Gospel live

Kirche mal ganz anders. Am Sonntag besuchten wir vormittags den Gottesdienst der Negril New Testament Church of God.

Einen derart lebendigen und mitreißenden Gottesdienst habe ich bisher noch nicht erlebt. Gäste wurden begrüßt, indem die Länder der teilnehmenden Besucher aufgezählt wurden. Herzlicher Applaus der Einheimischen für die Deutschen, Österreicher, Italiener und, und, und. Wurde jemand vergessen? Nein, jedermann konnte sich melden. Selbst eine Frau aus St. Lucia hob die Hand. Wir waren keine Störenfriede, keine ungeliebten Gaffer, sondern wirklich Willkommen. Ein gutes Gefühl für die nächsten zwei Stunden, in denen wir blieben.

Zuvor hatten wir die Wahl inmitten der Gemeinde oder aber auf der Empore Platz zu nehmen. Mit den Ritualen nicht vertraut und um nicht zu stören, entschieden wir uns für letzteres. Was folgte, war ein unheimlich emotionaler Gottesdienst mit ganz viel Gospel live. Ich mag Gospelmusik sehr, sah sie aber kaum je so voll unaufgesetzter Inbrunst vorgetragen. Der Chor traf die Töne, die begleitende Band war gut eingestimmt, die Gemeinde bewegte nicht nur die Lippen, sondern sang textsicher mit und schwupp kam eine beeindruckende Lautstärke zusammen.

Die JamaikanerInnen hatten übrigens echt ihre schönsten Sonntagkleider angezogen. Ladys erschienen vielfach gut und üppig behütet. Herren im Anzug oder zumindest im schnieken Oberhemd. Kinder liefen umher und schäkerten mit den Weißen auf der Empore. Ein Zwinkern hier, ein Winken da. Entspannt. Dazu ein einziges Kommen und Gehen. Oben wie unten. Und immer wieder Gospel, der sie und uns tanzen ließ, die Hüften hatten gut zu tun, die Hände beim Klatschen auch…

Das Einsammeln der Kollekte verlief ebenfalls sehr kreativ. Nicht bei uns, denn da kam jemand durch die Reihen. Aber im unteren Teil standen zwei Herren parat und warteten auf die, sich mit tänzelnden Schritten zur Musik bewegenden Gemeindemitglieder. Deren Obulus steckte zumeist in kleinen Umschlägen, die diskret den wahren Inhalt verbergen.  Man kann etwas geben, man muss aber nicht.

Die eigentiche Predigt erlebte ich, wie man sie manchmal aus dem amerikanischen Fernsehen kennt: Die Bekleidung des Predigers nahm im Verlauf ab, die Lautstärke und Eindringlichkeit parallel zu. Wiederholungen sind die Regel. Ich weiß nun wirklich, dass all Christians are Gospel Career sind 😉

Filmen und knipsen ist in der Kirche übrigens kein Problem. Das war mir wichtig zu wissen, bevor ich die obigen Bilder ins Netz stelle. Inzwischen gibt es die Jungs und Mädels auch bei Youtube…

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9 Antworten zu Gospel live

  1. vierachtel schreibt:

    Wunderbar, das ist ein beneidenswertes Erlebnis! Eine klasse Idee.

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  2. ute42 schreibt:

    So herrlich lebendig und unkompliziert sollten die Gottesdienste bei uns auch sein.
    Das war sicher ein Erlebnis.

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  3. Himmelhoch schreibt:

    An der Endstation vom M 85 in Dahlem gibt es eine Kirche, die noch von den amerikanischen Soldaten übrig geblieben ist – fast nur Schwarze, fast nur tolle Goddesdienste, immer gute Konzerte. Meine kleine Anna, ihr Papa ihre Mama und ihr Bruder singen in dem Chor – wirklich toll für Deutschland was Besonderes!

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  4. Gedankenkruemel schreibt:

    Wunderbar.
    Ich liebe auch Gospel.
    Es ist so mitreisend und so viel
    Freude in der Musik.

    Danke für diese sehr lebendigen Fotos.

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  5. shelkagari schreibt:

    Danke für’s Teilhaben lassen! Seitdem die Edwin-Hawking-Singers Anfang der Siebziger mit „Oh, Happy Day“ ihren Welthit hatten, bin ich auch ein Gospel-Fan! 😀
    Ich wünsche euch noch eine wunderschöne und erholsame Zeit!
    ♥lich!

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  6. Hase schreibt:

    Danke , sehr schöne Bilder !!!
    Wir singen im Chor auch Gospellieder, das macht mir viel Freude. Bei Konzerten ist die Kirche voll besetzt… aber die Gottesdienste werden nicht so gefeiert.
    Einmal haben wir einen Gottesdienst in Heidelberg besucht, der mehrere Stunden andauerte…
    ein Erlebbnis…
    liebe Grüße und noch eine gute Zeit
    Erika

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  7. minibares schreibt:

    In der Katholischen Englischen Gemeinde in Frankfurt werden auch alle begrüßt, die nicht von vorort sind, auch eine allgemeine Begrüßung vorher untereinander.
    Sehr freundlich und offen. und anschließend gibt es Kaffee und andre Getränke und Kekse.

    Deine Fotos sind beeindruckend und spiegeln genau das wieder, was du so begeistert beschrieben hast.
    Ein wundervolles Erlebnis.

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  8. Juzicka-Jess schreibt:

    ich liebe gospel auch und ich denke das gott ( oder wer immer da oben rumhängt ) ganz bestimmt lieber in so einem gottesdienst vorbei schaut als in einem in einer grosse, sterilen, kalten kirche !

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