mein Glas, dein Glas

Gastfamilien sind so wie sie sind. Überall auf der Welt. Gerade deshalb darf man aus dem dort Gesehenen und Erlebtem nicht ableiten, dass alles in Japans (oder wo auch immer) Familien generell so gemacht, gelebt oder gedacht wird. Manchmal neigt man dazu, etwas von den familiären Eigenheiten zu verallgemeinern und zu denken „So ist Japan.“ Manchmal aber auch werden Dinge als typisch für diese spezielle Familie angesehen und davon ausgegangen, dass es im Rest des Landes durchaus anders gehandhabt wird.

So jedenfalls ging es mir, als Dana während ihres Austauschjahres berichtete, dass in ihrer Gastfamilie jedes Familienmitglied sein eigenes Paar Stäbchen hat, seinen eigenen Teller, seine eigene Reisschüssel, die eigene Tasse. Und damit meine ich nicht, dass man nicht zu viert aus einem Becher trinkt, sondern dass das Geschirrteil zum Beispiel ausschließlich von Papa benutzt wird. Und niemals würde es Mama in den Sinn kommen, von Papas Tellerchen zu essen 🙂 Folgerichtig ging die Familie damals gleich nach Ankunft unserer Tochter mit ihr ihr persönliches Geschirr und zugehörige Stäbchen einkaufen.
Gestern nun – ich hatte gerade spontan einen Schluck aus dem Glas meines Liebsten getrunken – erfuhr ich, dass man so etwas in Japan nicht macht. Und dann kam die Jeder-hat-sein-eigenes-Geschirr-Story noch einmal von Marina. Soll heißen, auch in ihrer Familie wird das so gehandhabt. Hm. Okay, also doch typischer für Japan als ich bisher gedacht hatte.

Spaß gab es dann bei meiner Frage, wie man denn mit Besuch umgehen würde. Ich wollte wissen, ob sich die Großeltern beim Besuch ihre eigenen Stäbchen etc. mitbringen. Nein, natürlich nicht. Es gibt für diese Fälle eine zusätzliche Ausstattung, die aber normalerweise nicht im Gebrauch ist. Also nix mit rein in den Geschirrspüler und das nächste aus dem Schrank genommen 😦

Und nein, Marina hat kein Problem damit, bei uns nicht ihr höchstpersönliches Geschirr zur Verfügung zu haben.

Manche Japaner allerdings reisen mit ihren eigenen Stäbchen durchs Land, um aus Umweltschutzgründen nicht Wegwerfhashis verwenden zu müssen. Löblich bei der Masse an Holzstäbchen, die sonst auf dem Müll landen. Jeder Japaner verbraucht im Schnitt 200 Stück jährlich.

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