war seeeeehr unterschiedlich. Da gibt es den unentdeckten Entertainer, der vor allem über sich und seine schlechten Witze lachte. Ein verkannter Theatermensch erscheint zu seiner Runde – der ersten des Tages – eine halbe Stunde zu spät und steht dann noch deutlich unter dem Alkohol (oder was auch immer *zwinker*) des letzten Abends. Ein Guide schreit so ins Mikro, dass der geneigte Touri den deutschsprachigen Audiotext nicht mehr verstehen kann. Einmal verlassen wir den Bus fluchtartig, weil wir den gnadenlos selbstverliebten Kerl nicht mehr ertragen. Die Infos aus dem Kopfhörerprogramm – vorausgesetzt die Buchsen funktionieren – sind eh nur sehr spärlich, lieblos und zudem schlecht übersetzt. Ich sag nur „japanesische Bäume“:lol: Die Frauenstimme spricht mit derart starkem Akzent, so dass ich sie mitunter überhaupt nicht verstehen kann. Außerdem mangelt es häufig an der Synchronisation zwischen Busstandort und Information. Empfehlenswert ist es nicht. Das habe ich in Madrid, San Francisco und andernorts schon viel, viel besser erlebt.

NYC_13NYC_14NYC_15NYC_16NYC_17NYC_18An der bayrischen Bratwurstbude

NYC_19habe ich Gelegenheit, eine Szene zu beobachten, die mich ganz breit grinsen lässt. Der eingefangenen Pose ging das Zeigen der Brillis an Ring, Gürtelschnalle und Uhr voraus. Der Krokodillederhosenträger hat offensichtlich sein bewunderndes Publikum gefunden. Vielleicht ein spinnertes New Yorker Original? So was wie Nante? Er sprach nämlich deutsch 😉

IMG_1869Für heute drehen wir zwei Runden: downtown und uptown. Sonnig, aber im Oberdeck eben leider auch saukalt. 61 °F – macht bei 16 Grad Celsius ziemlich kalte Finger an der Knipse.

NYC_20Auf dem Weg zur 26. Straße – wir wollen den High Line Park „erwandern“ – kommen wir an der Ninth Avenue am B & H Photo Store, dem größten Foto-Video-Audio-Fachgeschäft der Welt vorbei. Klar, da muss man mal einen Blick hinein werfen. Nur gucken, nicht anfassen kaufen 😉 Am Eingang fängt uns ein Security-Männeken ab und fordert mich unmissverständlich und sehr nachdrücklich auf, meinen Rucksack an einer Art Gepäckaufbewahrung abzugeben. Ich bin kurz verwirrt. Stutze und frage mich spontan, ob ich wie eine Strauchdiebin aussehe 😉  Diesen Moment nutzt er im Gegenzug offenbar, um die meinige Canon(e)  zu „checken“, die an mir hängt.  Das scheint seinen Eindruck zu relativieren, denn er entschuldigt sich sogleich und winkt uns herein. Ich muss mich von meiner gut getarnten Fototasche und meiner Knipse nun nicht mehr trennen. Innen ist es dann einfach nur voll. Aber augenscheinlich ist alles da, was das Herz vom Stümper bis zum Professionellen erfreut.  Schade, dass ich gerade nichts brauche.

High Line Park – Wären wir nie drauf gekommen, wenn nicht das geliebte alte Tantchen in LE von einer Freundin dereinst eine Ansichtskarte mit uns lockenden Motiven erhalten hätte.  Ergo wollten wir natürlich auch mal stillgelegte Gleise  gucken…  Der Park entstand auf einer stillgelegten Hochbahntrasse und lädt seit 2009 auf rund 2,5 km zum Bummeln ein. Wir bestaunen den Architekturmix rechts und links, die großen und kleinen Kunstwerke am Wegesrand. Eine Vielzahl von Sitzmöglichkeiten laden zum Verweilen ein. Und so manch einer nutzt die Kulisse für schicke Fotos: Models posen, Hochzeitsbilder entstehen.  (Auch hier gilt: Der Park alleine hätte einen eigenen Blogbeitrag verdient.)

Highline_1Highline_2Highline_3Highline_3aHighline_4Highline_5Highline_6Ein schnelles Bierchen zwischendurch, weil der Ausschank quasi auf der Strecke liegt. Ich wähle Local „Brooklyn Brown Ale“. Leider aus Plastikbechern. Aber lecker.  Mädchenbier. Leicht süß, dunkel und süffig. Nebenbei lerne ich, dass 16 flüssige Unzen (oz) = 473 ml sind. Überhaupt freue ich mich über eine App, die mir die Umrechnungen leicht macht. Ich habe es eben nicht so mit Fahrenheit, feet, inch und pound. Insbesondere bei Letzterem werde ich in Washington entsetzt von der in lb messenden Waage im Bad unseres Hotelzimmers springen, bis ich begreife, dass ein Pfund hier nur 453 Gramm sind. 😉

draftbeerAm Hudson River zurück um Hotel. Pünktlich zum Sundowner.

