Juliett, oh Juliett

Wer jetzt den 83er Song von Herrn Gibb im Ohr hat, wird enttäuscht sein. Seine Juliet wartet auch nur mit einem t auf 😉 Diese hier ist zudem beträchtlich älter und ziemlich eisern.

Juliett U461 wurde 1965 in Dienst der sowjetischen Flotte gestellt und verrichtete ihn mit Unterbrechungen bis 1991. Vermutlich hat das U-Boot seinen Ruhestand dem „Wind of Change“ zu verdanken.

Seit 1998 liegt es nun an der Pier eines ehemaligen Marinestützpunktes in Peenemünde und ist – dem eigenen Bekunden nach – das größte U-Boot-Museum der Welt.  (Woran man die  Größe allerdings fest macht, hat sich mir nicht erschlossen, denn ich kann mich gut an das USS Bowfin Submarine Museum in Pearl Harbor erinnern und fand es da um einiges größer und umfangreicher.)

Letztlich ist es auch egal, denn besucht haben wir nun beide und außerdem das in Laboe.  Was alle eint, ist neben der eigentlichen Bestimmung die unglaubliche Enge, die Beschränkung aufs Minimum, der „Duft“, der Mangel an Frischluft und – hier aufgrund von akustischen Einspielungen beeindruckend wiedergegeben – die extrem nervige Geräuschkulisse der Motoren und Echolote, der Ruderbewegungen und des Radars.

Lebensgroße Puppen zu verwenden, ist eine gute Idee. Sie machen die beklemmenden Bedingungen noch ein wenig anschaulicher. Privatsphäre – Fehlanzeige.

78 bis 82 Männer, drei Toiletten und nur eine Dusche – ich ahne, wie es dort gerochen haben mag. Von Öl-, Diesel- und Schweißdüften sind zumindest heute noch die beiden Erstgenannten geblieben.

Nach rund 80 tapfer durchquerten U-Boot-Metern hatte ich diverse schmerzhafte Kontakte zu den Einbauten aufgenommen. Der Kopf hat gehalten, aber am nächsten Tag schillerten die Schienbeine in unterschiedlichsten Farbschattierungen: druckgelb, stoßgrün, blutergussblau bis fäulnisschwarz 🙄

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14 Antworten zu Juliett, oh Juliett

  1. praktikon schreibt:

    *reicht frau tonari einen Kühlbeuel* Gute Besserung für die Schienbeine! Sieht aber echt interessant aus!

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  2. minibares schreibt:

    Teebaumöl drauf, und es wird nichts blau und bunt.
    Aber nun ist es zu spät, vielleicht fürs nächste Mal merken?
    Super Fotos, danke für den Einblick, toll!

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  3. freiedenkerin schreibt:

    Es muss so etwas wie Geruchs-Phantasie geben, denn die arbeitet jetzt nach deiner Schilderung bei mir ganz beträchtlich. 😉
    Ich stehe seit einem Weilchen auf Quark-Wickel, vielleicht helfen die auch bei blauen Flecken…
    ♥liche Grüße!

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  4. AndiBerlin schreibt:

    Also die Klo- und Hygiene Sache waren ja der Grund warum ich nicht bei der U- Bootmarine angeheuert habe… und diese Nebensächlichkeit das ich von vornherein untauglich geschrieben wurde. 😉
    Nee, ich kann mir schwer vorstellen wieso man sich das freiwillig antut. Wohl nicht alleine für Volk und Vaterland.

    Das U- Boot in Laboe fand ich auch sehr interessant.
    Sind die bunten Stellen jetzt etwas am abheilen?

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  5. Rana schreibt:

    Schon beim Anschauen kriege ich Platzangst, Wahnsinn!
    Bei „fäulnisschwarz“ solltest du aufpassen, da fällt schnell mal ein Bein ab…
    LG von Rana

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  6. Inch schreibt:

    Wow! Das ist cool! Ich muss da unbedingt hin!

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  7. ute42 schreibt:

    Irgendwo in den USA bin ich auch mal durch ein U-Boot gewandert. Es ist wirklich beängstigend eng. Schöne Bilder hast du gemacht.

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  8. malesawi schreibt:

    Ich war mal in Bremerhaven auf einem U-Boot und glücklich, wieder draußen zu sein. Diese Enge und das Eingeschlossensein wären für mich nicht zu ertragen.
    Liebe Grüße!

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    • tonari schreibt:

      Geht mir ähnlich. In Museen kann ich mich gut innerlich zur Ordnung rufen. Bei der Vorstellung, dass da Wasser obendrüber ist, hätte ich Panikzeichen in meinen Augen.

      Bin 1994 mal auf Hawaii mit einem U-Boot gefahren. Jede Menge amilike Sicherheitsbelehrung vorneweg. O-Ton Frau Tonari: „Wenn der noch 2 Minuten länger quatscht, steige ich gar nicht erst ein.“ Beklemmungen unterhalb der Wasseroberfläche konnte ich wegatmen, aber da waren ja auch keine Angriffe zu erwarten…

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  9. Gedankenkruemel schreibt:

    Oh das freut mich, es nun von innen so ausführlich sehen zu können.
    Danke für deine Mühe.
    Als ich in Peenemünde war, war Juliett U461 noch nicht offen für Besuche und
    ausgesattet mit Puppen etc war es auch nicht. Fotografiert habe ich sie natürlich auch
    aber halt nur von ausen.
    Übrigens wusste ich garnicht das sie Juliett genannt wird.

    Ich würde das heute garnicht mehr schaffen da durchzuklettern..
    In einem U-Boot unter Wasser sein, nein niemals, da bekäme ich
    sofort Fobien (heisst das so in deutsch?)

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  10. regenbogenlichter schreibt:

    Oh, da drin würde ich wohl die Krise kriegen…schwitz…nichts wie raus… und unsere ehemalige alte Nachbarin aus einem anderen Grund…ihr einziger Sohn ist mit der deutschen U-Boot Flotte untergegangen…. seit ihren Erzählungen sehe ich sowas eher mit Beklemmung… egal woher..

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