Wasser von allen Seiten

Manno, waren das diesmal eisheilige Regenfestspiele. Aber schön war es trotzdem, beim 40. Dixielandfestival nach Dresden dabei gewesen zu sein.

Wie bereits im vergangenen Jahr (und in etlichen ungebloggten davor *zwinker*) zog uns die Lust auf einen musikalischen Dixieland-Abend an Bord der MS „Gräfin Cosel“.  Gut beschirmt taten es uns unzählige andere Mitreisende nach zähneklappernd langem Anstehen im Regen am Elbufer gleich. Boarding Time war wetterunabhängig 19.45 Uhr 😦

Die meisten verschwanden dann allerdings in der Spießeretage den gut geheizten Salons mit Panoramablick und Klimaanlage, während wir, die harten Freaks also, auf dem SonnenOberdeck Platz nahmen. Hier sichert rechtzeitiges Erscheinen die trockeneren Innenplätze. Partielle Überdachung hilft nämlich nur bedingt 😉

Mit grandiosen Fotos kann ich Euch aber leider nicht dienen. Kein spektakulärer Sonnenuntergang vor Innenstadtkulisse.  Keine Begleitfahrer mit Rädern oder auf Skates. Keine winkenden Spaziergänger.  Wolkenverhangener Himmel und grau in grau die Elbufer. Es ist, als hätte der Kachelmann das gute Wetter mit in den Knast genommen 😉

Angesichts der wahrlich mickrigen Außentemperatur von gefühlten 4 8 °C, des Fahrtwindes und der Feuchtigkeit halfen Heißgetränke 😉  gegen aufkommendes Frösteln.  Aber wer in der Holzklasse sitzt, hat Sonne im Herzen gut vorbereitet natürlich eine Decke mit und warme Winterklamotten an.

Einige tapfere Mit-Oberdeck-Ausharrer giffen zu unorthodoxen Regenabwehrmaßnahmen und hüpften in blauen Müllsäcken über die Planken.

Ich schrieb ja schon im vergangenen Jahr begeistert, dass die sympathische, aus Freizeitmusikern bestehende Band „Porkie & Bass“ einfach Klasse ist und man ihnen anmerkt, dass ihnen das Jazzen Spaß macht.  Auch unter derart widrigen Umständen!!! Steht und fällt wohl mit dem Publikum 😉 Die klavierspielende Annett (Bild unten, rechts außen) tat mir in weiblicher Solidarität unter uns ewig frierenden Frauen ja ziemlich leid. Ich weiß noch, wie das Töchterlein bei manchen Klavierauftritten  in unbeheizten Kirchen mitunter mit kleinen Taschenwärmern die klammen Finger auf Tastenverwöhntemperatur zu bringen versuchte.

Eine klein-, aber feingedruckte Bandnamenergänzung „Es muss nicht immer Ice Cream sein!“  lässt übrigens ahnen, dass hier nicht nur gängiger Mainstream gespielt werden soll. Dieser Titel gilt zwar als Dauerbrenner in den Wunschhitlisten und wurde von einigen Gästen mit fortschreitendem Abend und/oder Alkoholspiegel  auch zunehmend lautstärker eingefordert, aber das eigentliche Repertoire besteht aus (ur)alten und zum Teil zu Unrecht vergessenen und nun wieder ausgegrabenen Titeln. Fein. Und an dieser Stelle einfach mal ein dickes Dankeschön für die Mühe, die sie sich damit machen.

Ich kann kaum beschreiben, wie toll die Stimmung an Bord war und welch unglaublich gute Laune herrschte. Irgendwann hörte der Regen einfach auf. Oder war er nur vergessen? 😉  Und als der ukrainische Klarinettist Gennadiy (Bild  oben, links außen) dann als Gastbeitrag das Volkslied von den „Schwarzen Augen“ anstimmte, fielen mir doch glatt noch russische Sprachrudimente ein.

Einige wenige Salongäste wagten übrigens gelegentlich mutig den Gang an die frische Luft und wippten in den Gängen mit den Hüften. Gut für uns, weil es dann ohne Seitenwind temperaturtechnisch ein bisschen kuschliger wurde. Schlecht für das Cateringpersonal, das nicht mehr durch die Reihen kam.

Die zweite Gruppe an Bord spielte unten auf dem Gang zwischen den Salons.  Ehrlich gesagt, finde ich das ein bisschen schade, denn so kommt ohne Blickkontakt zwischen Publikum im Bordrestaurant bzw. in der Bar  und der Mochauer Himmelfahrtsband keine richtige Live-Athmosphäre auf. Stellt man sich nicht direkt dazu, könnte die Musik auch vom CD-Player kommen…

Will sagen, unsere Wind-und-Regen-um-die-Nase-weh-Variante ist einfach authentischer 🙂 und wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Jahr.

die Jungs unter Deck

Vom 17. bis zum 22. Mai 2011 findet übrigens das 41. Internationale Dixielandfestival statt.  Unsere Hotelbetten sind bereits gebucht 😉

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33 Antworten zu Wasser von allen Seiten

  1. stefanolix schreibt:

    Auf der Straße war es gestern auch schön. Soll ich noch ein paar Bilder von der Abschluss-Session in der Freilichtbühne bloggen?

