zwischen Mangel und Flair – Teil 14

Zur Erinnerung. Wir beginnen den Tag 7 unserer Kuba-Rundreise (und schreiben den 27. November 2012). Also nicht kompatibel mit der Nummerierung,  die der Titel vermuten lässt. Frau Tonari kann sich nur eben nicht kurz fassen.

Trinidad ist eigentlich ein einziges Freilichtmuseum, steht seit Ende der Fünfziger Jahre unter Denkmalschutz und gehört – zur Recht, wie ich finde – seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Allerdings findet es sich erstaunlicherweise nicht auf der Liste der gefährdeten Orte. Das Städtchen ist so wunderschön und gleichzeitig so kaputt. Die Einwohner bemühen sich, das kolloniale Ausssehen und die Häuser am Leben zu erhalten. Schwierig, wenn Baustoffe knapp und zudem teuer sind. So gelingt die liebevolle Restauration hier und da, aber nicht überall.  Ob hier Fördermittel fließen, konnte ich nicht herausfinden. Verdient hätte es diese einzigartige Architektur allemal.

Ich hoffe wirklich aus tiefstem Herzen, dass dieser zauberhaft Ort seinen Charme und Flair be- und erhalten kann, wenn sich Kuba dereinst öffnen wird. Zu schnell kann man da mittels vieler Dollar auch ein Disneyland-Resort draus machen.

Trinidad_1Unsere Reisefee führte uns schnurstracks durch die noch leeren Gassen

Trinidad_2über Straßen und Wege aus abgeschliffenen Flusskieseln

Trinidad_3auf den wohl schönsten Platz der Stadt, die Plaza Major. Rechts sehen wir aber zunächst die Iglesia Parroquial de la Santisima Trinidad aus dem Jahr 1892.

Trinidad_4Königspalmen, weiße Zäune, schmiedeeiserne Bänke, gusseiserne Laternen und verzierte Vasen prägen neben viel Grün die Plaza Major, das Herz der Stadt.

Trinidad_5Trinidad_5aDann standen wir auch schon vor dem Museo Romántico.

Trinidad_6 Dieser Name ließ mich allerdings spontan an ein, wie auch immer geartetes, romantisches Museum denken. Innerlich schüttelte ich mich bereits vor all dem knallbunten Kitsch, den wir dort vermutlich ertragen ansehen müssen. Doch weit gefehlt. Im ehemaligen Palacio Brunet kann man aus ganz Kuba zusammengetragene Möbel und Einrichtungsgegenstände sehen. Natürlich nicht die der armen Bevölkerung, sondern den Prunk der Plantagenbesitzer und Zuckerbarone. Wollt Ihr gucken? Na, dann mir nach.

Das Erdgeschoss stammt aus dem Jahre 1740, die obere Etage wurde 1808 hinzugefügt. Das Herrenhaus  ist seit 1974 ein Museum.

Museo_Romantico_1Interessant sind hier die Bogenfenster aus Holz mit strahlenförmig angeordneten Latten. Das ist typisch für Trinidad. Später, in Havanna, werden wir sie aus Glas sehen.

Museo_Romantico_2Museo_Romantico_4Ein Blick aus dem Fenster zeigt den Glockenturm des ehemaligen Klosters San Francisco de Asis.

Trinidad_7Museo_Romantico_3Trinidad_8Die Sprößlinge der Zuckerbarone wurden oft zur Ausbildung nachEuropa geschickt. Von dort brachten sie dann etliche Einrichtungsgegenstände mit. So auch diesen Sektretär mit Einlegearbeiten aus echtem Meißner Porzellan.

Museo_Romantico_5Gebadet wurde damals schon, wenn auch die Befüllung der Wanne reichlich mühevoll war.  Nix mit Wasser aus Wand 😉

Museo_Romantico_6Und wenn Frau Tonari auf Reisen ist, dann vergisst sie nie, ein Foto für die Reihe „Toiletten der Welt“ zu machen 😉 Hier also der kolloniale „Thron“ der Reichen und Schönen im 19. Jahrhundert.  (Und wenn ich jetzt genau gucke, dann finde ich in der Lehne sogar „I see faces“ mit Knollennase und Schnurrbart.)

