wegeduckt

In Sachsens Wäldern scheint, wenn man der Geschichte des Thor Löwenherz glauben darf, es eine solche Menge von essbaren Pilzen zu geben,  dass der zweibeinige Sammler sie momentan quasi mit der Sense ernten kann. Vier Kilo in 90 Minuten sind sehr eine gute Ausbeute.  Solch märchenhafte Berichte glaubt liest Frau Tonari natürlich gerne und ist danach wild entschlossen, den besten Pilzesucher von allen unverzüglich in den tiefen Wald des Umlandes zu locken.

Herr Tonari war sofort hellauf begeistert einverstanden, würden sich ein paar selbstgefundene Waldprodukte doch außerordentlich gut an das von ihm mittäglich geplante Lammfilet schmiegen.

Also haben sich beide heute Vormittag mit Körbchen und Messerchen bewaffnet, ins Auto geschwungen und sind bei wunderbarem Sonnenwetter in die Schorfheide gefahren.  Gibt es dort doch so die unendlich große Wälder, dass der vor 21 Jahren zum Teufel geschickte Herrscher da (s)ein Staatsjagdrevier hatte und seiner Schießwut frönte. Und damit die Tiere nicht fliehen konnten, hatte man das komplette Gebiet umzäunt. Offensichtlich ein gern genommenes Mittel, denn das kommt einem ja irgendwie bekannt vor… 😉

Nun, die Tonaris wollten heute auch mal in aller Stille jagen.  Aber nur die harmlosen Pilze, die angesichts der feucht-warmen Tage in letzter Zeit aus dem Boden geschossen sein sollten.

Tja, was soll ich berichten? Lag es nun an den erschreckend großen Körben oder an schlechten Erfahrungen der Pilzköpfe? Sie haben sich nämlich flächendeckend weggeduckt. Samt und sonders und vor allem die essbaren.  Dabei hatten sich die Pilzjäger an etlichen verschiedenen Stellen die Augen aus dem Kopf geguckt. Da half auch Brilleputzen nichts.  Gemein, nicht wahr? Nur ab und an steckte einVertreter der eher ungenießbaren Art sein vorwitziges Haupt aus dem Boden.

Und nicht nur die tonarischen Sammler kamen erfolglos aus dem Wald. Ihnen begegneten einige andere Pilzsucher, ebenfalls mit leeren Körben. Der frühe Vogel fängt eben doch nicht immer den Wurm Steinpilz.  Vermutlich braucht das  hier alles noch bisschen länger 🙄

Also mussten sich die hungrigen Tonaris ein anderes Jagdrevier suchen. Eines mit vier Wänden und einem Dach. Dort allerdings gab es so viele zum Verzehr herausgeputzte, dass man sie sogar käuflich erwerben konnte. Das Mittag war gerettet.

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34 Antworten zu wegeduckt

  1. freidenkerin schreibt:

    *Lach!* 😀 Ich stell mir den besten Pilzesammler und Feinschmecker-Koch von allen und dich grade beim Durch-den-Wald-pirschen vor. 😆
    Ich kann aber aus zweiter Hand den Bericht von Thor Löwenherz bestätigen. Auch hier in Bayern wuchern an manchen Orten die essbaren Schwammerl gar maßlos! Wir haben diverse Pilzgerichte – aus von der Wirtin eigenhändig geernteten Schwammerln! – jetzt sogar auf der Speisekarte vom „Bärenwirt“.
    Liebe Grüße!

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    • tonari schreibt:

      Also, ich weiß jetzt wirklich nicht, was an einer tonarischen Waldpirsch sooooo lustig sein soll, meine Liebe 😉
      Tja, und was die Pilze angeht: Freistaaten halten eben zusammen 😆
      Vielleicht war es bei Euch doch feuchter in der vergangenen Zeit. Ich hoffe nun sehr stark auf die kommenden Wochenenden.

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  2. GZi schreibt:

    Bei uns ist es den Pilzen wohl zu kalt… 😦 hier ist auch noch nicht viel los… wir haben sonst im Garten immer ein paar stellen, an denen sie wuchern und es ist auch noch nichts zu sehen… abgesehen davon haben wir zwr mal einen Pilzkurs besucht, sind aber keineswegs fit in sochen Dingen und Pfiofferlinge/Schwammerln wachsen hier schon mal gar nicht im Norden *heul*

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  3. april schreibt:

    Es ist so eine Sache mit dem Sammeln von Pilzen. Nie ist es recht: zu früh, zu spät, alles schon abgeerntet … Bei mir kommt noch dazu, dass ich keine Ahnung habe und es lieber lasse, ehe ich mich und meine Familie vergifte.

