zwischen Mangel und Flair – Teil 1

Die Spannung stieg mit zunehmender Flugdauer. Was wird uns auf Kuba erwarten? Stimmen all die Dinge, die wir vorher im Internet in persönlichen Reiseberichten gelesen hatten? Oder sind es nur frustrierte Übertreibungen, wenn von leeren Buffets und hungrigem Magen, Duschen mit ausschließlich kaltem Wasser und anderen misslichen Zuständen die Rede war? Nun, wir würden uns ein eigenens Bild machen können. Und der Liebste ja eine Notreserve in Form von ein paar Tütensuppen plus Reisetauchsieder in den Koffer getan 😉

Nach elfstündigem Flug landeten wir um kurz nach 15 Uhr Ortszeit. Kaltstart morgens in Frankfurt,  sonnenwarme 27 Grad in Holguin. Glücklicherweise war die Einreisehalle klimatisiert, denn schon bildete sich die erste Schlange vor den Passkontrollstellen. Gibt es eigentlich weltweit ein ungeschriebenes Gesetz, wonach die Passkontrolettis nicht freundlich sein oder gar lächeln dürfen? 😉  Egal. Die Touristenkarte hatten wir offenbar richtig ausgefüllt. Den geforderten Nachweis einer Auslandsreisekrankenversicherung wollte jedoch niemand sehen und einen Einreisestempel in den Pass gab es auch nicht 😦 Das Warten auf die Koffer dauerte danach schier ewig. Zwei getrennte Bänder erhöhten die Spannung, ob und wenn ja, wo denn welcher Koffer ankäme 😉   Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass hinter den einsehbaren Kulissen jeder Koffer liebevoll von Hand aus dem Flugzeug zum Baggage Claim getragen wurde. Okay, erste Erleichterung. Beide Koffer waren mit uns gereist. Dann das nächste Wartekollektiv. Vor dem Verlassen des Flughafengebäudes wurde jeder(!) Koffer genau überprüft, ob er auch zum Fluggast gehört.

Endlich – die ersten beiden Stunden auf Kuba waren vergangen und lehrten uns bereits Gelassenheit – saßen wir im modernen und vor allem klimatisierten Bus unseres Veranstalters „Berge & Meer“. Unsere Reiseleiterin für die Rundreise würde Gloria sein. Auf den ersten Blick sehr sympathisch. Das blieb dann auch mit dem zweiten Blick so.  Ich hatte im Vorfeld ein bisschen Sorge, dass wir so einen Typen der Marke „Funktionär und Agitator“ abbekommen würden. Toll auch, dass die kubanische Agentur für jedes Paar bzw. Einzelreisenden schon mal für 50 Euro den entsprechenden Gegenwert in konvertiblen Pesos, auch CUC genannt, bereit hielt. Das ersparte allen, sich noch einmal am Umtauschschalter anzustellen und brachte somit einen großen Zeitvorteil. Außerdem hatten wir damit alle das nötige Kleingeld, um über den ersten Abend im Hotel zu kommen.

Der Blick aus dem Fenster des Busses bescherte uns ziemlich schnell das Gefühl einer Zeitreise: Pferdekutschen, alte LKW aus DDR- und russischer Produktion, amerikanische Oldtimer aus den Fünfzigern, moderne Fahrzeuge, Fahrräder… Wie im Film.

Unser erstes Hotel „Pernik“ in Holguin liegt nicht weit vom Flughafen entfernt. In Reiseführern wird es als sowjetischer Baustil der siebziger Jahre beschrieben. Mich erinnerte es eindeutig an die bulgarischen Touriunterkünfte am Schwarzen Meer und da die Bars Varna und Pliska heißen und das Restaurant auf den Namen Sofia getauft wurde, fühlte ich mich bestätigt.

pernik_4

pernik_3Zum Abendessen war am Buffet alles vorhanden: Huhn- und Schweinefleisch, Reis mit schwarzen Bohnen, Süßkartoffel, Kürbis, Gurke, Obst… Nix mit Beginn einer Kuba-Diät 😉

Unser Zimmer war klein und unaufgeregt. Aber wir wollten hier ja auch nur schlafen.

pernik_1Allein der Blick gen Fenster ließ uns schmunzeln.

pernik_2Noch einen Mojito für mich und ein Bierchen für den besten Mitreisenden von allen als Absacker, dann endete der Tag der Anreise.

bucanero_mojito

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25 Antworten zu zwischen Mangel und Flair – Teil 1

  1. juzicka-jess schreibt:

    das ist ja cool das ding da am fenster.. was ist das .. tv oder radioantenne? :0)

    über die aktionen im flughafengebäude habe ich grinsen müssen … war doch voll action. Das hotel finde ich auch sehr hübsch und überhaupt bin ich unglaublich gespannt auf berichte und bilder. Kuba ist das traumziel all meiner träume ….

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  2. Himmelhoch schreibt:

    Du weißt doch: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – das haben die sich bei den Koffern auch gedacht. – Das mit dem Tauchsieder kommt mir seeeeeeeeeeehr bekannt vor – auch an Adapter gedacht?
    hihi, der Schnee auf deinem Blog ist jetzt bei Kuba wie ein kleiner Anachronismus 🙂
    Solche Heftpflaster kann unsere Hausverwaltung auch bald verteilen. In vielen Wohnungen gibt es Risse, seitdem die am Kraftwerk gründlich gebaut haben.
    Ich bin auch gespannt.

