You never lost

inspiriert by Ruediger

An Bord unseres heute zurück gegebenen Mietwagens befindet sich ein Navi. Wir haben es nicht gebucht, aber vorgefunden. Okay, dann nutzte man es natürlich auch.

Allerdings hat es schon das eine oder andere Mal die Grenzen meiner Toleranz erreicht ausgetestet.

Während ich vor einigen Jahren in Florida noch den Eindruck hatte, die Autoverleiher wollen um jeden Preis vermeiden, das Auto als Mietwagen und somit deren Inhalt als Objekt der Begierde zu erkennen zu geben, schien es sich nun ins Gegenteil verkehrt zu haben. „Schaut her, ich bin ein Mietwagen. Ich habe ein Navi an Bord und bin damit immer wieder zu finden. Aber falls Ihr vielleicht in den Kofferraum gucken möchtet, ob die Mieter da vielleicht etwas Spannendes, etwas zum Spielen oder etwas zum Naschen hinterlassen haben, dann nur zu! Nur mitnehmen könnt ihr mich nicht lange!“  Jedenfalls prangt der Verleihername gut sichtbar am Gerät und die dicke, auffällig gelbe Bedienungsanleitung hängt unabnehmbar unten dran. Das komplette Navi ist zudem mit dem Vehikelchen verwachsen 😉 und schaltet sich unaufgefordert automatisch ein.

Zudem erwies sich das Teil als ziemlich benutzerunfreundlich. Nach jedem Aus- bzw. Wiedereinschalten des Motors hatte es vergessen, dass die derzeitigen Nutzer nicht schwerhörig  sind, die deutsche Sprache bevorzugen und gerne die Entfernung in Kilometern ausgegeben hätten. Hieß also, den ganzen Grundkram nach jedem Stop mit Motor aus erneut eingeben.  Select Destination brüllte die Dame mit voller Kraft, um dann ebenso nachdrücklich die Product Demonstration anzubieten. Also schnell das Leiserad in die richtige Richtung drehen und das Stimmvolumen runter fahren, um über Select Language nicht French, sondern German zu wählen. Muss ich schreiben, wie froh ich war, dass Deutsch gleich das zweite Sprachangebot gewesen ist? Nun noch die Miles gegen Kilometer tauschen und dann ab zur Zieleingabe. Jeder, wirklich jeder gewählte Buchstabe wurde angesagt. Gruselig. Mitunter hatte ich das dringende und kaum noch zu unterdrückende Bedürfnis das Tantchen nachzuäffen. Okay, ich konnte mich dann doch zusammenreißen. SIE hätte das auch nicht verstanden 😉

Leider erwies sich auch die Navigation an sich als gewöhnungsbedürftig und mitunter nicht sehr zielführend 😉 Keine eindeutigen akustischen Ansagen bei mehreren Abbiegemöglichkeiten. „Welches rechts? Das rechte Rechts oder das ganz rechte Rechts?“  Gut kamen auch völlig unmotivierte unnötige Aufforderungen zum Wenden, wenn möglich 😆  Zu langsam die Reaktionszeit auf eine geänderte Fahrstrecke, Mitunter versuchte es uns in eine Einbahnstraße zu schicken, damit wir dort den Geisterfahrer geben. Heute standen wir gleich zwei Mal hintereinander vor geschlossenen Tankstellen. Und die waren nicht erst seit drei Wochen außer Betrieb.

Kein Wunder also, dass wir uns auf das Navi nur im Groben verließen und ich auf dem Beifahrersitz den Straßenkartenleser gab.

Gut geholfen hat es, wenn es darum ging, ein nahe gelegenes Hotel zu finden oder zu klären, ob es in kleineren Örtchen überhaupt eine Übernachtungsmöglichkeit gibt. Das hätte uns deutlich mehr Mühe gemacht bzw. wir hätten im Vorfeld festlegen müssen, wo wir bleiben wollen.

Wir haben es oft nur benutzt, um in der Weite des Landes ein Gefühl zu haben, wie lange wir ungefähr noch bis  zum nächsten Ziel unterwegs sein werden.

Als wir heute das Wägelchen nach drei Wochen Rundreise wieder abgaben, standen 3.363 Meilen (rund 5.400 km) mehr auf dem Tacho.  Tolle Leistung vom besten Mietwagennutzer von allen. Unfallfrei, kratzerlos, unaufgeregt. Und das trotz des gesundheitlichen Handycaps.

Zuvor hatten wir die letzten Kilometer zwischen Santa Cruz und San Francisco auf dem Highway 1 am Pazifik zurück gelegt und uns auch ein bisschen Zeit genommen, mal den Seevögeln

und mal den Surfern zu zu sehen. Letztere hatten heute keine großen Wellen, standen dafür aber in den fein versprühten Wassertröpfchen, die die Brandung erzeugte. Gespenstisch.