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  4. fudelchen schreibt:

    Oooch ja, in unseren Wälderrn muß man schauen, zwar gibt es nie Pilzschwemme, aber ansehnliche Butterpilze und Maronen. Steinpilze selten. Wobei man bei Maronen aufpassen muß, keinen Speitäubling zu erwischen, dann ist das Pilzgericht im Eimer, da dieser Pilz ungenießbar bitter ist.
    Ab September gehen wir oft los, mit mäßigem Erfolg, das reicht gerade für eine Person, aber sehr lecker 😉

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    • tonari schreibt:

      Wir versuchen, immer ein oder zwei Mahlzeiten im Jahr zu jagen. Mir zumindest reicht das. Seit Tschernobyl ess ich sie auch nicht mehr ganz so unbefangen.
      Einige Exemplare werden getrocknet und landen dann in Soßen oder im Goulasch.

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  5. VEB wortfeile schreibt:

    hier war es exrem feucht und jetzt ist es richtig warm. das sind natürlich optimale voraussetzungen. vielleicht warst du einfach im falschen waldgebiet. pilz mögen nicht jeden bode. in der schorfheide war ich nie. wir waren immer eher südwestlich von berlin. schade, die enttäuschung ist ja durchaus nachvollziehbar. von einem schönen waldspaziergang kann man dann schwerlich reden ;-).

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    • tonari schreibt:

      Ich geh jetzt einfach mal davon aus, dass es schon einen entsprechenden Zeitungsratikel gegeben hätte, gäbe es im Süden eine Pilzschwemme. (Die Gegend um Großbeeren ist ziemlich pilzsicher.) Insofern glaube ich jetzt ganz fest daran, dass wir heute kein Sammlerpech hatten, sondern einfach nur zu früh dran waren 😉

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  6. chinomso schreibt:

    Tja, man muss einfach die sog. Pilzaugen haben. **flöt** Und die hat nicht jeder. Aber wer in den Wäldern Thüringens geboren ist, der hat gute Voraussetzungen welche zu finden. Pilze, nicht Augen.

    Das ist angeboren oder nicht. **grins**
    Ich kenne Stellen, da gehe ich alle paar Tage ernten. Die wachsen da und ich brauch die nicht zu jagen. Einfach nur (ein)sammeln.

    Was sehen denn meine müden Adleraugen in eurem Pilzgericht?? Magerer Speck?

    Oh ha!!! Andere Länder, andere Sitten.

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  7. Himmelhoch schreibt:

    Vor ca. 30 Jahren hatten wir mal so eine Ausbeute gemacht, dass wir sie in sehr großen Behältern nach Hause fahren mussten. Dann hauten wir uns die ganze Nacht um die Ohren, um sie zu putzen und am nächsten Tag einzuwecken, 2x, wie es die Vorschrift sagt.
    Irgendetwas müssen wir da falsch gemacht haben. Denn als wir nach Wochen das erste Glas öffnen wollten, um ein schönes Mittagessen zu haben, war es sauer. Bis zum dritten Glas glaubte ich noch an Zufall – und dann kippte ich alle reihenweise in die Toilette.

    Jetzt friere ich nur noch ein, wenn ich sie nicht gleich aufessen kann – gebe aber der letzten Methode den Vorrang!

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  8. paradalis schreibt:

    Ich kann das nur bestätigen, hier im Chemnitzer Zeisigwald wachsen so viele Pilze, dass man gar nicht so schnell ernten kann. Bald wird der Wald vor lauter Pilzen nicht mehr zu sehen sein, das fürchte ich wirklich!
    *g*

    Wenn ich nur wüsste, was davon essbar ist und was nicht … und so fotografiere ich sie nur, statt zu ernten. Obwohl gerade diese Pilze, die heute auf dem Blog stehen, sehr essbar aussehen, habe ich auch sie stehen gelassen.
    Übrigens, sieh mal hier, liebe Tonari:

    http://paradalis.wordpress.com/2008/09/23/uberlebenstraining/

    Den fand ich 2008, habe ihn nach ausgiebiger Recherche auch gegessen und lebe immer noch.
    🙂

    Einen schönen Sonntag wünsche ich, liebe Grüße.

