parken, gucken, Eier färben

Ein Besuch der Dresdner Innenstadt mit dem Auto gerät immer wieder zur Nervenprobe.  Nicht etwa wegen der leidigen Parkplatz oder -haussuche, sondern wegen des Einbahnstraßensystems, nicht vorhandener Wendemöglichkeiten und  der unglaublichen Reglementierung bezüglich der Links- bzw. Rechtabbiegemöglichkeiten. Das nenn ich doch mal Verkehrsgarten langfristige Verkehrsberuhigung durch Zermürben. Eingefleischte Dresdener scheinen das Gebiet rund um die Semperoper bereits zu meiden wie der Teufel das Weihwasser, aber ahnungslose Touristen tappen vermutlich immer wieder in diese Falle.  Und so fährt man doch leicht gereizt gerne noch ein weiteres Mal im Kreis und hinterlässt seine Auspuffgase an den historischen Fassaden.

Okay, wir hatten unseren Parkplatz, denn das Parkplatzleitsystem funktionierte. Böse Fallen lauern dann allerdings, wenn man in all seiner „Gefunden!“-Freude übersieht, auf einem der Hotelparkplätze gelandet zu sein. Stutzig wurde ich nur, weil so ein geschniegelter Typ Marke Liftboy-Schnüffler mit Zettel und Stift ganz wichtig Autokennzeichen aufschrieb. Und siehe da, an der Wand gab es einen kleinen Parkplatzbesitzerhinweis mit winzigem Pfeil nach rechts und links. Da kann man nur die Flucht antreten und nach einer Alternative suchen. Nein, nicht nach dem Frauenparkplatz 😉

Unser Rundgang am Ostersamstag führte uns zunächst über die Brühlsche Terrasse. Kaum dort angekommen, gab es für alle einen Riesenspaß beim Betrachten und Hören eines Ein-Mann-Universal-Druckluftorchesters. Der Typ hatte es echt drauf und sein Instrument nach eigenem Bekunden auch noch selbst gebaut.

druckluftorchester

Quasi nebenan befindet sich derzeit eine Künstlerinstallation besonderer Art.  Eine stilisierte rote Metall-Staffelei wurde aufgestellt und gibt damit die heutige  Perspektive vor, die Canaletto beim Zeichnen einer seiner berühmten Stadtansichten damals hatte. Eine tolle Idee, leider aber nicht von geplanter Dauer.  Grund genug, ein Foto zu schießen.

canalettoblick_neu

Dann spazierten wir zur Katholischen Hofkirche, die August der Starke hatte bauen lassen. Neben einer Silbermann-Orgel gab es vor allem die Barockkanzel von Balthasar Permoser zu bestaunen.  In die Gruft kamen wir nicht und so blieb das Gefäß mit dem Herz des „Starken Augusts“ von uns unentdeckt.

Inzwischen war in der Frauenkirche eine Veranstaltung zu Ende gegangen, so dass wir nach einer kleinen Wartezeit ins Innere gehen und nach Herzenslust gucken durften.  Marina hatte die Kirche ja schon von außen gut gefallen. So gut, dass sie für ihre Eltern eine Puzzle-Ansichtskarte gekauft, beschrieben und nach Japan geschickt hatte. Viel Spaß beim Zusammensetzen 😉  Aber auch innen konnte sie sich kaum satt sehen und war ein bisschen traurig, dass das Fotografieren verboten war. Viele der Touristen hielten sich nicht daran und schwupps erlaubte ich mir im Interesse unserer Gasttochter auch einen klitzekleinen Regelverstoß.

frauenkirche1

Aller guten Dinge Kirchen sind drei. Daher lag es nahe, auch noch einen Abstecher zur berühmten Kreuzkirche zu machen. Leider war sie jedoch wegen der gerade stattfindenden Probe für eines der Osterkonzerte nicht zugänglich. Also umkehren und über die Augustusbrücke zum Goldenen Reiter laufen. An ihm waren wir in den letzten Tagen mehrfach vorbei gefahren und hatten Marina einen Fotostopp versprochen.

