zwischen Mangel und Flair – Teil 4

Am nächsten Tag verließen wir unser erstes Hotel in Holguin ohne besondere Reue 😉 Das heißt, wir w(s)ollten gegen 8.30 Uhr abfahren. Leider hatte sich am Vortag herausgestellt, dass die Audioanlage des Busses zickte nicht optimal funktionierte. Da wir direkt hinter dem Busfahrer saßen, bekamen wir es nicht so mit, aber die Mitreisenden in den hinteren Reihe hatten sich beklagt, dass sie die Reiseleiterin akustisch schlecht verstehen würden. Und so wollte der Veranstalter für schnelle Abhilfe sorgen. Das wiederum verschaffte mir unverhofft Gelegenheit, noch ein bisschen um das Hotel zu schleichen und zu knipsen. Oldtimer, eine künstlerische Hausfassade und eine Variation an Transportvarianten.

Holguin_CarHolguin_Car_Fassade_HolguinHolguinMit einer Stunde Verzögerung ging es dann los. Mit einem anderen Bus und einem neuen Fahrer namens Francis. Wir hatten unwahrscheinliches Glück, im Bus direkt hinter ihm sitzen zu können und noch mehr damit, dass uns diesen Platz während der Rundreise niemand mehr streitig machen wollte. Insofern kann ich Euch den ein oder anderen Schnappschuss aus der Frontscheibe zeigen. Fotografisch nicht wertvoll, aber dafür ohne Filter mitten in kubanische Straßenszenen geknipst.

Holguin_1Zunächst besuchten wir in Holguin eine Zigarrenfabrik, in der wir aber alle leider, leider nicht fotografieren durften. Für das Knipsverbot gab es keine vernünftige nachvollziehbare Begründung. Und ich habe mich wirklich nicht getraut, dagegen zu verstoßen.  Auch nicht heimlich aus der Hüfte. Ich werde also versuchen, Euch die gesehene Situation bestmöglich zu beschreiben:

Wir betraten eine große, relativ dunkle und ein wenig zugige Werkhalle, in der sich mehrere Reihen von mit Neonlampen bestückten Werkbänken befanden, geteilt durch einen Gang in der Mitte. Hier durften wir live miterleben, wie die berühmten Stumpen zur Welt kommen. Die Arbeiterinnen und Arbeiter auf der rechten Seite drehen Zigarren im Akkord. Hier gibt es eine schmale Fensterreihe mit Scheiben, denen ein Putzlappen gut tun und deutlich mehr Durchblick verschaffen würde. Die Kollegen auf der linken Seite sind überwiegend Lehrlinge, die nach einer Ausbildungszeit von 9 Monaten ihre Handwerkskunst beherrschen sollen. Links neben ihnen befinden sich die Räume für die Sortierung, die Qualitätskontrolle, das Anbringen der Bauchbinde und die Verpackung, einzeln in Aluminuimhüllen oder kollektiv 😉 in Zedernholzkisten. An der Rückseite der Werkhalle hängt die vermutlich obligatorische Wandzeitung mit Zeitungsauschnitten und (Produktions-?) Listen. An der Frontseite befindet sich eine Art Empore. Dort sitzt, so erfuhren wird,  mitunter ein Vorleser, der aus die Tageszeitung oder auch Büchern referiert. Im Moment unseres Besuches (leider) nicht. Dafür quäkte ein Lautsprecher kubanische Musik auf die Ohren. Über allem lag ein säuerlicher Geruch von getrocknetem Tabak.

Die Torcedores (Zigarrenroller) müssen 120 Stück am Tag produzieren. Bei einer Leistung von 150 bis 200 Stück am Tag bekommen sie ein wenig mehr Lohn und zusätzlich einen Anreiz in Form von konvertiblen Pesos, also den begehrten CUC.

