wenn selbst die Pauke nur noch pling macht

Das Mitbringen und Gebrauchen von Audio- und Videoaufzeichnungsgeräten sowie Foto und Filmkameras ist nicht gestattet. Es ist verboten Ton- oder Bildaufnahmen, Beschreibungen oder Veranstaltungsergebnisse im Ganzen oder Einzelnen aufzunehmen, zu übermitteln oder in anderer Weise über das Internet oder andere Medien zu verbreiten oder anderen Personen zugänglich zu machen oder diese gewerblich zu verbreiten.

Ob das jetzt auch heißt, ich darf Euch nicht von meinen gestrigen Eindrücken berichten? Ich finde, die Internetseite der Sauerstoffwelt übertreibt ein wenig.

Wir haben uns sehr auf diesen Abend gefreut. Interessiert am für uns neuen Veranstaltungsort, neugierig auf Sting live & in Farbe und gespannt vor allem auf die Inszenierung seiner größten Hits in klassischem Gewande mit Orchester & Band. Unsere Karten waren nicht die der teuersten Kategorie, dafür aber wunderbar mittig, wenn auch zugegebenermaßen ein wenig weg von der Bühne. Egal, es gab große Leinwände rechts und links. Das Foto entstand noch während der Einlassphase, also nicht während der Veranstaltung und dürfte damit dem obigen Kriterium nicht unterworfen sein, oder 😉

Der Beginn des Konzertes verzögerte sich um, auf Monitoren im Vorraum angekündigte, zwanzig Minuten wegen der Vorbereitungen für eine DVD-Aufzeichnung. Ja klar, das ist ja auch eine plötzliche und überfallsartige Entscheidung. Aber, wenn man schon die Chance hat, dann später das kollektive Erlebnis auch kaufen zu können, nimmt man das doch gerne hin 😉

Um zwanzig nach acht also betrat ER die Bühne: schlicht, aber elegant gekleidet, schwarzer Anzug, graues Hemd, keineswegs wie 58 aussehend und eröffnete  mit „If I Ever Lose My Faith In You“.  Das war der Moment an dem ich zunächst erleichtert war. Hatte ich doch ein Bedenken, dass er ein bisschen dünn gegen das  Royal Philharmonic Concert Orchestra klingen könnte. Nein, das war nicht der Fall. Seine Stimme kam klar und deutlich an unsere Ohren.  Aber spätestens gegen Ende des Titels drang in die Gehörgänge, was sich leider auch in der kommenden Stunde nicht mehr ändern sollte.  Nein, kein kischig-klebriger Sinfoniesound war es, der uns störte… Die Arrangements waren recht gut gelungen und ich bin sehr sicher, dass es auf CD/DVD gut klingt.

Doch zurück zum Konzert. Zwischen den Titeln stellt Sting die Musiker der Band vor, plaudert über die Entstehungsgeschichte einiger Titel, erinnert an den Cold War oder erzählt von seinem Vater, der als Milchmann sein Einkommen verdiente. Locker der Typ, sympatisch in sich ruhend, souverän.

Der „I don’t drink coffee, I take tea my dear“- Englishman wurde von dem brillianten Saxophonisten Branford Marsalis begleitet. An der Harfe des Orchesters saß,  wie man dank der Großaufnahmen auf den Leinwänden sehen konnte, ein junger Mann. Upps, ungewöhnlich, klassischerweise ist man dort Frauen gewöhnt. Toll und bei guter Stimme fand ich seine Backroundsängerin Jo Lawry. Die hatte es echt drauf und machte sich auch als Duettpartnerin hervorrragend.

Nach dem fünften Titel verließ allerdings der beste Konzertbesucher von allen den Saal – mit den Worten „Du ahnst ja nicht, wie ich leide.“  Okay, er ist deutlich musikalischer als meinereiner. Sein Gehör entsprechend geschulter.  Aber auch ich hatte zunehmend mehr den Eindruck, die Mixer hätten die berühmt-berüchtigten Tomaten auf den Ohren. Anfangs noch hoffend, sie würden ihre mysteriöse Aussteuerung erkennen und gegensteuern, gab ich nach ca. einer Stunde die Hoffnung auf Besserung auf.

Ich weiß ja nicht, was man den Jungs (?) angedroht hat, aber irgendwie schien das Zulassen von Bässen unter Höchstrafe gestanden zu haben. Das Chello klangt wie eine mickrige Violine, die Kesselpauke machte nur noch „pling“. Das Orchester klang mitunter eher wie eine Big oder Brass Band, selbst die Geigen erzeugten keinen Raumklang. Blechern, metallisch, übersteuert und immer kurz vor dem Klirrfaktor.  Nicht nur schade, sondern nahezu unerträglich. Akustisch ein Desaster.

Hinzu kam, dass der voluminöse Schäferhund zu meiner Linken unentwegt während des Konzertes telefonierte. Okay, er kann ja nichts dafür, dass die Sitzplatzbemessung der Touristenklasse im Billigflieger angelehnt war, aber Mister Wichtig wollte nicht etwa jemanden an dem Ereignis teilhaben lassen, sondern konnte einfach nicht unerreichbar sein. Verstand dann zwar kein Wort, aber Hauptsache, man(n) war rangegangen 🙄

Zur Pause gab ich auf, holte Männe im Vorraum ab und dann ging es ab nach Hause. Schade, aber wir können uns ja die DVD kaufen 😉

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19 Antworten zu wenn selbst die Pauke nur noch pling macht

  1. freidenkerin schreibt:

    Oh weh! Und es hätte so schön sein können! Sch…-Technik. Ich hoffe, dass sich die DVD dann – hoffentlich bald! – weitaus besser anhört!

