gläserne Manufaktur

Wettertechnisch war der Besuch in Dresden ja eher ein Fiasko. Aber das schrieb ich schon in epischer Breite. Was liegt also näher als ein überdachtes Alternativprogramm zu suchen. Gefunden haben wir es in der, in der Innenstadt gelegenen „Gläsernen Manufaktur“, der Fertigungsstätte des VW-Nobelschlittens Phaeton.

Wer mehr als nur die Lobby sehen will, muss sich allerdings (rechtzeitig) für eine Führung anmelden und pro erwachsenem Besucher angemessene 4 € berappen.

Im Jahre 2001  nach zwei Jahren Bauzeit eröffnet, beeindruckt der Komplex  mit interessanter Architektur. Die Kundenlobby wirkt sehr großzügig und ausgesprochen elegant, ruhig und eindrucksvoll. Ich mag solch geschwungenen Linien und die Klarheit von Glas und Stahl.

Der 40m hohe Fahrzeugturm ist für 280 verkaufsfertige Autos konzipiert, aber angesichts der Absatzflaute derzeit nur mager bestückt.  In dem kugeligen Gebilde rechts kann sich der Besucher Werbefilme verschiedener VW-Modelle unterschiedlicher Baujahre auf Monitoren ansehen.

Mittels eines ebenfalls gläsernen Fahrstuhls wird man als Teilnehmer einer Führung dann in die Fertigung gebracht. Hier ist das Fotografieren allerdings verboten.  Weil an dem Freitag nach Himmelfahrt nicht gearbeitet wurdem, konnten wir den Mitarbeitern von der Aussichtsplattform auch nicht voyeristisch auf die Finger gucken.  Sonst ist dies wohl möglich.

Interessant, wie die Arbeit und Logistik organisiert sind, auf welche ergonomischen und arbeitsplatzgestaltenden Aspekte Rücksicht genommen wurde und welch unglaubliche Menge an qualitativ hochwertiger Handarbeit in ein Auto gesteckt werden kann, wenn man(n) denn bereit ist, den Preis dafür zu bezahlen. Perfektion meets Individualität.

Wir erfuhren auch, dass bis auf die Karosserie, alle zugehörigen Bauteile mit einer  CarGoTram über das vorhandene Straßenbahnnetz angeliefert werden.  Eine gute Idee zur Entlastung des Straßennetzes.

Der Besucher kann gerne zum Schluss des Rundganges auch noch mal unter die PS-starke Motorhaube eines mit  ca. 111.000 € geradezu preiswerten Schlittchens gucken. Oder  sich hinter das Lenkrad setzen und träumen  😉

Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass hier für ein sehr kaufkräftiges Klientel die Autoanschaffung als Erlebniswelt gestaltet und zelebriert wird. Wer´s mag und das nötige Kleingeld hat, bitte. Die Marketingstrategie lässt grüßen und Inszenierung scheint vom  Kunden gewünscht 🙄

Mein Fahrzeug muss nur zuverlässig sein, fahren, in gängige Parklücken passen und ein bisschen knuffig aussehen 😉

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24 Antworten zu gläserne Manufaktur

  1. Kerstin schreibt:

    Auweia, das sieht ja schlimm aus *gg*

    Also ich kann mit so einer Bauweise ja so überhaupt nichts anfangen, mich erschrecken solche Formen.
    Aber das ist natürlich Geschmackssache 😉

    Interessant schauts aber auf alle Fälle aus.

    Liebe Grüße
    Kerstin

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    • tonari schreibt:

      Siehste, und ich mag solch klare Strukturen in Industriearchitektur sehr. Parallel dazu bin ich ein großer Fan von Hundertwasserarchitektur. So verschieden und so unverhofft gleichzeitig ist das mit dem Geschmack.

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  2. valentiner schreibt:

    Ich glaube, ich habe mal eine Reportage darüber gesehen. Die Fotos sind jedenfalls sehr beeindruckend.

