böse Falle

Frau Tonari bringt ihren lieben Daheimgebliebenen immer gerne etwas aus dem Urlaub mit. Weniger so Steh-rums und Staub-eins als kleine Leckereien oder Nützlichkeiten. Ein T-Shirt für den Sohnemann, berühmten jamaikanischen Kaffee aus den Blue Mountains für die zuverlässige Blumen- und Briefkastenbewacherin. So in der Art. Und natürlich soll auch die Omimi einen Gruß aus der großen, weiten Welt bekommen.

Es war ein bisschen schwierig, diesmal etwas Passendes für sie auf Jamaika zu finden. Rum oder Kaffee sind nicht sooooo geeignet, scharfe Jerksoße auch nicht. Aber die Omimi liebt Honig und so beschloss die Frau Tonari, einfach ein Glas einheimischer Bienensch…iete für sie mit zu nehmen.  So weit, so gut.  Nur, wenn frau den Einkaufsakt immer aufschiebt und denkt, sie müsse ja das Zeugs nicht im Kofferraum quer über die Insel fahren (lassen) und könne das ja zum Schluss erledigen, dann verliert sich mitunter so eine Idee 🙄  Bis diese urplötzlich im Flughafen nach dem Check-in wieder auftaucht.

Glücklicherweise wissen Flughäfen um die Trottligkeit Notlage der Reisenden und bieten daher jede Menge günstige Gelegenheit, Last-Minute-Souvenirs  zu erstehen oder – auch gerne genommen – den Alkoholvorrat im Rahmen der Zollfreigrenzen aufzufüllen.

Jedenfalls schlendern die Tonaris durch die unzähligen Shops und entdecken tatsächlich ein Glas herrlichen einheimischen Bienenhonig. Und da sie zufällig auch noch genügend Jamaika-Dollar in der Tasche haben, wandert ein Glas mit 16 oz pure Honey in den Einkaufskorb und werden von der Verkäuferin liebevoll in mehrere Lagen Packpapier eingewickelt. Frau Tonari wundert sich blöderweise nur kurz, dass keine verschweißte Plastiktüte (amtsdeutsch: manipulationssichere versiegelte Verkaufstaschen) verwendet wird, wie sie es beim Kauf von Flüssigkeiten in den Duty Free Shops sonst so kennt, wenn man anschließend fliegt. Nun ja. Vielleicht ist Honig im Sinne der Verordnungen ja keine Flüssigkeit.

Ihr ahnt, was kommt? Natürlich fällt Honig darunter. 🙄 Der aufmerksame Mitarbeiter, der nach der Landung in Düsseldorf erneut das Handgepäck prüfte, entdeckte das Glas auch prompt beim Röntgen des tonarischen Rucksackes. Zum Glück verfiel er nicht gleich in terroristische Wahnvorstellungen, sondern klärte wirklich freundlich und unaufgeregt (vermutlich, weil es jeden Donnerstag beim Flieger aus MoBay die gleichen Szenarien gibt) darüber auf, dass Honig als pasten-bzw. cremeartig gilt und daher auch der besagten 100 ml-Mitnahme-Grenze unterliegt.

Möglichkeit 1: Wegwerfen. Dann hat Oma aber kein Mitbringsel.Manno.

Möglichkeit 2: Hoch in die Abflughalle, zum Schalter von AirBerlin gehen und dort den Rucksack für den Weiterflug nach Berlin als normales Gepäck aufgeben.

Die wichtigen und unverzichtbaren Dinge wanderten also nach der Entscheidung für die zweite Variante vom Rucksack des Herrn Tonari in das Handgepäck der Frau Tonari. Immerhin hatten sie ja noch 20 Minuten bis das Boarding des Anschlussfluges beginnen soll 😉  Also sieht man die Tonaris mit dem Glas Honig und etliche andere Reisende des gleichen Fluges mit ihren losen Rumpullen durch das Flughafengebäude hetzen, um die Schalter der Fluggesellschaft zu finden und die Flüssigkeiten „normal“ einzuchecken. Sehr zur Freude der dort wartenden anderen Fluggäste, die sich angestellt hatten, während die Jamaika-Rückkehrer einfach unter Zeitdruck vordrängelten.

