Tanjobi omedeto

Auch wenn Geburtstage in Japan nicht den gleichen Stellenwert haben wir bei uns, so ist es dennoch bestimmt ein komisches Gefühl für einen jungen Menschen, diesen Tag nicht in der gewohnten Umgebung zu verbringen.

Der „Papa“ hatte morgens den Tisch gedeckt und Brötchen geholt, während ich in Windeseile den Geburtstagstisch aufbaute. Leider hatte ich es am Vorabend nicht mehr tun können, denn die Mädels waren deutlich länger munter als wir Eltern…
Der Geburtstagstisch ist bei uns kein eigens dafür angeschafftes Möbelstück, sondern – je nach Lust und Laune der Gestalterin und abhängig von der Größe der Geschenke – ein Teil des Esstisches in der Küche oder des Schrankes im Wohnzimmer oder des Tisches im selben Raum. Also schnell das Happy-Birthday-Platzdeckchen ausgebreitet, den Blumenstrauß hingestellt und die Geschenke drumherum drapiert und mit Süßigkeiten garniert – fertig. Das Geburtstagskind kann kommen. Halt! Das Töchterlein war noch zu wecken (Studentin müsste man noch mal sein), denn schließlich sollte es ein gemütliches gemeinsames Frühstück vor Schul-, und verschobenem Arbeits- und Unibeginn geben.

Tanjobi omedeto – herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.

Marina strahlte schon mit den Kerzen auf dem Frühstückstisch um die Wette, aber mit dem Blick auf den „Geburtstagstisch“ ging die Sonne auf. Die Karte für das Lang Lang–Konzert in der Semperoper in Dresden hatte sie zuerst entdeckt, kannte allerdings zu unserer Überraschung den Pianisten nicht. Hm. Dann wurde die neue Kette umgebunden und richtig Freude kam beim Erblicken des Handys auf. Ihr mitgebrachtes aus Japan funktioniert hier nämlich nicht. Ein nicht ganz uneigennütziges Geschenk ;-), denn es gibt mir das gute Gefühl, dass sie immer anrufen kann, wenn sie Hilfe braucht oder etwas Dringendes besprechen muss und ich auch mal nachfragen kann, wenn mir etwas auf der Seele liegt. Angesichts der Überraschung blieb die warme Jacke dann allerdings irgendwie unbeachtet.

In der Schule nahmen die Gratulationen auch kein Ende, wie wir am Abend erfuhren. Mitschülerinnen hatten Süßigkeiten mitgebracht, Glückwunschkarten geschrieben und eine Freundin hatte sogar einen Kuchen gebacken, der nach Schulschluss gemeinsam verspeist wurde. Und zu Hause wartete noch ein Päckchen der Eltern aus Japan auf sie.

Der Tag klang bei einem leckeren Essen in einem thailändischen Restaurant aus. Ich hatte, um meinen eigenen Geburtstag wenigstens ein bisschen nachzufeiern, meine Freundin mit ihrem Mann spontan auch dazu eingeladen. Und so gab es von ihnen für Marina das letzte Geburtstagsgeschenk des Tages: Märchen der Brüder Grimm in einem wunderbar illustrierten Buch. Auf Deutsch natürlich.

Fazit einer glücklichen Gasttochter:
„Geburtstag in Deutschland ist viiiiiiiel schöner als in Japan!!!“

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3 Antworten zu Tanjobi omedeto

  1. brummkreisel schreibt:

    Mensch, so ein schöner Geburtstag. Ich hätte mir wohl auch ein Bein ausgefreut, wenn mir meine Gastfamilie so einen schönen Tag macht. Meine Gastmutter hatte letztens auch Geburtstag, aber ihr Mann war auf Dienstreise und am Wochenende stieg auch keine kleine Feier. Wir haben nur eine Erdbeer-Sahne-Torte gegessen, die hier viel kleiner sind als in Deutschland (aber sehr lecker und teuer) und ein paar kleine Geschenke ausgetauscht. Einen Geburtstagstisch kennt hier wohl keiner. Schade. Dabei kommen jetzt in dieser Familie so viele Geburtstage.

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  2. Andrea schreibt:

    dass sie einen solchen schönen und liebevollen Geburtstag hatte, nachdem sie ja nun noch nicht so lange von Zuhause weg ist, tröstet sie bestimmt ein bisschen, oder hat sie kein Heimweh?

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  3. tonari schreibt:

    @Brummkreisel
    Kannst du nicht einen „Geburtstagstisch“ improvisieren und den quasi verschenken? Vielleicht bei den Kindern?

    @ Andrea
    Marina ist seit Ende August in Deutschland, seit Ende September bei uns und klar gibt es da auch mal einen Heimwehanfall. Aber wenn, dann ist der bisher nicht langanhaltend gewesen. Insgesamt fühlt sie sich wohl, glaube ich.

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