In der Nähe des Standbildes befinden sich etliche Restaurants. Nach einem leckeren Spätmittag entließen wir die Mädels zum gemeinsamen Shopping.

In der Ferienwohnung mussten wir am Abend dann noch ein bisschen improvisieren. Eierfärben unter erschwerten Bedingungen sozusagen. Nicht, dass es technisch irgendwie aufwendiger wäre, aber wenns nicht die eigene Küche ist, dann ist frau eben besonders vorsichtig und will keine Spuren Farbkleckse hinterlassen.  Eine ausrangierter 1000g-Joghurtbecher diente als Farbtopf, musste nach den einzelnen Farben aber immer wieder gereinigt werden, um ihn erneut verwenden zu können. Was für ein Spaß! Marina kennt Ostern von zu Hause natürlich überhaupt nicht. Wie auch, denn in Japan gibt es kaum Christen. Und so war sie sehr interessiert, wie man Eier färbt, wie man sie blank poliert und knipste von jedem Färbeakt ein Foto.

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4 Antworten zu parken, gucken, Eier färben

  1. Kerstin schreibt:

    Als Dresdner meided man das Gebiet um die Semperoper und den Postplatz in Dresden wirklich. Wir fahren fast ausschließlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt. Aber es gab/gibt auch schon viel Diskussion um die schlechte Verkehrsführung in dem Gebiet. Ich habe aber auch schon öfter Autos auf eigentlich nur Gleisstrecken (als dürfen nur von der Straba befahren werden) fahren sehen, weil die sich in dem Schilderwald nicht mehr zurechtgefunden haben. Jedenfalls hattet Ihr echt schönes Wetter und da macht Dresden so richtig Spaß.
    LG
    Kerstin

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  2. Andrea schreibt:

    In der Frauenkirche habe ich auch ganz schnell ein Foto geschossen, nachdem sich kaum einer an das Verbot hielt und es auch nicht reglementiert wurde. Obwohl es mir schon unangenehm war *lol* Die Pracht der Kirche ist ja schon kitschig für heutige Verhältnisse, beeindruckt aber trotzdem.

    Habt ihr die Silbermannorgel hören können?

    Ich bin die zwei Male, wo ich in Dresden unterwegs war, immer zu Fuß oder mit den Öffentlichen unterwegs gewesen, das ging eigentlich hervorragend. Vielleicht eine Alternative? 😉

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  3. tonari schreibt:

    @ Kerstin
    Dacht ichs mir doch 😆 und ja, die Gleise zu benutzen, war sehr verlockend 😉

    @ Andrea
    Ich habe etliche Male vor dem Trümmerberg gestanden, der diese Kirche einmal war. Und schwupp hat man zum Wiederaufbau einen persönlicheren Bezug. Ich mag es auch nicht so gerne, wenn Kirchen wie Schlösser ausssehen 😉 , aber Marina war ganz entrückt.
    Ein Orgelkonzert in der Hofkirche war uns nicht vergönnt. Vielleicht klappt es ein anderes Mal.
    Wir hatten die Öffentlichen als Alternative auch auf dem Schirm. Zu Fuß ist es vom Blauen Wunder nämlich zu weit. Aber die Fahrkarten mal 4 x 2 sind deutlich teurer als die Parkgebühren 😉 Noch dazu schepperten im Kofferraum jede Mange Pfandflaschen, die zurück gebracht werdenn wollten…

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  4. Zill.y schreibt:

    Bei dem Schlagwort Dresden und Deinem Kommentar bei Nadel und Faden musste ich einfach hier hinein lunschen. Als gebuertige Dresdnerin freu ich mich ganz besonders, von daheim informiert zu werden. Auch spannend ist es, was Stadtfremde entdecken. In Euer Ferienwohnung seid Ihr quasi fast bei mir im alten zuhause gewesen und das macht mich schon ein wenig neidisch 😉

    Herzliche, wenngleich unbekannte, Gruesse aus Seattle, Zilly.

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