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    • tonari schreibt:

      Herzlich Willkommen, lieber Valentiner. Ich hoffe, ich treffe Heike und Dich live im Oktober.
      Das Gebäude war einfach nur genial. Gelegentlich gibt es auch mal Architekturführungen. Das wäre was für mich…

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  3. ach, da stand ich auch schon einmal vor. Leider konnten wir nicht rein, weil es nicht geöffnet war. Aber von Außen hat es mir sehr gut gefallen.

    Tolle Fotos!

    Liebe Grüße von der sich drehenden Frau Landgeflüster 😉

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  4. sunny11178 schreibt:

    Ich hätt mir die Finger wundgeknipst…
    Gefällt mir besser als die BMW-Welt in München…

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    • tonari schreibt:

      Die hätten Dir vermutlich ziemlich auf die Finger gehauen. Immer wieder kam der unmissverständliche Hinweis, dass Knipsen nicht erwünscht ist. Industriespionage lässt grüßen 🙄
      Ich war noch nicht bei BMW in München. Mal gucken, vielleicht passt es im September ins Programm.

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      • sunny11178 schreibt:

        Ich dachte beim Knipsen auch an die Architektur 😉
        Die BMW-Welt ist nicht schlecht, aber in Anbetracht des gesalzenen Eintrittspreises war ich doch enttäuscht. Allerdings war ich nicht „normal“ dort, sondern die Abendveranstaltung einer Tagung fand dort statt, mit leckerem Essen und genialer Jazzmusik. Leider hatte ich damals keine Kamera mit…

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  5. Himmelhoch schreibt:

    Hallo, da wollte ich auch schon lange mal rein, stattdessen war ich in der Autostaadt in Wolfsburg – nicht ganz so futuristisch, aber ich war auch beeindruckt, allerdings auch vom Eintrittspreis.
    LG Clara

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  6. freidenkerin schreibt:

    Diese Art Architektur finde ich auch sehr interessant und teilweise sogar schön. Ich steh aber auch sehr auf alte, klassische Bauweisen. 😉
    110.000 Euronen – jooo, lass mich mal kurz nachrechnen, wie lange ich da jobben müsste, um mir so ein Gefährt kaufen zu können. 😉

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    • tonari schreibt:

      Du weißt, ich mag auch Hundertwasser-Architektur. Insofern muss es nicht immer glatt, kalt und schnörkellos sein. Aber für einen Industriebau ist es sehr passend, wie ich finde.

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  7. fudelchen schreibt:

    Das ist meine Architektur 😀

    Ich liebe solche Formen und bevorzuge sie eher als einen Altbau.

    GLG Marianne 🙂

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  8. rundumkiel schreibt:

    Autos werden ja bekanntlich nicht primär durch Sachargumentationen sonder über Emotionen verkauft. Und das macht dein Bericht hier sehr schön deutlich. Warum sollte man sonst 111.000 Euro für ein Auto ausgeben? Bestimmt nicht aus Sachgründen…

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    • tonari schreibt:

      Prinzipiell hast Du natürlich recht.
      Für 111.000 Euronen müsste mein Auto allerdings dann auch noch einkaufen gehen, waschen, plätten, sauber machen, Kaffee und Essen kochen usw. und gaaaaanz nebenbei von alleine fahren 😉

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  9. chinomso schreibt:

    Die Architektur finde ich auch sehr schön. Mich interessieren die Autos und deren Entstehung weniger und ich finde es einfach Irrsinn soviel Geld für ein Auto auszugeben. Kann ich garnicht nachvollziehen, wie ein solches Auto für jemanden ein Traum sein kann. Was bin ich froh, dass ich andere Träume habe.

    🙂

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  10. andrea schreibt:

    danke für die eindrücke! ich bin damals leider nur drum herum gegangen und anschließend in den botanischen Garten, was auch sehr interessant war.

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  11. Miki schreibt:

    Erinnert mich an die Autostadt Wolfsburg, wo ich im August 2008 mein geliebtes Auto abgeholt habe. Das war ein tolles Erlebnis! (und das Auto immer noch!! 😉 )

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