auf Schleichpfaden

Es war noch ziemlich früh, als Häuptling Donnernder Husten und seine Squaw Triefende Nase nahezu zeitgleich erwachten.  Gigantisch war der Blick aus dem Tipi, der sich ihnen bot. Die Sonne schickte sich an, ihre Tagesrunde zu drehen.

die Sonne geht auf

Die letzte Nacht hatten die beiden in wunderbar weichen Fellen verbracht, aber nun galt es, die sie umgebende Prärie vorsichtig zu erkunden und die Brüder und Schwestern vom Stamme der Navajo zu besuchen. Die Satteltaschen mussten erneut gepackt und das Pferd gesattelt und beladen werden. Trotzdem blieb noch Zeit für ein wenig Bisonfleisch und Fladenbrot.

Um in das gewünschte Gebiet zu gelangen,  mussten sie pro  Skalp fünf Nuggets abgeben. In der Nähe befand sich ein ziemlich große Blockhütte,  in der die Weißen gemalte Reden aus Bildern und Symbolen verteilten. Nicht auf Baumrinde oder Bisonleder. Sie nennen es Papier. Mit Hilfe dieser Zeichen war das Spurenlesen im unbekannten Gebiet dann wirklich ganz einfach. Hin und wieder erschraken die beiden, weil Horden von Bleichgesichtern an ihnen vorbei geritten wurden.

Sie trafen auf drei steinerne Schwestern und einen Cowboy, der es ziemlich eilig hatte,

three sisters and one cowboy

einen gigantischen Elefanten,

sie bestaunten die beeindruckenden Totempfähle des befreundeten Stammes

und blickten vom Artist Point in die unendliche Weite. Aber auch ihr Adlerauge konnte keine Spuren von Mitgliedern der Navajo erspähen.

Noch ein letzter Blick

und dann hieß es auch schon: Pilamayaye wakan tanka nici un ake u wo, ahoe! (Auf Wiedersehen und möge der Große Geist mit Dir sein und Dich führen!)

Auf dem Weiterritt schloss sich ihnen für einige Hufschläge dann doch noch eine Squaw vom Stamme der Navajo an. Sei besaß leider kein eigenes Pferd und war darauf angewiesen, mit anderen in die nächste Stadt mitreiten zu können. Sie erzählte, dass ihr Mann vor einem Jahr in das Land seiner Väter – nach Mexiko – zurück gegangen sei. Fünf ihrer sechs Kinder haben schon ein eigenes Tipi, nur der jüngste wohne noch bei ihr. Es sei schwer hier zu leben, denn Wasser sei knapp.  Manche ihrer Stammesbrüder und -schwestern hätten Glück. Sie wohnen dort, wo der weiße Mann Kraft aus Kabeln schickt, mit denen man sprechende Bilder und jederzeit Licht haben kann. Aber sie schien nicht unglücklich und freute sich, mit dem Häuptling und seiner  Squaw einen Teil des Weges gemeinsam reiten zu können.

Dieser Beitrag wurde unter Urlaub abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu auf Schleichpfaden

  1. Bonafilia schreibt:

    boah…seit Tagen bin ich nur am Staunen und bewundern ….so tolle Bilder!
    Liebe Grüße Bonafilia

    Liken

  2. Manuela schreibt:

    Ihre Beschreibung liest sich reizend, schnelle Genesung und einen weiteren schönen Tag im Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“ wünsche ich Ihnen.

    Liken

  3. Straycat schreibt:

    Eine wunderbare Reisebeschreibung, jeden Tag wieder.
    Allerdings habe ich auf dem „Elefantenbild“ zuerst ein Frauengesicht erspäht und erst dann den Riesen *hihi*
    Gute Besserung an die Reisenden!

    Liken

  4. theomix schreibt:

    Donnerhusten, Treifnase… meine Güüte. Aber diese Ausblicke! Für die Atmungsorgane gute Besserung, für alles andere viel Vergnügen!

    Liken

  5. april schreibt:

    Zu den tollen Bildern von einer einzigartigen Landschaft könnte ich mich jetzt nur wiederholen … Sehr witzig und passend geschrieben. Und nun hast du auch eine Triefnase? Gute Besserung euch beiden.

    Liken

  6. Renee schreibt:

    wundervoll
    gute besserung euch beiden [_]*

    der letzte absatz hat mir besonders gut gefallen, ich konnte sie sehen 😉 danke.