Natürlich habe  ich meine Zehen auch mal ins Wasser gehalten. Aber wirklich nicht lange. Brrr. Es war so, so kalt. Schnell noch eine Spur in den Sand geschrieben. Schnell war sie auch wieder verschwunden. Schnell dem Wasser zum Opfer gefallen. Lost.

Dieser Beitrag wurde unter Auto, Urlaub abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu You never lost

  1. Renee schreibt:

    die surfer sehen plakatmäßig aus 😉

    das liebe Navi *kicher* – wenn wir mal einen Wagen von der Firma haben, dann schaltet mein Mann auch gern das Navi ein, um den Abstand im Auge zu behalten. Ich hingegen bin eher der Stadtplanleser 😉

    Liken

  2. Wortman schreibt:

    Ich weiß schon, warum ich keinen besitze und lieber per normaler Straßenkarte durch die Gegend düse 🙂

    Liken

  3. ruediger schreibt:

    *hihi*

    Die Einzigen, die in meinem Wagen brüllen und reinquatschen dürfen sind die Gattin, die beste Tochter von allen und auch ich. Schon alleine deswegen kommt mir da kein Navi rein. Der Reiz so ein Ding bei unweigerlichen(?) Fehlfunktionen genüsslich aus dem Fenster zu feuern, entspricht der Handlung das Geld zur Anschaffung in die Kerze zu halten. Soweit bin ich noch lange nicht. 🙂

    Liken

  4. Britta schreibt:

    Ach, liebe Tonari, ich bin ganz hin und weg von Deinen tollen Berichten und Fotos. Zum Nicht-Sattsehen und -lesen! Einfach wunderbar!!

    Herzlichen Dank für all die tollen Eindrücke – das ist wirklich eine ganz besondere Reise, die Ihr da macht!
    Ich geh jetzt noch ein bisserl mehr Bildchen gucken!!

    Liebe Grüße
    Britta

    Liken

  5. Tine schreibt:

    Ich schließe mich Frau Britta uneingschlossen an, ich bin ganz hin und weg von den schönen Fotos (ähm, neidisch trifft es wohl noch eher!) Die Fotos mit den Surfern und den Seepferdchen find ich sensationell. Ich könnt mir ja vorstellen, daß ihr erstmal ne ganze Weile daheim braucht, um die Eindrücke zu „verdauen“! Wann kommt ihr eigentlich wieder? Hier ist komisches Wetter und der Weihnahctsrun beginnt….., wollt ich nur mal loswerden!

    Liken

  6. Straycat schreibt:

    Ja wie jetzt? Sind die 3 Wochen schon um? 😮 😮 😮

    Kann doch gar nicht sein *snief* Da können Sie mal sehen wie sehr das hier gefesselt hat Ihre tollen Berichte und Bilder zu bestaunen. Danke!

    Liken

  7. tonari schreibt:

    @ Renee
    Ich mag es auch, Stadtpläne zu lesen. Da kann man sich wenigstens räumlich einordnen und sieht nicht nur die Nebenstraßen.

    @ wortman
    Geschenkter Gaul halt!

    @ Ruediger
    Die Bude weiß vermutlich auch, warum sie das Teil ans Auto geschweißt haben 😉

    @ Britta
    Du liest mit? Das freut nich.

    @ Tine
    Freitagmittag hat uns Berlin hoffentlich gesund und munter zurück. Schrieb ich schon von meinem Flugängstchen?

    Heute wurde auch hier im Hotel weihnachtstechnisch aufgehübscht. Mir ist noch überhaupt nicht danach. Und heute war teilweise die Fleece-Jacke echt zu warm.

    @ Straycat
    Starten Sie eine Dollar-Sammelaktion in Bloghausen, reden Sie mit meinem Chef und dem meines Mannes und wir bleiben gerne noch ein bisschen 😉

    Liken

  8. freidenkerin schreibt:

    Wir hätten ein Navi dazu buchen können, haben aber darauf verzichtet. Ich habe mir die Fahrtrouten immer mittels Google Earth anzeigen lassen, mangels Drucker die Routenbeschreibungen fein leserlich mit dickem Filzstift und Großbuchstaben notiert und auf die Mittelkonsole gelegt, damit ich während der Fahrten jederzeit einen Blick darauf werfen konnte. Das hat immer recht gut geklappt. 😉

    Liken

  9. freidenkerin schreibt:

    Diese Strandläufer-Vögelchen find ich ja so was von entzückend! Ich habe ihnen sehr oft sehr gerne zugesehen und fand die Art und Weise, wie sie mit wirbelnden Beinchen vor den anströmenden Wellen davon liefen, ausgesprochen erheiternd. 🙂

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s