Je nach Zusammensetzung der Tabakblätter bzw. deren Qualität, gleichmäßiger Handrollung und Deckblattmaserung wird mitunter eine der berühmten Cohiba draus. Ich muss zugeben, ich wusste nicht im Ansatz, wie viel Geld man(n) für so diesen Exportschlager ausgeben kann.

CohibaNach dem beeindruckenden Fabrikbesuch – definitiv kein Job für mich –  liefen wir ein Stückchen durch Holguin. Erste fußläufige Eindrücke verschaffen und unbedingt auch, um Euro in peso cubano convertible (CUC)  zu wechseln.

Im Stadtbild Holguins nahe des Platzes Calixto García dann wieder der gewohnte Mix aus alten und neueren Autos, Bussen und Motorrädern. Im Vordergrund eine MZ nebst Beiwagen, dahinter eine Jawa.

Holguin_2Holguin_4Kunst am Bau auf kubanisch: die Außenwand des Centro de Arte (Kunstmuseum),

Holguin_3in dessen Innerem gerade eine neue Kunstaustellung mit Plakaten vorbereitet wurde.

Holguin_3aund endlich kam mir vor die Linse, worauf ich die ganze Zeit schon heimlich gewartet hatte: Fidel grüßt vom Plakat „Batallando Siempre!“

Holguin_5Dann hieß es wieder in den Bus steigen, da die Fahrt uns heute bis nach Bayamo bringen sollte. Dazu musste eine Provinzgrenze überwunden werden. Ganz großes Kino, sag ich Euch… Und Frau Tonari hart am Rande der Hysterie 😉

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12 Antworten zu zwischen Mangel und Flair – Teil 4

  1. minibares schreibt:

    Wieder sehr besondere Fotos!
    Meine Oma hat damals im Eichsfeld Zigarren gedreht, in einer Fabrik. An ihre Erzählungen kann ich mich gut erinnern. Diese Zigarrenblätter, so dünn, so fein, und ganz schön groß.
    Die Straßenverhältnisse sind echt noch arg speziell.
    Prima, dass ihr vorn sitzen konntet, das bringt echt Fotos, von denen die hinten nur träumen…

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  2. Himmelhoch schreibt:

    Was muss man denn für so eine gute Zigarre hinblättern?

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  3. regenbogenlichter schreibt:

    Danke für den hochinteressanten Bericht und die tollen Fotos… die alten Ami-Schlitten, MZ, und die Fotos von der Straße… genial…hast du dir nun eine „Havanna“ mitgebracht? Zum rauchen wahrscheinlich zu teuer, aber als Andenken… 😉
    Es war mir ein Vergnügen!
    LG
    Ute

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  4. Anna-Lena schreibt:

    Was für eine tolle Sammlung von Fortbewegungsmitteln, da ist ja alles bei :mrgreen:

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  5. Frische Brise schreibt:

    Danke für Deinen Bericht und die Fotos!
    Ich lese fleißig mit.

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  6. kormoranflug schreibt:

    Das Foto vom „Minibus“ Pferdewagen mit dünnen Rädern gefällt mir besonders.

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  7. Inch schreibt:

    Die Fotos sind absolut geil!!!

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  8. juzicka schreibt:

    so …. ich wäre eher gekommen wenn ich nicht besuch gehabt hätte die tage.. steht auf meinem blog .. he he

    du weisst ja kuba ist meine trauminsel .. grad auch wegen den Oldtimer`s. Mein bruder hat damals – als er dort war – auch welche fotografiert und die hängen bei ihm zuhause an den wänden als poster .. in natura bestimmt dreifach so faszinierend:)

    super in verkehr getippselt, ich dachte zuerst ihr hockt in dem blauen wagen mit ferd davor! Die kubanischen Zigarren sind berühmt und ich habe mal in ner doku das drehen dieser gesehen .. war schon faszinierend. Hast denn zur feier des tages auch eine geraucht ? 😛

    das musum , die wände die posters.. spannend und schön. Konnte man auch so was kaufen und heim nehmen?

    warum war frau tonari am rande einer hysterie?

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