    Liken

  7. Lucie schreibt:

    Toller Bericht, klasse Bilder ich hab das Gefühl dabei zu sein!

    Gute Besserung euch Beiden!

    LG Lucie 🙂

    Liken

  8. goldmarie schreibt:

    oje – donnernder Husten und triefende Nase! Da hilft nur eins: reitet in die wundersame Welt der US pharmacy und KAUFT. Dort gibt es Wundermittel jeder Art, die wirklich helfen. alle möglichen Sprays und Gurgellösungen und Vitaminbomben usw. Keep fit – we love your pics!

    Liken

  9. tonari schreibt:

    @ all
    Naja, bessere Namen sind mir leider nicht eingefallen 😉
    Okay, meine Nase läuft. Soll sie doch, solange sie es in die Richtung tut, die ich bestimme 😉 Ansonsten bin ich okay.
    Mein Liebster hat die Bronchitis / Tubenkatarrh noch nicht ganz überwunden. Aber, und das ist die gute Nachricht, die Medikamente schlagen an und es wird jeden Tag ein bisschen besser. Wir lassen uns doch die gute Urlaubslaune nicht verderben von den Zimperlein.

    Der Kontakt zu Frau Navajo war in der Tat sehr interessant. Wir hatten sie fast 45 Minuten an Bord. Sie erzählte, dass viele Navajos – so auch ihre 12 oder 13 Geschwister – ein Leben außerhalb der Reservate versuchen, später aber dahin zurück kehren. Heimatgefühle beschreibt sie als Grund. Und offensichtlich lässt man sich dort auch von den harten Lebensumständen nicht schrecken. Die Landschaft ist schon arg karg. Den Wassermangel sieht man allerorten. Und dann hat sie nicht einmal Strom vom Netz, nur einen Generator und wenn der schlapp macht… Den Lebensunterhalt verdient sie über das Anfertigen von Handarbeiten, die über Zwischenhändler an Touristen verkauft werden.
    Interessant auch, wie multikulturell ihre Familie ist. Eine Schwester hat einen Vietnamesen geheiratet, eine einen dunkelhäutigen Mann, ihr Mann ist Mexikaner. Ein Bruder ist in Japan bei der Navy.

    Liken

  10. Renee schreibt:

    ich denke, heimat ist das wo dein herz in frieden leben kann.

    wenn jemand so eloquent einem fremden aus seinem leben erzählt, dass zeugt das von glückseeligkeit.
    deiner erzählung zu folge hat sie viel gelächelt; zumindest sehe ich das beim lesen 😉

    Liken

  11. Samantha schreibt:

    sieh zu dass du die triefnase so schnell wie moeglich wieder los wirst. die kannst du jetzt wirklich nicht gebrauchen. gute besserung und weiterhin schoenen urlaub wuensche ich dir

    lg
    Sammy

    Liken

  12. Schaps schreibt:

    Diese Steine fand ich in den Filmen schon immer klasse! Schade nur, dass sie langsam in sich zusammen fallen 😦

    Liken

  13. tonari schreibt:

    @ Renee
    Ich war auch sehr erstaunt über ihre Offenheit.

    @ Samantha
    Wird schon wieder! Ich bin nur völlig überfordert, wenn ich vor den Medikamentenregalen stehe.

    @ Schaps
    Auch das Leben der Steine ist eben endlich. Ich denke aber, Du dürftest es noch schaffen, sie zu sehen 😉

    Liken

  14. Tine schreibt:

    Wow, liebe Frau Tonari, was für wundervolle Fotos. Ich kann mich gar nicht satt sehen!

    Liken

  15. Ruthie schreibt:

    Das ist einfach der Wahnsinn! Diese Bilder! Sie erinnern mich an längst vergangene (glückliche?) Zeiten. Und so eine schöne Geschichte dazu. Das gefällt mir!

    Liken

  16. VEB wortfeile schreibt:

    wirklich eine traumhafte landschaft. diese rottöne. ich bin ein großer freund der indianerkultur, auch wenn ich die horoskope eine bißchen naja finde ;-). einer meiner lieblingsfilme ist demzufolge „dead man“ von jarmusch, in dem die indianerkultur und die europäische aufeinandertreffen.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s