Herz im Mittelpunkt

Montagsherzen dürfen, so nehme ich an, auch mal richtig dreidimensional gezeigt werden. Dieses hier ist mehr als mannshoch und sogar begehbar.

Herz_1Aortenbogen, rechte und linke Lungenarterie (blau), obere Hohlvene,

Herz_2Trikuspidal- und Pulmonalklappe – was es in und an einem Hohlmuskel nicht so alles gibt. Oder aber aufgrund krankhafter Veränderungen hilfsweise geben muss. Schade, den Stent vergaß ich zu knipsen. Ein Bypass ist auf dem ersten Foto rechts oben zu erspähen.

Herz_3Das Töchterlein und ich waren am Sonnabend zur „Langen Nacht der Wissenschaften“ im Helios Klinikum in Berlin-Buch unterwegs. Fast fünf Stunden streiften wir durch das Gebäude, nahmen an Führungen teil, kamen ins Gespräch, lernten dies und das. Ich vermutlich mehr als sie. Angehende Medizintechnikerinnen haben ja so eine gewisse Vorbildung 😉

Was ich aber eigentlich schreiben will: Hier wurde mit ganz viel Liebe und großem Engagement unglaublich viel auf die Beine gestellt. Herzlichen Dank an die fleißigen Macherinnen und Macher dieses neugierbefriedigenden Tages der offenen Tür.

Wir begannen unser persönliches „Gesundheitsprogramm“ mit Magenspiegelung und Kapselendoskopie. Nee, natürlich wurde das nicht an uns demonstriert, sondern an bereitwilligen Dummys.  Und weil Mitmachexperimente immer gut ankommen, darf die geneigte Führungsteilnehmerin auch mal selbst Hand anlegen. Und findet … ein Gummibärchen im Magen des  Gummipatienten. Zuvor haben wir einige historische Instrumente der Magenspiegelung sehen können. Boah, nur Schwertschluckern dürfte das damals so gefallen haben. Beeindruckend auch, wie mit Hilfe der Videokapselendoskopie in (Dünndarm-) Bereiche geguckt werden kann, die nie zuvor ein Mensch je gesehen hat 😉

Operieren ohne Skalpell? Geht. In der Neuroradiologie beeindruckte uns der Oberarzt mit seiner ausführlichen Beschreibung mikrokathetergestützter Operationen bei Aneurysmata.  Ich lerne Coils (winzige Spiralen aus Platin) kennen. Ich schmunzle über Y-Stücke im Gehirn, die ich aus der Strömungstechnik als Hosenstücke kenne. Und ich erfahre Dinge über Hirnblutungen und ihre Folgen, die mich schaudern lassen. Aber ich fasse zugleich Vertrauen, weil hier kluge Köpfe und gute Handwerker ihres Fachs unterwegs sind.  Mindestens die vertauensbildende Maßnahme hat bei mir gut geklappt.

Zwischen den einzelnen Führungen nutzten das Töchterklein und ich die Gelegenheit in den Gängen des Hauses etwas über Dialyse und künstliche Gelenke zu erfahren. Wir beobachten, wie fleißig Reanimation und Rollstuhlfahren geübt wird. Cool, dass Kids ihre Lieblinge zum Kuscheltierröntgen mitbringen durften. Überhaupt, es war auch für die Kleinen und Kleinsten eine Menge vorbereitet, um ihnen die Scheu vor einem Krankenhaus zu nehmen. Und plötzlich wollten alle einen Gipsarm 😉 Hihi, wie viele Lehrer wohl am Montag darauf hereingefallen sind, hereinfallen mussten.

Zu guter Letzt konnten wir einen Blick in die Operationssäle werfen. Hier  wurde hochfrequent koaguliert, da wurden andächtig Hühnerbrüste genäht, Kniegelenke arthroskopiert, Anästhesieverfahren erklärt, während in der „Knochenwerkstatt“  jemand gerade schweißtreibend unter fachmännischer Anleitung alles für ein künstliches Kniegelenk zurecht bohrte. Das Töchterlein und ich versuchten uns in Teamwork bei einem minimalinvasiven Eingriff. Eine leuchtet aus, eine agiert mit OP-Besteck und guckt auf dem Monitor, was sie da so erwischt.  In unserem Fall galt es Gummitierchen von A nach B zu transportieren. Quasi unter der Bauchdecke. Spannend.