Museo_Romantico_7Die Küche scheint relativ unbenutzt

Museo_Romantico_8und das Speisezimmer diente wohl eher dem Repräsentieren. So, nun aber genug prachtvolles Mobilar zwischen Marmorfußböden und Zedernholzdecken geguckt.

Museo_Romantico_9Noch ein letzter Blick in den Innenhof

Museo_Romantico_10und dann zurück in die Stadt…

Museo_Romantico_11

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Und falls jemand mehr über Kuba wissen will oder in einem Forum Fragen stellen und Antworten bekommen möchte, der ist hier goldrichtig.

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10 Antworten zu zwischen Mangel und Flair – Teil 14

  1. Franka schreibt:

    Sehr interessanter Bericht. Man kann ganz Kuba nur wünschen, dass sie gute Denkmalschützer haben, ihre koloniale Vergangenheit bewahren und nicht verleugnen, aber dass sie bei der Restaurierung behutsam vorgehen.

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  2. regenbogenlichter schreibt:

    Was für ein toller Bericht. Die Gassen und die schönen Impressionen aus dem Museum. Ich wünsche den Einwohnern, dass sie alles erhalten können und kein Disney daraus wird!
    LG
    Ute

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  3. ute42 schreibt:

    Auf dem ersten Bild sieht man, dass noch einiges restauriert werden muss. Sehr schön der Platz mit den weißen schmiedeeisernen Bänken. Das Museum ist wirklich interessant. Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich hat sich wohl bis in die Neuzeit erhalten. Der Porzellan-Sekretär ist phantastisch. Ich möchte nicht wissen, wie viel der wert ist.
    Hoffen wir, dass genug Geld fließt, um weiter zu restaurieren bzw. dass das „fließende Geld“ in die richtigen Kanäle wandert.

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  4. minibares schreibt:

    Ich bin begeistert von deinem Bericht.
    Die Kubaner haben es nicht leicht, und doch ist noch so viel sehenswertes zu entdecken.
    Immerhin war ich schon in Assisi beim Franz… Das war für mich ein sehr tiefes Erlebnis.

    Diese halbrunden Fenster mit den Lamellen sind ja großartig.
    Die farbenfrohen Straßenzüge gefallen mir.
    Sogar Meißner Porzellan konntest du dort finden. Wie klein die Welt doch manchmal ist….
    Grins das Gesicht ist Klasse.
    Liebe Grüße
    Bärbel

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  5. Inch schreibt:

    Wunderwunderschön. Aber Du hast Recht. Das schreit nach Disneyland. Hoffen wir, dass der Schrei nicht erhört wird

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  6. Babbeldieübermama schreibt:

    Ein interessanter Beitrag mit wunderschönen Fotos. Die von dir eingefangenen Einzelheiten wecken mein Interesse auf noch mehr Bilder.

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  7. kalle schreibt:

    Hi Tonari,

    ich bin überrascht, so viele Zäune und Gitter vor den Fenstern zu sehen. Aber in Anbetracht dieser Pracht in dem Museum, muss man der Armut Einhalt gebieten. Dir bunten Häuser gefallen mir sehr gut, auch dass die Gitter in freundlichem Weiss gestrichen sind, selbst wenn es manchmal nicht unbedingt rollstuhltauglich ist. Aber damals dachte man solche Personen nicht, und so sind die Bürgersteige schmal, und die Strasse holprig…

    Es ist fazinierend, was du alles gesehen hast. Im obigen Bericht ist mir die dauernde Beschallung aufgefallen. In anderen ländern ist das oft der Fall, wenn auch nicht immer als Livemusik wie bei dir. Mein Mann berichtet des öfteren von seinen Schachturnieren, wo z.B. wie im Osten ständig Boney M. im Restaurant lief, oder in Indien Indie-Pop nach Bollywood-Style,

    liebe Grüsse Kalle

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    • tonari schreibt:

      Nein, behindertengerecht ist Kuba nun wahrlich nicht. Ich kann mich auch nur an einen einzigen Rollstuhlfahrer erinnern.
      Das mit den Gittern vor den Fenstern und Türen ist ziemlich praktisch. Du kannst nämlich querlüften und musst nicht zu Hause sein 😉

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