It’s good to be King

Da kann man mal sehen, wie sehr wir mittlerweile im copy&paste-Zeitalter leben. Der Ticketdealer meldete zum Kartenvorverkaufsstart Anfang des Jahres für Tom Petty and the Heartbreakers :“nach mehr als zwanzig Jahren mal wieder in Deutschland“ und alle pinseln es fleißig ab. Dabei fand im April 1999 ein Konzert im „Docks“ in Hamburg statt. Macht jedenfalls „erst“ 13 Jahre. Und dennoch findet sich in zahlreichen Konzertrezensionen immer wieder der Passus mit den mehr als zwei Jahrzehnten europäischer Abwesenheit  😆

Drei Konzerte gab/gibt der Meister auf seiner Europatour  in Deutschland. In Hamburg (10.6.) , in Köln (25.6.) und in Mannheim (30.6.), keines in Berlin 😥 Hieß also für die Tonaris Karten kaufen, Hotel buchen, die schier unendlich lange Vorfreude aushalten, sich ins Auto schwingen und am vergangenen Sonntag in die Hansestadt düsen.

In der dortigen Sauerstoffwelt sammelten sich die zahlreichen Fans unterschiedlichen Alters und diverser Nationen. Also nicht – wie erwartet – ausschließlich die Generation 50+.

Die Dezibelstärke der Vorband um Jonathan Wilson ließ mich schon Schlimmes ahnen und den Herrn Tonari spontan noch einmal in den ohrenschonende Blue Room-Lounge flüchten…

Die Qualität der tonarischen Bilder bitte ich an dieser Stelle zu entschuldigen. Reihe 7 war offensichtlich noch zu weit weg für ordentliche Aufnahmen (oder die Knipse müsste mal ausgetauscht werden).

Um halb zehn kamen Mister Petty und seine Herzensbrecher auf eine Bühne mit wunderschön drappierten Samtvorhängen, ähnlich wie im gut altehrwürdigen Kino oder Theater, ein paar gezielt platzierte Lichteffekte – das wars. Schlicht, aber ausgesprochen passend. Schließlich waren alle wegen der Musik oder auch ein bisschen wegen Tom gekommen. Ebenso gut ausgesucht: der schwarze Nadelstreifenanzug, in dem der 61jährige eine gute Figur machte.

„A long list of songs“ kündigt er an. Und die kamen dann auch wie versprochen.

„You think you’re gonna take her away with your money and your cocaine“ – Was für ein Auftakt mit „Listen To Her Heart“. Gänsehaut pur. Es folgten „I Won’t Back Down“,  „Handle with Care“,  „It’s good to be King“, „Free Fallin'“ und auch „Learning to Fly“, um nur einige aufzuzählen.  Einfach nicht von dieser Welt präsentierte sich immer wieder der Gitarrist Mike Campbell. „Runnin‘ Down a Dream“ als fulminanter Schlusspunkt der Hauptrunde.

Was waren die Jungs da vorne grundentspannt. Man konnte ihren puren Spielspaß spüren. Sie müssen sich wahrlich nichts mehr beweisen. Eine Freude zu sehen, wie harmonisch es dort zu ging. Hier und da ein typischer Tom-Petty-Hinternwackler, gefolgt von einem sich selbst nicht zu wichtig nehmenden Augenzwinkern. Immer wieder ein zufriedenes Lächeln und immer wieder auch ein „Thank you so much!“ fürs begeisterte Publikum.

Übrigens war ich sehr, sehr froh, dass es die vor mir Sitzenden trotz aller Euphorie diszipliniert auf ihren Stühlen  gehalten hat. Links von uns sah es nämlich deutlich anders aus. Der Lockenkopf unmittelbar vor mir, machte den Blick auf die Bühne schon schwer genug.  Stehend im Innenraum hätte der Erdnuckel Tonari keine Chance auf eine  gute Sicht gehabt.

Warten auf die Zugabe:

Es folgten „Mary Jane’s Last Dance“ und „American Girl“. Und dann war nach 2 Stunden endgültig Feierabend. Schade. Ich hätte noch ´ne Weile durchgehalten 😉

Super Songauswahl, eine Reihe alter Hits und ein paar, gut ausgesuchte Titel von der neuesten Scheibe „Mojo“. Toller, satter Live-Sound, ohne Klirren und die Lautstärke für meinen Geschmack genau richtig. Einfach nur perfekt.

Hach, jeder Kilometer Anreise hat sich gelohnt. Gut fürs rundum glückliche Herz. Ich hoffe, meine Begeisterung ist hier irgendwie nachlesbar. Meine Worte beschreiben nur ungenügend, auf welcher Wolke ich nach dem Konzert schwebte und wie dieses super Gefühl immer noch anhält.

Und, dear Mister Petty, es müssen nicht wieder 13 Jahre vergehen, bis Sie sich erneut bei uns hören und sehen lassen. Immerhin wären Sie dann schon 74 und ich so alt, wie Sie heute!

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7 Antworten zu It’s good to be King

  1. AndiBerlin schreibt:

    Ach ihr glücklichen. Schade das Berlin nicht auf dem Plan steht! 😦

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  2. ute42 schreibt:

    Aus deinen Zeilen spricht, wie rundum gelungen das Konzert für dich war. Das sind Erlebnisse, die man lange nicht vergisst. Auch nicht in 13 Jahren, also vielleicht geht da ja noch was 🙂

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    • tonari schreibt:

      Ich habe im November 2009 als wir an der Westcoast waren, ja schon mal geguckt, ob Tom Petty vielleicht in der Nähe tourt und wir einen Konzertabstecher machen. Leider war er nicht in der Gegend.
      Nun, den nächsten Amerika-Urlaub muss ich wohl besser planen 😉

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  3. Inch schreibt:

    Oh doch, deine Begeisterung ist herauszulesen. Und ich bin immer noch neidisch. Allerdings, im Sitzen könnte ich so ein Konzert nicht aushalten 😉

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    • tonari schreibt:

      Tja, das mit dem Sitzen… Hinternwackeln und Rumzappeln geht trotzdem. Nur, bei 160 Zentimeter Körperhöhe muss frau sich bei unbestuhltem Innenraum entweder ein Bänkchen (Hutsche) mitbringen oder aber in die erste Reihe kommen. Ersteres nicht ganz ungefährlich, zweites nahezu unmöglich. Also sind Sitzplätze eine gute Alternative. Für mich Konzertzwerg.

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  4. freiedenkerin schreibt:

    Und wie man deine Begeisterung lesen kann! 😀 Ganz wundervoll! Ich freue mich riesig, dass ihr einen so schönen Abend hattet! 😀

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