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    • tonari schreibt:

      Nicht die Technik ist´s, die Menschen sind´s 🙄

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      • Marlies schreibt:

        Das scheint in der Halle generell ein Problem zu sein. Ich war schon bei einigen Konzerten dort und der Ton war jedes Mal furchtbar. Das Verbot mit den Kameras steht übrigens immer da, kontrolliert hat das aber noch nie jemand. Dann dürfte man ja auch keine Handys usw. mehr mitnehmen.

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  2. Wortman schreibt:

    Das ist ja echt übel – und dann noch 88 Euro pro Person in den Sand gesetzt 😦
    So kann man einem auch die Freude an Musik verderben.

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  3. B-like-Berlin schreibt:

    Das tut mir sehr leid für euch – für so viel Geld nur so viel Frust.

    Wir gehen grundsätzlich nicht mehr in diese großen und überteuerten Konzerte, wo man oft für viel Geld kaum etwas sieht und einen schlechten Ton geliefert bekommt. Für den Gegenwert einer Eintrittskarte bekommt man meistens 3-4 CDs. Wir gehen nur noch in die kleineren Clubs und Säle, wo man auch für um und unter 20 Euro gute Künstler erleben kann und man ganz nah dran und mittendrin ist. Außerdem sind diese Leute für mich einfach unterstützenswerter als die Finanzanleger im Stile von Anschutz & Co. Deswegen war ich bisher weder im UFO², noch im Velodrom oder in der Schmeling-Halle und das Tempodrom hat sich inzwischen auch erledigt.

    Die Mixer haben vielleicht für die Aufnahme ausgesteuert und nicht für den Saal? Aber mir ist das auch schon so oft passiert, dass ich (und nicht nur ich) die Vermutung habe, dass am Mischpult überwiegend Hörgeschädigte sitzen müssen.

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  4. moni schreibt:

    Tontechnisch und musikalisch leider eine Entäuschung, aber vielleicht hat Dich ja das Life-Erlebnis, dieses „mitten drinnen sein“ etwas entschädigt und läßt Dich dann die CD/DVD in Erinnerungen schwelgend noch schöner anhören und genießen! 🙂
    Lieben Gruss – moni

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  5. Thor schreibt:

    Och, das ist wirklich schade. Aber nicht traurig sein, ich kann Ihnen ja ein Lied singen! Soll ich?

    „Kaninchen im Gehege, sahass da und schlief, sahass da und schlief,
    die Fr. Tonari kann´s nicht hören, denn ich sing ganz schief!“

    Mal ehlrich: Bin ich nicht besser wie der olle Sting? Soll ich Ihnen meine DVD schicken? Mache auch für Sie einen Sonderpreis … Ihr Thor Löwenherz

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  6. ruediger schreibt:

    Sehr traurig, wenn der Abend mit akustischen Disharmonien quasi kaputt gemacht wird. Da kann auch der beste Musiker nichts dagegen machen, wenn die Abmischung vergeigt wird. Weniger DVD-Aufzeichnung und mehr Soundcheck, oder die Technik gab nicht mehr her. Aber was hilft es? Ich leide etwas mit Euch/Dir, auch ich wäre sicher gegangen, die Zeiten in denen der Preis der Konzertkarte die Begeisterung schon vorbestimmt sind vorbei.

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  7. zimtapfel schreibt:

    Och Mensch, das ist ja schade, und ihr hattet euch doch so darauf gefreut!
    Habe ich allerdings auch schon ein paarmal gehört, das die Akustik in dem Laden nicht die allerbeste sein soll…und das bei den Preisen! Wie wärs mit einer gepfefferten Beschwerde an den Veranstalter? Die sollten ja schon mal eine Rückmeldung kriegen, wie der Mist beim Publikum ankommt.

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  8. Chinomso schreibt:

    Wie ärgerlich!!!

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  9. piri schreibt:

    ooch menno, das ist ja doof! Dabei hattest du dich so gefreut!

    mitfühlende Grüße, Petra

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  10. schrecklichschoenesleben schreibt:

    Na, was für eine Sch…
    Tut mir leid. Ich war ja erst sehr neidisch, weil ich Sting auch überaus großartig finde, aber das zu lesen ist ja eine Katastrophe. Deswegen darf man bestimmt auch nicht darüber berichten!

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  11. Himmelhoch schreibt:

    Hätte der beste aller Konzertzuhörer nicht gleich und sofort – statt nach Hause – zur Technik gehen können, um sich zu beschweren. Es kann doch nicht sein, dass man bei diesen Preisen zur Pause geht.
    Ansonsten nur mit Schlagring oder ähnlichem, da hättest du deinem Nachbarn das Handy mitten im Gespräch vom Ohr fetzen können.
    Bloß gut, dass ich nicht zur Gewalt neige – nur manchmal ein kleines bisschen!

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  12. ute42 schreibt:

    Schade für euch, aber nicht zu ändern. Ihr seid wenigstens konsequent gewesen und habt die Veranstaltung zur Pause verlassen. Hätte ich auch so gemacht.
    LG Ute

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  13. Pingback: Tonari kann´s nicht lassen

  14. minibares schreibt:

    Och neee, wie enttäuschend!
    Außerdem noch Ohrenschmerzen.

    Schade, schade., schade.
    Und arg ärgerlich.

    Viele Grüsse

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  15. Bonafilia schreibt:

    oh…was für ein trauriges Ende auf ein Ereignis auf das du dich gefreut hattest….schade!
    Hoffentlich hat der gute Sting das auch mitbekommen und hält es für nicht akzeptabel. Wenn dann wenigstens eine Entschuldigung käme, könnte der Fan wenigstens noch an sein Idol glauben, oder ist er auch schon so abgestumpft das nur noch die Penunzen zählen?

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  16. Emily schreibt:

    Das ist wirklich sehr schade!

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