NYC_10Allerorten einfallsreiche Architektur.  Warum nur klappt das in Berlin nur in Ausnahmefällen?

NYC_11Zum Ausklang des Tages werfen wir noch ein Blick auf das nächtliche Empire State Building…

NYC_12Fortsetzung folgt…

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23 Antworten zu New York II

  1. ute42 schreibt:

    Wieder eine herrliche Stadtrundfahrt, dankeschön. Den Park gabs zu meiner Zeit leider noch nicht. Wäre ein Grund, nochmals nach NY zu fliegen. Schade, dass ihr so „unterschiedliche“ Busbegleiter hattet. Musstet ihr auch die Köpfe einziehen, wenn eine Ampel in den Weg kam 🙂 Das hat mich damals fansziniert, wäre bei uns ein Ding der Unmöglichkeit. Die Waagen hätte ich an deiner Stelle links liegen lassen, eine bessere Ausrede als die fremden Gewichtsangaben gibts ja gar nicht. Wenn das mit deinen Berichten so weiter geht, dann lege ich mir eine Liste an von Dingen, die es damals noch nicht gab bzw. die ich nicht besucht habe. Ich fange gleich morgen mal an zu sparen.

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  2. Franka schreibt:

    Wieder sehr interessante Eindrücke aus einer ganz fremden Welt.

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  3. quizzymuc schreibt:

    Toll, toll, toll! Durch deinen Reisebericht bekomme ich eine Riesensehnsucht, mal wieder nach NY zu fliegen, leider klappt’s dieses Jahr zum Xmas-Shopping nicht mehr, aber irgendwann schaff ich das auch noch!
    Liebe Grüße
    Renate

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  4. Anna-Lena schreibt:

    Das tonarische Auge war wieder äußerst erfolgreich unterwegs. Diese Wolkenkratzer wären nichts (mehr) für mich. Ich habe lange in der Gropiusstadt gewohnt, in einem Haus mit 24 Stockwerken. Wenn ich da heute noch ans Fensterputzen im 7. Stock denke, wird mir flau. Damals hat mir das nichts ausgemacht, aber heute… 😯 .
    Danke für die interessanten Eindrücke.

    LG Anna-Lena

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  5. regenbogenlichter schreibt:

    Supertolle Einfdrücke und liebenswerte Details hast du eingefangen, danke fürs Mitnehmen…
    Liebe Grüße
    Ute

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  6. tikerscherk schreibt:

    Sehr schön! Schade, dass hier in Berlin so fantasielos gebaut wird.
    Der Gleisdreieckpark immerhin erinnert mich an den High Line Parc.
    Ach, New York!

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  7. Inch schreibt:

    Oho Oh, sehr schön. Und interessant und schön, die Stadt, in der ich nur 2,5 Monate vor Dir war, oder warens 3?, aus Deinem Blickwinkel zu sehen

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    • tonari schreibt:

      Findest Du, meine Augen sehen (ganz) andere Dinge als Deine?
      Immerhin, Du hast diesen wunderbar spritzenden Hydranten entdeckt. Das ist mir leider nicht gelungen.

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      • Inch schreibt:

        Jeder hat einen anderen Blickwinkel, das ist ja das schöne am Reiseerzählungen lauschen. Und in einer Stadt wie NYC findet jeder etwas anderes. Den Park z.B., den kannte ich gar nicht. Dagegen wirkte der Bryant ganz unterschiedlich auf uns.

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  8. Clara Himmelhoch schreibt:

    „Letzterem werde ich in Washington entsetzt von der in lb messenden Waage im Bad unseres Hotelzimmers springen, bis ich begreife, dass ein Pfund hier nur 453 Gramm sind. “ – köstlich, was habe ich gerade gelacht.
    Ich weiß gar nicht, was ich hier zuerst erwähnen soll. Die Malerei auf dem Haus finde ich schön, über die an jedem Haus angebrachten Außenfeuertreppen bin ich erstaunt. – Zugewachsene Gleise kannst du hier am Bahnhof der S2/S25 Priesterweg auch finden – aber vielleicht nicht so schön.
    Danke für deinen so schönen Bericht.

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  9. minibares schreibt:

    Das Haus auf dem 4. Foto gefällt mir, mit den Vorwölbungen, die bringen ja richtig Leben in die riesige Fassade.
    Tauben haben es vermutlich nicht einfach in solch einer riesigen Stadt.
    Deutsche Bratwurst, klasse, lach.
    Der Park ist ja schön, und der Fotoladen war vermutlich ein Paradies für dich.
    Solche schiefen Bauten gibt es ja im Medienhafen von Düsseldorf mehr als genug.
    danke für den tollen Bericht.

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  10. Frau Doktor schreibt:

    So bunt, so wild und chaotisch und so ein klasse Bericht, Danke, ich bin gespannt auf mehr 🙂

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  11. Amorak schreibt:

    30 stockwerke nach unten … hör mir auf du … bäääää 😛

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  12. Treibgut schreibt:

    Diese Außenfeuertreppen hätte ich wohl andauernd photographiert, wenn es sie noch woanders dort zu sehen gibt (das nehme ich an).