Der Mitarbeiterin erklärten die Tonaris kurz, warum sie einen Rucksack schnell noch aufgeben wollen und dann glaubten sie, das Ding sei erledigt. Wäre es auch, wenn die beiden nicht bereits in Montego Bay das zulässige Freigepäckgewicht von 2 x 20 kg bereits mit insgesamt 39,9 gut ausgeschöpft hätten. Denn nun verfiel die Dame auf die Idee, dass sie für jedes Kilo mehr ja eine Übergepäckrate von 30 Euro pro kg berechnen müsse. Rund 4 kg wog der Rucksack samt Inhalt.  Frau Tonari hätte den teuersten Honig der Welt transportiert 😉 „Ja, gibt es denn keinen Honig in Berlin?“ lautete die, hoffentlich nicht ganz ernst gemeinte Frage der Angestellten. Erst als der beste Nerven-im-Griff-Behalter von allen erklärte, dass er dann jetzt das Glas samt Inhalt wegwerfen würde, erschien auch ihr die Idee irgendwie unsinnig und sie befragte eine in der Nähe befindliche Vorgesetze. Diese entschied, dass man angesichts der Situation kulant sein darf. Hurra und vielen, vielen Dank. Der Rucksack wurde also ein „richtiges“ Gepäckstück und kam zwar lediert, aber mit unversehrtem Inhalt in Tegel an. Hurra. Normal zurück kommen, kann ja jede(r). Die Tonaris brauchen immer noch ein bisschen Äktschn. Das ist auch gut gegen aufkommende Müdigkeit nach schlafarmen Flugstunden 😉 Nun hoffen sie, dass die süße Fracht den ganzen Rummel auch wert ist und gut schmeckt 😆

Und Frau Tonari merkt sich: zukünftig Honig rechtzeitig kaufen und darauf achten, dass bei Zwischenlandungen die Duty-Free-Flüssigkeitsfalle nicht mehr zuschnappt 🙂

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19 Antworten zu böse Falle

  1. Claudia Sperlich schreibt:

    Mit dieser Geschichte serviert, wird die Oma den Honig ganz besonders zu würdigen wissen!

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  2. juzicka schreibt:

    oh mann eh ist das spannend . Ein grosses kompliment an den “ beste Nerven-im-Griff-Behalter “ ich glaube ich hätte denen das glas quer durch die halle geschleudert .. na ja … oder so so ;(

    fein ist nun alles gut zuhause angekommen … es ist doch ALLES gut angekommen .. oder :O)

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  3. ute42 schreibt:

    🙂 Ich hoffe, die Omimi verzehrt den Honig mit entsprechender Ehrfurcht.

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  4. Himmelhoch schreibt:

    Jetzt lernen und behalten wird nicht viel nützen, denn beim nächsten Flug haben sie sich bestimmt neue Abartigkeiten gegen Honig- oder Sonstwas-Einfuhr überlegt.

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  5. Frau Doktor schreibt:

    Auf einer Reise kann man viel erleben und das gehört dazu 🙂 Mein vielfliegender Sohn hat auch des öfteren tolle Geschichten parat und ich nicht vielfliegend, bin jedesmal wieder aufgeregt und gespannt was kommt, geht es um die Kontrollen 🙂 Aber Tonaris reisen ja öfter 🙂 Hoffentlich schmeckt der Honig der Omama 🙂

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  6. shelkagari schreibt:

    Das Glaserl Bienensch…e hat euch ganz schön Nerven gekostet, oh, Mann!
    Vor einem Weilchen hab‘ ich mal gehört/gelesen, dass man die Bestimmungen für den Transport von Flüssigkeiten usw. im Handgepäck lockern wolle, aber das scheint wohl ein Gerücht gewesen zu sein…
    Ich wünsche der Omimi viel Freude beim Honig-Genuss! 😉

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  7. monisertel schreibt:

    Oh mein Gott, das kann doch einfach alles nicht wahr sein!!! Ist es aber, wie ich sehrt gut weiß, denn eine ähnliche Prozedur habe ich mal mit einem Glas Originalnutella mitgemacht. Musste Kindeswegen mit!!!
    Aber wir sind ja noch flexibel-lernfähig und so was merken wir uns, gell!!!
    Lieben Gruß
    moni

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  8. ankeberlin schreibt:

    Das Pech der Umsteiger. Würdest Du in D’dorf wohnen, hättest Du den Honig ‚locker flockig‘ nach hause getragen, als würdest Du es nicht anders kennen. Nach zweimaligen Verlust hatten wir es kapiert und sind bis heute immer noch hoch interessiert, was denn mit den abgenommenen Waren wirklich passiert? Wo und wie sie denn vernichtet werden … ? Die sog. ‚manipulationssicheren Verkaufstaschen‘ interessiert nämlich keinen, wenn Du national weiter fliegst. Sie nehmen Dir das Zeug ab, und das verstösst eigentlich gegen die internationalen Vereinbarungen, aber genau da gebärdet sich Europa merkwürdigerweise vereinigt national, obwohl es ja ’nur‘ eine Währungsunion hat … ???

    Ist schon interessant, welche Möglichkeiten Airberlin da eröffnet. Bei Lufthansa, KLM und Air France geht da nämlich garnix …! Bei Airberlin setzen sie wahrscheinlich auf Kundenservice, nachdem bekannt wurde, dass sie ständig ABC-Promis transportieren auf Kosten derjenigen, die anständig bezahlen 😉

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  9. Tine schreibt:

    Ich sag ja immer: Warum einfach, wenns auch „umständlich“ geht… 🙂
    Ist ja nochmal gut gegangen. (und hätte ich heute mehr Zeit gehabt, dann wär ich mit dir über sämtliche Weihnachtsmärkte in Town geturnt!! ;))

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  10. chinomso schreibt:

    Nächstes Mal gibts ne neue Bestimmung, die Honig als Sprengstoff einordnet und ihr werdet verhaftet, verhört, verknackt. Aber keine Sorge, ich besuche euch im Knast. Wer soviel trouble für die Omimi in Kauf nimmt, den muss man einfach im Gefängnis besuchen. 🙂

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  11. kalle schreibt:

    Hi Tonari,
    ihr seht einfach zu gefährlich aus. Blind muss man sein, um gegen alle Sicherheitsvorkehrungen verstoßen zu dürfen: mein Gatte hält die Flasche Mineralwasser einfach in der Hand, und bittet den Beamten sie einfach zu halten, während er leibesvisitiert wird…und danach erhält er die Flasche zurück, nimmt sie mit ins Flugzeug, wo die Stewardess fragt, ob er gerne ein Glas hätte. So geschehen als wir nach Kreta flogen; diesmal nach Rhodos musste er die Flasche austrinken, doch sein PC wollte niemand testen…, liebe grüsse Kalle

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  12. tonari schreibt:

    @ alle:
    Komme gerade von der Omimi, die sich über den Honig wirklich von Herzen gefreut hat. Zumal ihre letztes Glas gerade zur Neige gegangen war.
    Kommentar: „sehr, sehr, sehr lecker und tatsächlich ein bisschen anders im Geschmack als der unsrige, viel feiner irgendwie, hm“
    Hat sich die Aufregung doch glatt gelohnt. 🙂

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  13. mohrle schreibt:

    ihr seid ja…*kicher* besser als jeder Film!

    außerdem schreibst du Äktschn genauso wie ich*grinsel*
    irgendwie sind diese ganzen Bestimmungen echt…na ja

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  14. kanadafrau schreibt:

    ich kugel mich gerade vor lachen, denn ich lebe davon, dass leuten solche geschichten passieren, aber die formulieren sie dann nicht so humorvoll ;).

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    • tonari schreibt:

      Ich glaube, das wäre deutlich biestiger formuliert worden, wenn AirBerlin sich weniger menschlich gezeigt hätte. Insofern – Ende gut, alles gut.
      (Und für mich nach wie vor unbegreiflich, warum die in MoBay so handeln. Und warum denen das niemand sagt. Hst Du vielleicht eine Erklärung???)

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      • kanadafrau schreibt:

        naja, wenn man keinen transfer hat und dementsprechend im transit nicht nochmal durch die sicherheitskontrolle muss, dann ist es eigentlich kein problem, duty-free einkäufe zu transportieren. sprich: wäre düsseldorf dein endziel gewesen, dann wärst du mit dem honig aus dem flughafen hinausspaziert und alles wäre gut gewesen – so ist auch die denkweise der duty-free shops. die wenigsten lassen sich die bordkarte zeigen und selbst wenn, dann wird seltenst nach anschlussflügen gefragt. das grundlegende problem an dieser geschichte ist, dass, selbst wenn du in mobay gesagt hättest, du musst in düsseldorf umgesteigen und selbst wenn du dann das sicherheitssiegel und den beutel gekriegt hättest, dies keine garantie dafür ist, dass der honig den transfer auch mit dir gemacht hätte. es ist der offizielle weg, aber die entgültige entscheidung trifft die sicherheitskontrolle, was zu vielen, vielen beschwerden führt. und wenn ich mal so aus dem beschwerdetantennähkästchen plaudern darf: erfahrungsgemäßg treten diese beschwerden vermehrt mit der urlaubshochsaison auf, von wegen je mehr touristen, desto unkulanter ist die sicherheitskontrolle – vor allem an den richtig großen flughäfen…
        und von airberlins entscheidung bin ich – im positiven sinne – immer noch hin und weg. da habt ihr wirklich glück gehabt. andere airlines machen das anders… aber wie gesagt, ich lebe davon ;).

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  15. minibares schreibt:

    Mönsch, dass es doch noch menschliche Mitarbeiter beim Flughafen gibt, das wundert ja richtig.
    Und die Action hat sich ja gelohnt, dass der Honig ein wenig anders schmeckt und begeistert probiert wurde.

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  16. Frau Momo schreibt:

    Eine ähnliche Szene hatten wir letztes Jahr auf dem Flughafen in Zürich, als dann doch auffiel, das unsere Freunde eine Dose leckerster ägyptischer Orangenmarmelade im Handgepäck hatten. Meine für Herrn Momo hatte ich im Koffer.
    Eine Dose und dann auch noch mit arabischen Schriftzeichen….. wobei mir dann doch gewundert hat, das sie die haben dann durchgehen lassen, als wir erklärten, was drin ist.
    Die Flasche Rotwein mußte allerdings dann auch extra aufgegeben werden, aber ehrlich, wie blöde muß man eigentlich sein. Na ja, unsere Freunde waren es halt.

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  17. Miki schreibt:

    Tolle Story!! Aber Omimi kann davon nur eine abgeschwächte Version serviert bekommen, sonst ißt sie den Honig vor Ehrfurcht gar nicht 😉 ? Hinterher erzählen?? 😀

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