Ebony and Ivory

Neben all den Beschreibungen der wunderbaren Natur, der kulinarischen Genüsse und den bisher gezeigten Bildern, müssen hier natürlich auch ein paar Worte über die Menschen geschrieben werden. Mit dem Zeigen von Porträts bin ich da ein bisschen sparsam…

Jamaika ist, obgleich ein Entwicklungsland, unglaublich teuer. Schon für uns nicht ganz ohne. Angesichts dieser Situation kann man also sehr gut verstehen, dass von den Einheimischen jede noch so kleine Chance genutzt wird, ein paar Dollar zu verdienen. Sind wir zu Fuß am Strand oder in den Straßen unterwegs, fallen wir natürlich schon aufgrund unserer Hautfarbe auf und mutieren damit zu potentiellen Kunden. Da wird dann natürlich so diese und jene Ware oder Dienstleistung angeboten – mal mehr, mal weniger nachdrücklich. Es ist an uns, darauf einzugehen oder auch freundlich und respektvoll abzulehnen. In den ersten Tagen unseres Aufenthaltes auf der Insel nervte mich die, aus der Geschäftsanbahnung resultierende und immer wieder gleiche Form des Smalltalks sehr. Ich bin Xyz. Wie heißt Du? (Um sich dann an meinem Namen echt die Zunge zu brechen. Ich wusste gar nicht, dass er so schwer auszusprechen ist. Der GöGa wurde immer gleich zu Matthew.) Woher kommst Du? Germany? Oh, das ist ein langer Weg, man. Und dann folgt unmittelbar das Verkaufsgespräch. Inzwischen habe ich notwendige Portion Urlaubsgelassenheit, die Kette aus Kaffeebohnen, das handgeknüpfte Armband, die Rafting- oder Snorkeling-Tour, das 397te Taxi … abzulehnen. No, thank you.

Wesentlich angenehmer sind solche kleinen Gespräche, wie gestern im Supermarkt. Ich hatte im Regal Pickapeppa-Sauce entdeckt, die sehr, sehr lecker schmeckt und die gerne mit nach Hause genommen werden möchte 😉 Eine ältere Dame, auch Kundin, sprach mich an, ob ich es gerne „spicy“ mag und empfahl mir dann die Variante mit Mango. Sie freute sich ehrlich, dass uns das jamaikanische Produkt gefällt.

Häufig werden wir unterwegs gefragt, ob wir das erste Mal auf Jamaika sind, ob uns die Insel gefällt und ob wir wiederkommen werden. Erstaunen in den Gesichtern, wenn wir von den vier Wochen Urlaub erzählen und dass wir mit einem Mietwagen quer über die Insel reisen. Oft gibt es dann ein „Respect!“, begleitet vom Gruß, bei dem man die Hand zur Faust macht und mit den Finderknöcheln des Gegenübers aneinander stößt.

In den Hotels sind die meisten Mitarbeiter aufmerksam, freundlich, hilfsbereit und zu kleinen Scherzen aufgelegt, wenn sie mitbekommen, dass man selbst augenzwinkernd unterwegs ist. Das finde ich herzerfrischend. Na klar, es gibt hier wie überall auch aufgesetzte Freundlichkeit und verkrampfte Bemühtheit.

Sind wir mit dem Auto unterwegs und erkunden abgelegenere Gegenden, dann erfahren wir sehr unterschiedliche Reaktionen. Einerseits wird hier und da freundlich gewunken, andererseits aber wird manchmal etwas auf Patois gerufen, das wir nicht verstehen (sollen) und das auch bei ganz viel gutem Willen sprachmelodisch nicht sehr höflich klingt. Und selbst in einem „Hey, white Lady!“ oder einem „Hey, Whitie!“ kann ganz viel mitschwingen…

Vor ein paar Tagen konnte sich der beste Linksverkehrfahrer von allen entscheiden, ob er links drei mit ihren Handys beschäftigte Schülerinnen von hinten „überfährt“ oder sie mit dem Wasser des gut gefüllten Schlagloches bespritzt oder aber vorsichtig nach rechts ausweicht. Er entschied sich für die letzte Variante und … prompt kam ein Auto von vorne. Klar, der war wegen des üblen Straßenzustandes an der Stelle auch langsam unterwegs, musste aber dennoch bremsen und warten bis wir wieder auf der linken Spur angekommen waren. Ich erschrak trotzdem – nicht über das landestypische Hupen – sondern über die ungeahnte Aggression in der Stimme eines der Mädels, die „You must driving on the left white man!“ brüllte.