Es hat noch so vieles gegeben, was uns interessierte. Vakuumbiopsie, Krankenhauskeime, Patientenverfügung, MRT, künstliche Lungen und Endoprothetik. Die Zeit war letztlich nicht ausreichend und wir zu schnell müde. Ein Wiederkommen im kommenden Jahr ist daher nicht ausgeschlossen…

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21 Antworten zu Herz im Mittelpunkt

  1. AndiBerlin schreibt:

    Das mit dem begehbaren Herzen erinnert mich jetzt ein wenig an den Film wo die mit einem Mini- Uboot durch den Körper schwimmen. 🙂
    Angehende Medizintechnikerin ist die werte Frau Tochter? So jemand macht auch gerade ein Praktikum bei mir in der Firma.

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  2. theomix schreibt:

    Ach, aus Berlin kommt das Herz? 😉 Interessant. Auch das Übrige.

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  3. Elsoron schreibt:

    Das nenne ich mal Herzens-Bildung im wahrsten Sinne des Wortes. 😉

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  4. Clara Himmelhoch schreibt:

    Das ist ein vollkommen UN-langweiliger Bericht über TAg der Wissenschaft, Medizin und all dem Drumherum. – Irgendwo war mal ein Herzmodell ausgestellt (ich glaube in London zur Jahrtausendwende), das noch sehr viel größer war.
    Ich bewundere ja Chirurgen schon immer, doch Herz- und Hirnchirurgen sind wohl die Könige unter ihnen. – Wenn ich den heutigen Stand der Medizin mit dem vergleiche, was es noch so in meiner Ausbildung gab, dann sind die Fortschritte wirklich riesig.
    Man sieht sich oder wie man das so als lässigen Berliner Gruß schreibt.

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  5. minibares schreibt:

    Boah, mal ein begehbares Herz, das ist ja genial.
    Was ihr da alles sehen konntet, das ist ja super.
    ich bin echt beeindruckt.
    Herzliche Montagsgrüße ♥
    Bärbel

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  6. Kalle schreibt:

    Donnerwetter, das Herz des Monats, groß, begehbar und blutig rot…:) Spannend und lehrreich, da wäre ich gern dabei gewesen! herzliche Grüsse Kalle

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  7. M. schreibt:

    Ich finde das voll genial und wenn ich die Möglichkeit hätte, dann wäre ich mit Sicherheit auch am Probeschnippeln und auf Gummibärchensuche gewesen. Klasse!

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  8. Franka schreibt:

    Toll, das so was gemacht bzw. gezeigt wird und dann auch noch so interaktiv. Mir scheint, ihr habt viel gesehen und gelernt … alleine schon die ganzen Fachausdrücke. Was ich sehr interessant finde, weil wichtig für jedermann: Krankenhauskeime und Patientenverfügung.
    Aber wenn es diese Veranstaltung noch mal gibt …

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  9. kormoranflug schreibt:

    Durch die Vergrösserung der Organe erkennt jeder schnell: wir sind Monster!

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  10. vivilacht schreibt:

    ganz einfach toll, alle anderen haben ja schon genug geschrieben, da mach ich es kurz

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  11. Anette schreibt:

    Pflichtbewusst wie ich nun mal (meist) bin möchte ich natürlich einen Kommentar hinterlassen 😉 …
    Ich bin beruhigt – ich befürchtete einen blutigen Beitrag 😉
    Gelesen habe ich alles schon in den letzten Tagen, nur mit dem Zugang klappte es nicht so wie ich wollte. Entweder wollte ich nicht oder das Internet verhielt sich bockig 😉 ..
    Lebendige Anatomie – so mag ich das. Ich bin immer wieder verwundert, wie wenig „Laien“ über die Funktionsweise ihres Körpers Bescheid wissen …
    Danke für diesen wirklich zu Herzen gehenden Beitrag. 😉
    Und nun geh ich guugeln oder die Pulmonalklappe zu meiner Ausbildungszeit Mitralklappe hieß …
    Liebe Grüße! Anette
    Und wenn mein Kommentar diesmal nicht erscheint – dann … Dann!!! 😉

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    • tonari schreibt:

      Ja, ja, die Klappen. Pulmonal- und Mitraldingens sind nicht dieselben. Haste also wieder was aufgefrischt.,
      Ich hab beim Knipsen sooooo an Dich gedacht. Vermutlich hattest Du einen fulminanten Schluckauf. 😉
      Tja, was die Körperkenntnis betrifft: vermutlich beschäftigt man sich erst damit, wenn Funktionen versagen oder es schmerzt. Beides ist grad bei mir nicht der Fall, aber ich hab dennoch Neues gelernt und andere Zusammenhänge dazu gelernt. Horizonterweiterung.
      Das Töchterlein fand etliches bestätigt, was die Profs lehren und freute sich sichtlich, wenn „ihre“ Firma gelobt wurde und präsent war. Firmenstolz wie er sein sollte.

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