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  13. Bellana schreibt:

    Nun konnte ich endlich in Ruhe Deinen Bericht lesen. Und freue mich schon auf den nächsten Teil…..
    Grüßle Bellana

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  14. Silberdistel schreibt:

    Das Bild mit den aufgereihten Tauben finde ich einfach herrlich 😀 Ansonsten – interessanter Bericht.
    Grüße von der Silberdistel

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  15. kallehd schreibt:

    Da kann ich nur „Zugabe“ rufen!!!Den Park habe ich mal im TV gesehen. Ist das hohe Gebäude, das neue World Trade Center? Und das Gebäude mit den Wölbungen finde ich auch klasse, von den bemalten Häusern ganz zu Schweigen 😉

    Liebe Grüsse Kalle

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  16. vivilacht schreibt:

    Ich habe deinen Bericht bis jetzt aufgespart, damit ich ihn in Ruhe lesen und geniessen kann. den Park kenne ich nicht, und das tut mir leid, den haette ich auch gerne angesehen. Beim B & H Photo Store waren wir natuerlich auch. Ich wurde aber nicht wegen meiner Tasche angesprochen. Wir wollten damals nur etwas kleines und uns persoehnlich umsehen, den bestellt hatten wir dort schon einigemale, manchmal hat es dann ein Freund persoehnlich mitgebracht und manchmal wurde es geschickt. Dort kommt man mit Englisch und auch mit Hebraeisch sehr gut zurecht. Aber das nur mal so nebenbei.
    Eine Stadtrundfahrt haben wir dort nicht gemacht, ich Weiss nicht warum. Alle anderen Orte habe ich immer eine gemacht, manchmal allein, meist mit meinem Mann (allein, wenn er am Kongress ist und ich Zeit habe allein). Da sieht man oft einiges, das man anders nciht zu sehen bekommt. In Frankfurt habe ich es mir einige Male ueberlegt, aber die meisten Plaetze, die er anfaehrt, die schau ich auch so an. Ich habe ja die Zeit dazu, das ist etwas ganz anderes.
    Dein Bericht ist wunderbar geschrieben, was ich auch nciht anders erwartet hatte. Ich geniesse ihn, und lese ihn immer wieder und erfreue mich an deinen Bildern.
    Alles Liebe und gute und ich freue mich schon, dass ich dich bald treffe.

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  17. kitschvictim schreibt:

    So, so schön. Vielen Dank.

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  18. Chinomso schreibt:

    Es reisst mich hin und her. Ich lese und erkenne wieder und denke an NYC zurück und schwanke….soll ich nochmal oder nicht??….. Damals fand ich das nicht enden wollende Getöse so nervig. Die Stadt die niemals schläft hat mich auch kaum schlafen lassen. Und das ist anstrengend. Aber ich bin mit der Stadt noch nicht fertig. Das spüre ich immer deutlicher.

    Im B&H Shop waren Benni und ich auch. Wir wurden sehr freundlich empfangen, nach unserer Herkunft gefragt und bekamen einen deutsch sprechenden Verkäufer zur Seite gestellt, wurden sehr gut beraten und kauften dann eine Kleinigkeit. Einen Akku für Bennis Sony Camera, der sich später als nicht passend heraus stellte (was unsere Schuld war). Und wir waren nochmal da und konnten ohne Probleme tauschen. Service 1A. Bemerkenswert.

    Na ja. Vielleicht nach 10 Jahren ein NYC Besuch Nr. 2? Ich muss mal in mich gehen.
    Und ich freue mich auf deine Fortsetzungen. Sie sind wirklich sehr unterhaltsam und die Fotos gefallen mir ausgesprochen gut. **beide Daumen hoch**

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  19. Nostalgia schreibt:

    Viele Wochen hatte ich irgendwie keine Zeit auf Blogtour zu gehen – aber ich hatte Deine Reiseberichte immer im Hinterkopf und freu mich heute ein bisschen nachlesen zu können. Hab letztens sogar Freunden von Deiner doch eher aussergewöhnlichen Erzähl- und Zeigweise erzählt. Ja doch – wirklich eher nicht alltäglich wie Du beschreibst, das gefällt mir gut.
    16oz – das ist ja nicht mal ein halber Liter – von verdurschteten Bayern hast du vor Ort nix vernommen? 😉
    Vielen Dank für die Mühe und Zeit die Du da reinsteckst, sehr interessant und lehrreich!
    Lieben Gruß
    Kerstin

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    • Frau Tonari schreibt:

      Du machst mich gerade ganz verlegen. Ich finde die Schreibe anderer immer viel, viel besser als die meinige. Aber ich freue mich natürlich, wenn du gerne mitliest.
      Nun ja, 16 Oz sind im maßvergleich natürlich nicht mal die halbe Miete. Die gute Nachricht: Für eine Handvoll Dollar gibt es jederzeit Nachschub. Insofern sind eingetrocknete bayrische Pflanzen nicht gesichtet worden 😉

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