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  9. Frau Momo schreibt:

    Ich würde nie von MIR gesammelte Pilze essen 🙂 Insofern bevorzuge ich immer die Vorauswahl in überdachten Hallen.
    Aber ich bin eh kein Pilzfan, noch nie gewesen…. außer vielleicht im Risotto mit Steinpilzen.

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  10. Anna-Lena schreibt:

    Ich habe auch absolut kein Pilzauge, sondern folge höchstens meinen pilzerfahrenen Nachbarinnen :-). Für dieses Jahr bin ich skeptisch, da ich kürzlich einen Bericht über den Fuchsbandwurm las, der sich immer weiter ausbreitet und auch gefährlich sein kann.
    Weiß jemand, ob der beim Braten der Pilze abgetötet wird?
    Ich hoffe, ich habe nun keinem Pilssammler die Leidenschaft versemmelt und wünsche der Familie Tonari beim nächsten Sammeln eine ergiebige Ausbeute.

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    • tonari schreibt:

      Pilssammler sind noch mal eine ganz andere Spezies, liebe Anna-Lena. Die findest Du wohl vor allem auf dem Bierfestival 😉

      Zum Fuchsbandwurm, vor dem ich mich nach einer dramatischen Heimatkundeunterrichtsstunde zu graulen begann und dann keine Waldfrüchte (auch Beeren) mehr essen wollte:
      „Der Übertragungsweg auf den Menschen ist nicht eindeutig geklärt. Die Hauptzahl der Fälle wurde bei Personen beobachtet, die entweder beruflich oder privat mit Landwirtschaft und Waldbau zu tun hatten. In 70 % der gemeldeten Fälle sind Hunde- oder Katzenbesitzer betroffen. Es wird daher davon ausgegangen, dass bei den meisten Fällen erst eine Dauerexposition zur Infektion führen kann und keine einmalige Aufnahme der Bandwurmeier.

      Lediglich große, trockene Hitze kann den Bandwurmeiern schaden, bei über 60 °C werden sie abgetötet.“

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  11. ute42 schreibt:

    Leider habe ich keine Ahnung von Pilzen. Wir haben mal zu dritt gesammelt, die Pilze dann betrachtet und entschieden, dass alle giftig sind. Kein Mensch konnte uns helfen, also weg damit – ich hätte sowieso keinen verzehrt. Mir sind auch die bereits gesammelten und auf dem Markt verkauften lieber 🙂
    Für euch tut es mir allerdings sehr leid, dass ihr mit leeren Körben heimgehen musstet. Bei dir hätte ich ja vielleicht mal einen Pilz probiert 🙂
    LG Ute

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  12. Miss Zwopi schreibt:

    Oh ja, Pilze jagen – das haben wir am Samstag auch gemacht – und einen ganzen Einkaufskorb gefunden… Sammeln darf man nur die Pilze, die man kennt: Fliegenpilz und so 🙂 Aber im Ernst: zu Hause beim Putzen haben sich doch glatt von den fünf Steinpilzen drei als Gallenröhrlinge entpuppt, nicht giftig, aber sehr sehr bitter – ein Stück reicht aus, das ganze Essen zu verderben! Haben wir aber zum Glück noch gemerkt – also scheint sich doch die Pilzschwemme auf die Freistaaten zu erstrecken – viele Grüße aus dem Freistaat Thüringen!

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  13. Brigitte schreibt:

    Huch, da muss ich doch gleich mal zum Bedauern kommen. Ja wenns in der Schorfheide schon keine gibt, siehts düster aus. 2 Körbe voll haben wir heute aus dem Wald geschleppt und gefühlte 3 Stunden geputzt.
    Wenns jetzt wieder regnet, werden sie sicher auch bei euch aus dem Boden schießen.
    Tschüssi Brigitte

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  14. Töchterlein schreibt:

    Wenn ihr nochmal geht, nehmt ihr mich dann mit? 🙂 *lieb guck*

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  15. Gedankenkruemel schreibt:

    Pilze sammeln erinnert mich an meine
    Kindheit in Sachsen:)
    Da sind wir immer los mit dem Fahrrad in die Heide..

    Trotzdem hab ich kein „Pilzauge“..*lach
    heute würde ich nie nicht welche esssen, die
    ich gesammelt hätte.
    Liebe Grüsse
    Elke

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