Es ist schwierig. Einerseits muss man sich im Klaren sein, dass wir Weißen hier auf der Insel eine nicht sehr rühmliche Rolle und den Vorfahren der meisten heutigen Jamaikaner übel mitgespielt haben. Andererseits ist das nun Geschichte, das Land seit fast 50 Jahren unabhängig und wir Touristen, die sich die Schönheiten des Landes erschließen wollen und sich nicht in den Hotelbunkern verschanzen. Und, was wir überhaupt nicht wollen, ist uns wie weiße Herren aufzuspielen.

Was bleibt, ist ein feiner, fader Beigeschmack, wenn wir Weißen uns von den dunkelhäutigen Jamaikanern bedienen lassen … Und über die Variante „Rent a Rasta“ schweige ich lieber.

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19 Antworten zu Ebony and Ivory

  1. Ruthie schreibt:

    Klingt belastend. Genießt ihn trotzdem, Euren wohlverdienten Urlaub!

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  2. Himmelhoch schreibt:

    Ich finde, du hast es sehr einfühlsam geschrieben – dein Mitdenken und -fühlen mit den Einheimischen, aber auch deine Gedanken dagegen, die dich bewegen.
    Weiterhin gute Landeserkundungsmomente wünsche ich euch.

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  3. Vivi schreibt:

    in Thailand sind es nicht die Farbunterschiede, wie du ja weisst, aber viel anders ist es oft auch nicht. Jeder will sein Geld verdienen, so gut und schnell er kann, speziell eben von Touristen. Wenn wir nicht den ueberteuerten Taxipreis zahlen wollen, sondern den „heimischen“ , dann werden wir manchmal auch gar nciht mitgenommen. aber es gibt auch eine Menge anderer hier, die gerne und gut helfen bei allem, was anfaellt.
    ich wuensche dir ncoh einen guten Aufenthalt und lass dir die Zeit und aergere dich nicht.

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    • tonari schreibt:

      Ich habe die thailaendische Art von Kunden“fang“ defensiver in Erinnerung.
      Extremer erlebten wir es vor vielen Jahren auf Sri Lanka. Dort wurde so aggressiv gebettelt (nicht Ware angeboten), dass frau das Fuerchten bekam.

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  4. Tine schreibt:

    danke. Ohne deine Ausführungen würde man wahrscheinlich die andere Seite beim Lesen kaum betrachten… Und ich fühle mich trotzdem wie im Urlaubsparadies, weil ich -obwohl noch nie da und eher auch nie sein werde- jedesmal so wunderbar mitreisen darf! Viel Spaß euch noch!!!
    Und immer schön links fahren!!!!! 😉

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  5. april schreibt:

    Ein ‚like‘, weil ich es gut finde, dass du das nicht ausblendest, sondern ehrlich darüber schreibst. Ich könnte das auch NIE ausblenden und es würde mich den ganzen Urlaub über begleiten, bei allem Genuss. Aber es gehört wohl beides dazu, um sich ein Bild machen zu können. Es ist so eine Sache mit dem Tourismus …
    Und dann immer wieder (die Sache mit dem Supermarkt) die Freude der Menschen, wenn man sie wertschätzt und ihre Produkte mag oder ein paar Worte ihrer Sprache kann.
    Trotz allem wünsche ich euch noch viele schöne Tage und Eindrücke.