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    • tonari schreibt:

      Na klar, ich verlasse Deutschland niehiehie ohne den Travelstecker 😉
      Welcher Schnee? Bei mir fallen keine Flöckchen.

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      • Himmelhoch schreibt:

        Na klar fällt bei dir Schnee, gucke mal auf die graue Leiste, wenn die kleinen Kullerchen daran vorbeikullern. – Wahrscheinlich hast du diesen Standardhaken nicht entfernt – und dann schneit es auf allen WP-Blogs. – Du müsstest doch den (sozialistischen) Nachtschlaf für morgen abfassen! 🙂

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        • tonari schreibt:

          Danke. Nun hab ich es auch gesehen. War doch wohl schon ein Schlafkörchen im Auge. Nun aber ist der Haken raus. Kein Schnee mehr auf Kuba 😉
          Der Nachtschlaf für nachher will sich nicht einstellen und in 5 Stunden klingeklt der Wecker in den Arbeitsalltag. Jetlag ist ätzend…

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  3. Tine schreibt:

    Falls Sie es noch nicht wußten, ich bin soeben auf Kuba eingereist… 😉 (sehr schön der Beginn, danke!)

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  4. ute42 schreibt:

    Das fängt ja schon richtig spannend an. An dem „Roten-Kreuz-Pflaster“ habe ich auch erst mal rumgerätselt 🙂 Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.

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  5. kalle schreibt:

    Hi Tonari,
    wenn eine eine Reise tut….bin gespannt, was du uns noch erzählen wirst. Ich habe mir gleich gedacht, dass das Fenster geklebt wurde. Nachdem ich früher öfters in Ungarn war, würde ich dort auch mit allem rechnen 🙂
    Liebe Grüsse Kalle

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  6. Inch schreibt:

    Aber glaubst Du wirklich von der Versorgung im Hotel auf die der Bevölkerung schließen zu können?

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    • tonari schreibt:

      Welche Stelle im Text lässt Dich diese Aussage vermuten?
      Nein, natürlich nicht. Über die Situation außerhalb der Touristenburgen hab ich mich doch noch nicht geäußert. Kommt, aber am ersten Tag kann Frau eben nur die eigene Versorgungslage im Hotel berichten 😉 Alles andere beobachtet man dann oder erfragt man während der eigentlichen Rundreise.

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      • Inch schreibt:

        „Oder sind es nur frustrierte Übertreibungen, wenn von leeren Buffets und hungrigem Magen, Duschen mit ausschließlich kaltem Wasser und anderen misslichen Zuständen die Rede war? Nun, wir würden uns ein eigenens Bild machen können.“
        und
        „Zum Abendessen war am Buffet alles vorhanden: Huhn- und Schweinefleisch, Reis mit schwarzen Bohnen, Süßkartoffel, Kürbis, Gurke, Obst… Nix mit Beginn einer Kuba-Diät“
        Ich will ja auch nicht meckern und nicht granteln, es hat mich nur gewundert, dass Du das mit dem Essen so betonst. Das lässt vermuten, dass Du etwas anderes erwartet hast. Und das es Reisegruppen an nichts mangelt, das kennt man ja noch aus der DDR.

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        • tonari schreibt:

          Es waren Beschreibungen anderer Kuba-Reisender, die ebenfalls in den letzten Jahren mit Reisegruppen unterwegs und somit durchaus auch privilegiert waren. Insofern hatten wir tatsächlich „Sorge“ um unsere eigene Verpflegung. Sie blieb unbegründet.

          Sagen wir mal so: Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt.

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  7. Inch schreibt:

    Oops, um nicht missverstanden zu werden: Ich frei mich und bin gespannt auf Deinen Reisebericht

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    • tonari schreibt:

      Ich glaube, Du bist meinem Bericht gedanklich schon einen Schritt voraus…
      Ich versuche, zu beschreiben, nicht zu bewerten oder zu schnelle Schlüsse zu ziehen. Bisher gab es nur eine Ankunft, einen Transfer und Abendessen. 😉

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  8. chinomso schreibt:

    Oh oh, dann kann man nur hoffen auf Besserung. Daran glaube ich mal ganz fest. Denn es muss doch mehr geben als einen „täglich grüßt das Murmeltier – Ostblock Revival -Urlaub“ da auf Kuba.

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  9. minibares schreibt:

    Echt spannend!
    Das Fenster ist einfach der Hammer! Das Zimmer scheint ok zu sein.
    Aber das Drumherum, alles auf alt, tja, sie hinken der Zeit hinterher.

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  10. Anna-Lena schreibt:

    Du schreibst spannend, liebe Frau Tonari, da macht es Spaß, euch zu begleiten 🙂 .

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  11. Rana schreibt:

    Sehr interessanter Bericht, da will ich auch mal hin… habe gerade in meinem Radkatalog gelesen, dass dort auch Radtouren angeboten werden. Hast du da Radfahrer gesehen? LG von Rana

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    • tonari schreibt:

      Ja, immer wieder unterwegs. Ein Bild kommt später im Tal von Vinales.
      (Ob das angesichts der Straßenverhältnisse und der dunkel rußenden anderen Verkehrsteilnehmer allerdings immer ein wahres Vergnügen ist, wage ich zu bezweifeln.)

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  12. raschgu schreibt:

    Hallo Frau Tonari
    ein schöner interessanter Bericht
    Das Erinnert mich an unsere Tour im Mai.
    siehe hier http://www.geo.de/reisen/community/reisebericht/508947/1/Kuba-Oriente#anchor_347111

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