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  2. GZi schreibt:

    Oh toll – das wär auch was für mich… Wir wollen am 1. Juli zu den Borby Diexies (leider haben die keine Gehörprobe auf ihrer Homepage) nach Eckernförde auf den Rathausmarkt. Und ab und zu gehen wir auch zu anderen Jazz-Frühshoppen hier in der Gegend… Die Auswahl ist gar nicht mal so klein, es kommen zu den verschiednen Kieler Veranstaltungen tolle Bands aber auch die Bands der umliegenden Dörfer sind wie gesagt nicht ohne…! Auch die Kusendorfer Jazzerricks haben schon einen ganz ordentlichen Namen…. Jazz bringt einfach total Laune!

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  3. ute42 schreibt:

    Ach da kommen Erinnerungen auf. Vielleicht schaffe ich es ja im nächsten Jahr mal wieder. 1011 wird der Mai wunderschön warm 🙂

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  4. chinomso schreibt:

    Gut gewässert und feinfrostig?
    Ihr Armen. Aber offensichtlich hattet ihr richtig Spass.

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  5. Frau Momo schreibt:

    Ich bin kein so ganz großer Jazz Fan, aber Dixieland höre ich gerne, allerdings nur live.
    Da würde ich schon gerne auch mal hin, wie überhaupt nach Dresden, wo ich das letzte Mal als Jugendliche war, also noch zu DDR Zeiten.

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    • tonari schreibt:

      Dixie aus der Konserve geht für mich auch nicht.
      Oh, Du würdest über die Stadt staunen. Ein wahres Schmuckkästchen inzwischen, auch wenn man einige Bausünden nun nicht mehr oder noch nicht weg bekommt 🙄

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  6. Himmelhoch schreibt:

    Bei den Temperauren muss man ja wirklich Doppel-Jazz-Freak sein. Ich habe die Chris-Barber-Truppe in den 90er Jahren hier in der Kunsthochschule erlebt – alle shon etwas gereifter – aber trotzdem schön. Deswegen habe ich mir den verlinkten Titel gleich nochmal schmunzelnd angehört.

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  7. Pingback: Letzte Nachlese vom Dixieland in Dresden « stefanolix

  8. andrea schreibt:

    *bibber* ich friere gerade virtuell mit dir … und drücke die daumen, dass nächstes jahr der wettergott ein einsehen hat mit euch und paar wärmere grade ins gefilde schickt.

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  9. PORKIE & BASS schreibt:

    Hi Britta & Matze,

    danke für euren Blog. Habe ihn gleich mal auf unserer Seite verlinkt. Ist das für euch in Ordnung?
    http://www.oldtimejazz.npage.de
    Da können auch mal die „Warmduscher“ sehen wie schön es auf dem Sonnendeck sein kann !
    Bis 2011, Grüße, die Oldtimejazzer von P. & B.

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  10. Kerstin schreibt:

    Hallo, schon bin ich hier. Du hast ja auch tolle Stunden erlebt in Dresden, dann auch noch auf nem Dampfer! Da herrscht eine besonders gute Stimmung, nebenbei noch die hell erleuchtete Stadt vor Augen – besser kann man es (fast) nicht haben.
    Ich wünsche noch eine angenehme und hoffentlich sonnige Woche.
    Grüße vom Träumerle Kerstin aus Sachsen.

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  11. Kerstin schreibt:

    Gleich noch mal. Tolles Bild im Header! Sieht aus wie der Grand Canyon oder aber auch das Elbsandsteingebirge. Haben was gemeinsames!
    Grüße nochmals von Kerstin.

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  12. freidenkerin schreibt:

    Hier in München gibt’s auch sehr gute Dixieland-Bands: The Allotria Jazzband z. B. oder die Veterinary Street Jazzband, bekannt aus der Knoff-Hoff-Show, bei der spielt übrigens mein langjähriger Optiker Posaune und ist der Schwibschwager des ehemaligen Chefs meines Bruders. 😉 Ja, ja, die Welt ist klein. 😉
    Schade nur, dass ihr so mieses Wetter hattet!

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  13. Der Brotbaecker schreibt:

    Hallo Tonari,

    da hast Du Dich wohl bei den Bildern und Deinem Bericht leicht im Datum vergriffen, denn bei uns war das Wetter zur diesjährigen Dixieshuffle recht gut!
    (guckst Du hier: http://www.brotbaecker.com)
    Auch am Männertag, war es noch erträglich und gelegentlich schien sogar noch die Sonne.
    Erst am Freitag wurde es mistig naß und am Samstag „saukalt“ und trocken.
    Aber ansonsten trotzdem schöne Bilder und die Stimmung war, wie immer beim Dixie in Dresden, excellent!
    Eine gute Zeit wünscht der Brotbaecker

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    • tonari schreibt:

      Hallo Brotbaecker,
      nö, nö, ich habe mich nicht vergriffen. Bin trotz starken Glühweinkonsums noch im Vollbesitz meiner Datums- und sonstigen Erinerungen. Wir waren nämlich wirklich am Freitag unterwegs. Außer der hochoffiziellen Riverboot-Shuffle am Mittwoch gibt es nämlich seit Jahren freitags noch Sonderfahrten, die nicht im offiziellen Veranstaltungsprogramm stehen.
      Ach ja, willkommen hier!

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  14. brotbaecker schreibt:

    Ich kenne die Sonderfahrten, Dein Bericht kam aber zunächst so rüber, als würdest die Shuffle meinen! Für Freitagabend passen die Bilder natürlich wieder!

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