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    • tonari schreibt:

      Nirgends auf der Welt kann man das ausbenden, wenn man sensibel dafuer ist,
      Ich habe gerade im europaeischen Ausland ewig gebraucht, bis ich mich nicht mehr meiner deutschen Herkunft schaemte und versuchte unbedingt zu vermeiden, dass man mich gleich als Deutsche erkannte.

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      • april schreibt:

        Das ging mir lange auch so und selbst heute bin ich mir einer besonderen Verantwortung bewusst.
        LG nach Jamaika und ‚danke‘, dass du uns an eurer Reise teilhaben lasst.

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  6. ute42 schreibt:

    Sehr gut hast du das beschrieben und es gehört auch zum Urlaub, vor allem, wenn man sich
    nicht in einer Hotelburg einschanzt. Jamaika ist nun mal ein großer Touristenmagnet. Ohne
    die Touristen wäre die Insel um einiges ärmer. Aber es gibt halt „solche und solche“ und manche
    Einwohner haben bestimmt schon schlechte Erfahrungen gemacht. Ich kenne nur San Lucia, dort sind mir nur freundliche Menschen begegnet. Aber der Touristenstrom ist dort auch nicht so groß.
    Genießt weiterhin diese herrliche Insel und lasst euch nicht belasten von ein paar wenigen unfreundlichen Menschen.

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    • tonari schreibt:

      Wir sind nicht so die Hotelnesthocker, aber das hast du ja schon bemerkt.
      Und ich huete mich davor, alle ueber einen Kamm zu scheren. So, wie ich vielleicht nicht typisch deutsch bin, gibt es nicht d e n Jamaikaner.
      Und wir geniessen schon deutlich mehr als wir uns aergern 😉

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  7. juzicka schreibt:

    als ich in indien mit der bahn von A nach B fahren wollte ( nur eine kleine strecke) in diesen überfüllten wagen wo einige noch fast mehr draussen als drin hingen … und ich einen fensterplatz hatte , hat mir ein reispflücker von draussen einen stein ins gesicht geworfen . Ich hatte eine aufgeplatzte lippe, geblutet wie ein schwein und einen gehörigen schreck !!!

    das sind halt die schattenseiten , wobei die sonnigen tage meist überwiegen ♡

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  8. theomix schreibt:

    So Nachdenken schadet eindeutig dem Genuss. Aber sonst fällt mir nichts Schlechtes ein.
    Im Gegenteil, wenn der Kopf eingeschaltet bleibt, nimmt man manches doch deutlicher wahr.

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  9. AndiBerlin schreibt:

    Danke das Du auch über diese Seite und Eindrücke Eures Trips berichtest und nicht nur über „heile Welt und Sonnenschein“ berichtest. Ich finde so etwas muß dazu gehören wenn man über seine Eindrücke in der weiten Welt berichtet, und nicht nur das zu berichten weiß was einem die Touristenführer so präsentieren. Gut gemacht!

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  10. shelkagari schreibt:

    Ich glaube, von derartigen Eindrücken wird man beim Urlauben und Erkunden in einer ehemaligen Kolonie nie verschont bleiben. Auch wenn Jamaica seit fünfzig Jahren selbständig ist, manche Wunden der früheren und sicherlich harten, maßlos ungerechten und blutigen Zeiten sind ganz sicher noch nicht verheilt, zumindest bei manchen nicht…
    Habt weiterhin eine möglichst unbeschwerte und schöne Zeit!
    ♥lichst!

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  11. chinomso schreibt:

    Ihr wollt ja nicht nur schauen, sondern auch fühlen. Und das ist gut so. In diesen Ländern sind eindeutig wir die Exoten.Und wie sich das anfühlt, weiß ich. Das ist nicht immer nur angenehm. Aber es ist ne Erfahrung wert. Und wer will nur immer eitel Sonnenschein??

    Ich denke, es gibt zuviele Touristen, die nur das schöne Wetter und den erstklassigen Service in Touri Ressorts genießen wollen und sich regelrecht vor Kontakt mit den Einheimischen fürchten.

    Ihr macht das besser.

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